gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

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MYKOLOGISMUS II

Nino Baumgartner
Marianne Engel
Franziska Ewald
Kathrin Fröhlin
Marco Giacomoni
Filip Haag
Lucyenne Hälg
Huber.Huber
Johanna Huguenin
Bernhard Huwiler
Nicolas Küffer
Karin Lehmann
Renée Magaña
Martin Möll
Ernesto Nicola Nicolai
Andrea Nyffeler Cotting
Christian Pauli
Dino Rigoli
Beatrice Senn-Irlet
Barbara Zoller

 

Samstag 18.Oktober 2014  14 Uhr  “Urban Mushrooms“

Führung durch Liebefeld mit Dr.ès siences Nicolas Küffer,Mykologe

Anschliessend: “Caçadors de bolets“ Filmbeiträge zu Pilzen

Barbetrieb


Freitag 24.Oktober 2014  14 Uhr “PILZE in Könizer Lebensräumen“

“Ein Blick ins Unsichtbare - die mikroskopische Pilzwelt”

Präsentation von Barbara Zoller, Pilzkontrolleurin und

PD Dr. Beatrice Senn-Irlet, Mykologin

Anschliessend: “Caçadors de bolets“ Filmbeiträge zu Pilzen

Barbetrieb

 


Vernissage: Freitag 7.November 2014 18 Uhr

Einführung durch Marc Munter, Kunsthistoriker

Lesung: “Die Unmöglichkeit der Pilze” von Christian Pauli

Huitlachoche: Ein Bericht von Renée Magaña

Konzertperformance: “The Fungi Kingdom”


Samstag 8.November 2014 15-18 Uhr

“Kefir-Pilz?”  

Vermittlungsprojekt von Kathrin Fröhlin


Öffnungszeiten:

Samstag 8. und Sonntag 9. November 14-18 Uhr


Sie und Ihre Pilz-Freunde sind zu den Anlässen herzlich eingeladen!


Einladung als PDF

gepard14  Schützenstrasse 14  3097 Liebefeld bei Bern
Öffnungszeiten: Samstag / Sonntag, 8. / 9. November 2014, 14–18 Uhr


MYKOLOGISMUS II

So mystisch die Welt der Pilze, so einzigartig der "Mykologismus": Im weltweiten, virtuellen Netz taucht er ausschliesslich im Gebiet des gepard14 auf; hauptsächlich in Zusammenhang mit der aktuellen Mykologismus-Ausstellung. Steht Mykologie für die Wissenschaft der Pilze, so lässt sich der Mykologismus wohl am ehesten als künstleri-sches Ansinnen, als Aufspüren, Sammeln und Produzieren mit ausgeprägtem Sinn für die wundersamen Gewächse festmachen. Ferner fügt sich das Projekt augenzwinkernd in den Kreis schillernder "-ismen" rund um Ideologien, Geisteshaltungen und kulturelle Bewegungen wie Optimismus, Anarchismus oder Surrealismus.
Nach Mykologismus – erste Forschungsergebnisse von 2012, mit Marco Giacomoni und Martin Möll, wurde zum Folgeprojekt Mykologismus II eine ganze Reihe pilzaffiner Kunstschaffender zu gepard14 eingeladen. Bereits vor der Eröffnung führte der Mykologe Dr. ès siences Nicolas Küffer durchs pilzreiche Köniz, und die Pilzkontrolleurin Barbara Zoller und die Mykologin PD Dr. Beatrice Senn-Irlet boten Einblick in den Mikrokosmos der Pilzwelt. Filmbeiträge zum Thema rundeten die Veranstaltungen ab.
Weitere Kreise zog der Mykologismus nun in der Ausstellung. Weniger als Gemein-schaftsarbeit, sondern als Schau einzelner Werke der 18 Künstlerinnen und Künstler zum Thema. Pilze bilden ein eigenständiges Reich in der Welt der Biologie und sind bekanntlich nicht nur für den Verzehr von Bedeutung. Als ständige Begleiter prägen sie unseren Alltag – bemerkt oder unbemerkt, materiell wie immateriell, sinnlich, übersinnlich, gut- und bösartig. Das "Rhizom" als zentrales Verbindungsorgan bei Pilzen und Pflanzen haben Gilles Deleuze und Félix Guattari gar als Methaper zur Beschrei-bung weltumspannender Zusammenhänge von Wissen und Leben ins postmoderne Denken eingeführt.
Eingespannt zwischen Shiitake-Pilzen und umwickelt mit schwarzem Isolierband krümmen sich die Bambusstangen von Nino Baumgartner und Karin Lehmann zwischen  Boden und Decke des Ausstellungsraums. Ihre Arbeit Shiitake Balance macht die unterschiedlichen Krafteinwirkungen auf das Material geradezu spürbar. Mit subtiler Ironie stellt der Balance-Akt ferner die symbolischen und heilsamen  "Kräfte" des Bambus und der Shiitake-Pilze auf den Prüfstand.
An anderer Stelle schiessen eine eigentümlich leuchtende Morchel sowie Blätter- und Steinpilze aus dem Boden. Die echt aussehenden Pilze von Marianne Engel sind in Wirklichkeit Abgüsse aus Epoxydharz, wobei der Entstehungsprozess entscheidend ist: Die echten Pilze wurden in Wachs getaucht und danach dem natürlichen Verwesungs-prozess ausgesetzt. Bis in die feinsten Poren frassen sich die Insekten, Würmer und weiteren Organismen durch die Pilze hindurch und legten so die Gussform im Wachs frei. Das Leuchten rührt von Nachleuchtpigmenten her, die dem Harz beigegeben wurden. Die Künstlichkeit und magische Anziehungskraft der Pilze kommen auf diese Weise umso deutlicher zur Geltung.
Ähnlich feine Spuren hinterliessen die Pilze auf den gerahmten Glasplatten Aurora 1 – 3 von Marianne Engel. Wie ein zarter Hauch, ausgelöst durch den Luftzug, verteilten sich ihre Sporen auf den Gläsern.
Franziska Ewald nahm sich für ihre Fotoserie die gestaltete Welt der Pilze vor, die als Metaphern schier omnipräsent sind. Meistens sind es Fliegenpilze, die ganze Wohn-interieurs oder Schaufensterauslagen zieren, daneben Kinderspielzeug wie die Memory-Karten oder die Pilzhäuser, welche auf den Fotografien zu sehen sind. Die niedlichen, mitunter kitschigen Darstellungen sind an sich ein Paradox, angesichts der realen Fliegen-pilze, die im feucht-dunklen Unterholz gedeihen und hoch giftig sind. Andererseits sind Fliegenpilze von eingängiger Schönheit und auch deshalb ein weit verbreitetes Glückssymbol. Schliesslich werden sie gerade wegen ihrer zweifelhaften Substanzen als Rauschmittel verwendet.
Kefir-Pilz? fragt Kathrin Fröhlin in ihrem Vermittlungsprojekt, wofür im Vorfeld mehrere Personen bei sich zuhause einen Kefir angesetzt und sein Wachstum dokumentiert haben. Am Samstagnachmittag werden die Erfahrungen und Geschichten der Beteiligten in der Ausstellung zusammengetragen. Der Kefir wurde jeweils nach Verdoppelung seiner Grösse zur Hälfte an eine nächste Person zum Ansetzen weitergegeben. Folglich ist auf Samstag ein stattlicher Kefir zu erwarten. – Kefir? Die ursprünglich kaukasische Spezialität finden wir längst im hiesigen Ladenregal. Streng genommen handelt es sich nicht um einen Pilz, sondern um das Produkt eines Gärungsprozesses aus Milch und Milchsäurebakterien. Ein Stoffwechselprozess, der ebenso die Pilzwelt wie unseren Organismus zeitlebens prägt.
In den Armen der spätmittelalterlichen Madonna im Rosenhag von Martin Schongauer (um 1473, heute in der Dominikanerkirche zu Colmar) liegt ein pilzgeborenes Misch-wesen. Mit Schalk und Hintersinn übermalte Marco Giacomoni für seine Arbeit Mykologismus die Reproduktion aus einer alten Zeitschrift mit einem bunten Pilzgewächs. Dessen Schirm sprengt förmlich den Rahmen des Marienbildes. Ironie des Schicksals: In Wirklichkeit wurde dem Bild der Altarrahmen nachträglich verpasst, weshalb es nach oben hin  beschnitten werden musste. Seither wirkt die Maria auf dem Bild ohnehin etwas bedrängt. 
Ein weiteres Fantasiewesen des Künstlers, zusammengesetzt aus einer Hundefigur und einem Holzpilz, verharrt mit aufgerissener Schnauze am Boden. Erneut werden Natur und Warenwelt, die mit  allerlei Pilzen und Tieren "bestückt" sind, aufs Korn genommen. In den entgegengesetzten Welten anerbieten sich die phantastischen, sinnlichen und humorvoll kritischen Kunstwerke geradezu als willkommene Alternativen.
Etliche Sporen gehen immer verloren heisst die Versuchsanordnung von Filip Haag: Denn nur ein Teil der von ihm gefertigten Zinnsporen fiel beim  Streuen durch das enge Loch ins Innere des Trichters. Die anderen haben sich schwarmartig darum herum verteilt. Der Trichter, der in seiner Form einem umgedrehten Pilz ähnelt, wird zum Sinnbild von Ein- und Ausschluss und trennt scheinbar "die Spreu vom Weizen". In Anbetracht der Sporen, die im Trichter eingeschlossenen sind, stellt sich allerdings die Frage, welche Sporen nun tatsächlich die "verlorenen" sind.
Wie ein teppichartiges Ornament breiten sich die aufgesteckten Pilze von Lucienne Hälg über einer blinden Tür zwischen Ausstellungsraum und angrenzender Physio-therapie-Praxis aus. Der arabische Titel Habibi ("mein Geliebter") weckt Assoziationen zu ornamentalen Orientteppichen. Er benennt aber auch das ausdauernde Sammeln und Anbringen der Pilze, wofür die Künstlerin einiges an Zuwendung und Geduld aufbringen musste. Die verschlossene Tür steht sinnbildlich für die geheimnisumwobenen Pilze und unser Verlangen, die Rätsel dahinter zu lüften.
Das Künstlerduo huber.huber (Reto und Markus Huber) verwendete für seine Foto-plakate mit Totentrompeten ein spezielles Druckverfahren. Dadurch erreichten sie ein ausgesprochen dunkeltoniges Schwarzweiss, das die markante Ästhetik und gleichzeitig morbide Namensgebung des Pilzes unterstreicht. Indessen bringen die delikaten Pilze weniger den Tod, als vielmehr köstliche Gaumenfreuden. Andererseits wird das "Kostbare" und ästhetisch Schöne stets von den Schatten der Vergänglichkeit begleitet. 
Für ihre organisch wirkenden Objekte liess sich Johanna Huguenin von Pilzen inspi-rieren, die Körperkrankheiten hervorrufen wie beispielsweise der Hautpilz, der Nagelpilz oder der Fusspilz. Abgesehen von ihrer Grösse ähneln sie in der Form und mit ihren röhrenartigen Verbindungen auf frappante Weise den Pilzen wie wir sie in der Natur vorfinden.
Bernhard Huwiler begleitete Martin Möll auf Streifzügen durch pilzreiche Gebiete und hielt unter anderem das abschliessende Rüsten der Pilze als filmisches Tafelbild mit fixer Kameraposition fest. Im Videoloop füllen sich nach und nach die Siebe zum Trocknen der Pilze; die Hände sind geschäftig, um am Ende doch wieder einen leeren Tisch zu hinterlassen.
Während ihres Aufenthalts in Mexiko ging Renée Magaña dem Maisbeulenbrand nach, einem Pilz der dort als Delikatesse gilt und in der essbaren Wachstumsphase als "Huitlachoche" bezeichnet wird. In ihrem gleichnamigen Beitrag an der Vernissage berichtet die Künstlerin über den Pilz und seinen sonderbaren Status. Hierzulande gilt er ebenfalls als geniessbar, anderswo, beispielsweise in Deutschland, wird er dagegen als ungeniessbar eingestuft und vom Verzehr wird abgeraten.
Als Sänger der vierköpfigen Band The Fungi Kingdom verfasste Martin Möll zwei Songtexte zu Pilzen – Mushroom Man und The Ballad of the Dotted Stem Bolete. An der Vernissage werden sie von ihm und den drei Musikern Nicolas Bangerter, Markus Gneupel und Gregor Gilg in einer Mischung zwischen Punkrock und Country zum Besten gegeben. In der Arbeit Meine erprobten guten Pilzplätze eliminierte der Künstler seine bevorzugten Sammelplätze von der Landkarte. Wo einst ihre Koordinaten vermerkt waren, klafft nun ein rechteckiges Loch. Wie die Pilze, so hütet auch der kundige Sammler seine Geheimnisse. Zudem wird sich Martin Möll am Sonntag im Rahmen einer Performance bei gepard14 eine Totentrompete auf den Hals tätowieren lassen.
Die Eierschwämme von Ernesto Nicola Nicolai muten zunächst wie Eingemachtes aus der hauseigenen Küche an. Doch der Schein trügt: Der Künstler schnitt Kunststoffschwämme zu Eiformen und füllte diese zusammen mit Wasser in die Gläser ab. Weder sind es tatsächliche Eierschwämme noch Schwämme aus einem Gewässer, sondern reine Kunstprodukte. Das Wortspiel nimmt den Rang von Kunst und Essbarem auf die Schippe. Vorgänge des Sammelns und Konservierens werden humorvoll in Frage gestellt. Schliesslich sind es gerade Pilze, welche der Kunst äussert gefährlich werden können.
Ähnlich wie Franziska Ewald interessiert sich Andrea Nyffeler Cotting für das ambi-valente Motiv der Fliegenpilze. In ihren Kreisbildern und dem Tuschebild persifliert sie die harmlose, ästhetische Kinderbilderwelt, die uns bisweilen das Fürchten lehrt. Rund um ihre bunten Pilze herrscht das Dunkel; stellenweise flackern mystische Lichter auf und Nachtfalter mit Totenkopf-Zeichnung schwirren durch die Lüfte.
In seinem Text Elf Sätze über die Unmöglichkeit der Pilze hält Christian Pauli Erinnerungen über unglückliche Umstände des Sammelns und Konsumierens von Pilzen fest. Sei es, dass sich die gesammelten Pilze als ungeniessbar erwiesen; sei es, dass er sich bei seinen Vorhaben rund um Pilze selbst im Wege stand. Einmal mehr zeigt sich die Welt der Pilze voller Geheimnisse – und Hindernisse, die unsereins bisweilen ein Bein stellen.
Im Video Ein Männlein steht im Walde von Dino Rigoli gibt das gleichnamige Kinderlied den Ton an. Mehrere Pilze ploppen aus dem Boden und penetrieren sich zusehends. In Anspielung auf das Männlein im Walde mit seinem "purpurrotem Mäntelelein" überlässt Dino Rigoli die Pilze ihrem bunten Treiben. Der Videoloop entstand mithilfe einer Applikation für I-pads, und via QR-Code steht der Film mit den feucht fröhlichen Pilzen auch zum Download zur Verfügung – im weltweiten Netz.
Marc Munter, Kunsthistoriker, Bern

 

Artikel im Bund vom 6.11.2014

 

Bildergalerie


Elf Sätze über die Unmöglichkeit der Pilze

Von Christian Pauli


1
Zwischen den Strassen und Höfen wechseln sich grüne Matten und braune Äcker. Darauf stehen vereinzelte Bäume, Gräser, Büsche, Kühe, Schafe, Ziegen, Rehe, Füchse, Gemsen, Würmer, Schnecken. In der lauen Luft fliegen letzte Bienen, am Fenster kleben Fliegen, vor dem nahenden Winter flüchten Zugvögel, stoisch ihre Runde ziehen Milane. Es ist Mitte Oktober. Es war ein ausgesprochen gutes Pilzjahr, und vermutlich sind sie da draussen immer noch in Massen.

Mein Interesse am und Unwissen über Pilze hat hier oben im Eichacher seine eigenen Geschichten geschrieben. Die erste Ladung, die wir vermutlich vor zwanzig Jahren bei einem Spaziergang sammelten, brachten wir zum Prüfer nach Mamishaus.

2
Ungeniessbar bis tödlich.

3
Später machte mich eine Nachbarin auf einen Schwefelporling in unserem Garten aufmerksam, der prächtig wuchs an einem Birnenbaum. Schwefelporling sei eine Delikatesse, beschied sie, zu kochen und zu essen wie Hühnerfleisch. Sie nehme auch eine Portion davon, die sie gleich zu braten gedenke, dort unten in ihrem Stöckli auf dem Boden. Gerne teilte ich mit ihr. Die Schenkung gab mir eine gewisse Zuversicht, das anstehende Mahl ohne Risiko zu überstehen. Wir brieten die Porling-Stücke. Eigenartig fleischig im Biss, etwas exotisch, im Geschmack aber durchaus an Huhn erinnernd.

4
Geniessbar.

5
Den Weg von Hinterfultigen zur Schwarzwasserbrücke habe ich vermutlich schon über hundert Mal begangen. Die lange Senke bis hin zum Graben, in dem der Bütschelbach sich in das Schwarzwasser ergiesst, ist für mich jeweils wie eine endlose Metamorphose. Die immer gleiche Landschaft ist immer wieder neu, anders. Oder ist es in mir drin, anders, immer neu? Auf halbem Weg, wie zum Gruss, im Herbst, immer am gleichen Ort, die Krause Glucke. Sie steht dort ein paar Tage – oder sind's Wochen? –, bevor sie verfault und im Boden versinkt.

Immer wieder trägt es mich zur Steiglen, diesem Weiler hoch über der Steiglenau am Schwarzwasser. Etwas weiter unten, kurz bevor der Weg in den steilen Wald zum Fluss hinunter einbiegt, liegt dieses Feld, meist von Schafen bevölkert, leicht moosig und oft mit Pilzen bestückt. Ich umkreise die meist schon verfaulten, von Schnecken angeknabberten Stücke. Sie bleiben mir fremd, auf Distanz, ich getraue mich nicht, sie zu pflücken.
6
Verfault.

7
Auf dem Rückweg dann eines der raren, regelmässigen Erfolgserlebnisse, die in der Pfanne ihre Fortsetzung finden: Ziegenlippe.

Vor einiger Zeit brachte ich einen flüchtig Bekannten dorthin, zu den Wäldern bei der Steiglen. Wir pflückten Maronenröhrlinge, ein paar Reizker, einen Steinpilz und ein paar Dinger, die ich vergessen habe. Weiter links, in einem anderen Waldabschnitt über dem Schwarzwasser, zeigte mir der Bekannte, der der mykologischen Sammelsucht anheim gefallen ist, ein ganzes Feld von Totentrompeten. Ich hätte sie nicht bemerkt.

Letztes Jahr führte uns Martin Möll in den Gurnigel – ein Ausflug, dem abends eine veritable Pilzpfanne folgte.

8
Genuss.

9
Heuer aber nicht. Keine Pilze gegessen. Keinen einzigen. Am Weg zur Chrummfadeflue im Gantrischgebiet stiess ich auf einen veritablen Pilzring. Alleine, im seichten, von der Wasserscheide aufsteigenden Nebel blieb ich stehen. Der Anblick war überwältigend. Ich kannte die Pilze nicht. Kein Mensch, weit und breit. Diese Pilze waren eine Erscheinung, ganz für mich allein. Eine Erscheinung, die mir fast den Atem nahm.

Weder Tier noch Pflanze. Ein Hybrid, der uns aus der Unterwelt grüsst. Pforten zwischen der inneren und äusseren Welt. Sie scheinen dem Inneren, dem Verborgenen, dem Untergründigen meist näher als dem Äusseren, dem sie sich nur kurzzeitig öffnen.

10
Nicht von dieser Welt.

11
Es ist nur folgerichtig, dass wir Pilze verspeisen, und sie damit wieder verinnerlichen.

«Sie sind überall!!!», antwortete Martin Möll neulich, als ich ihm ein Bild von einem Pilz schickte, der an der Fellerstrasse, dem Standort der Hochschule der Künste Bern, aus dem Rasen platzte. Es klang ein bisschen verzweifelt. Ich meine, das sehr gut verstanden zu haben. Das Unfassbare, das Pilzen eigen ist, kann auch zur Bedrängung werden. Womöglich begreife ich das alles überhaupt nicht. Ich kann nur sagen, dass in diesem Jahr Pilze für mich keine Möglichkeit waren. Sie gehören zu einer Welt, die mir ungeheuerlich vorkommt.

 

 

"Ein Männlein steht im Walde..." 2014

Animationsfilm  von  Dino Rigoli

Link: https://www.facebook.com/rigolidino