"Rohlinge"
Vernissage: 2. Juli 18 Uhr
Öffnungszeiten: 3./4. Juli 16-20 Uhr
Sie und Ihre Freunde sind herzliche eingeladen!
Die Figuren der neuesten plastischen Arbeiten von Luciano Andreani
(*1947) sind waghalsige Akrobaten: In kleinen Gruppen, teils in
symmetrischen Konstellationen, hat der Künstler die seltsamen,
vergnüglichen Artisten angeordnet. Es sind in Ton modellierte Misch-
und Fantasiewesen, die hier unbekümmert und mehr als gekonnt ihre
Leibesübungen vollführen. Sie erinnern an Andreanis verspielte
Plastiken im öffentlichen Raum, dem Wasserspeier in der Münstergasse
oder dem ewig gehenden, aber kopflosen Beinpaar am Casinoplatz. Und
sie rufen ebenso die monströsen gotischen Wasserspeier oder Figuren
romanischer Kapitelle und Figurenportale in Erinnerung.
Dominik Imhof
Luciano Andreani
Rohlinge
Nicht nur die aktuellen in Ton ausgeführten Skulpturen von Luciano Andreani (*1947) sind in ihrem zwar gebrannten, aber dennoch nicht weiter behandelten Zustand als Rohlinge zu bezeichnen. Seine gesamte Auswahl der hier präsentierten Arbeiten wandelt rund um dieses Thema, sei es unter formalen oder inhaltlichen Aspekten.
Da wären die frühen zeichnerischen Werke aus den 1980er Jahren, mit denen Andreani bereits seinen Bildkosmos vorstellt: ein duschender Teufel, dem Tropfen wie Tränen die Wangen hinunterfliessen und fischartige Wesen aus den Händen wachsen; ein träumender Indianer, der mit seiner Bettstatt verschmolzen scheint und seinen martialischen Federschmuck auf dem Nachtischchen untergebracht hat; sich windende weibliche Wesen, die an die fantastischen Kreaturen eines Alfred Kubin erinnern. Die Zeichnungen wandeln auf Traumpfaden, sie sind roh, in dem Sinne, als dass sie grob ausgeführt sind und in ihren Motiven derb und ungeschliffen daherkommen. Und die Figuren sind Monster und Satane – Rohlinge eben.
Eine ganz ähnliche Beschaffenheit ist den 2008 entstandenen Collagen eigen. Auch sie sind ganz salopp ausgeführt und spielen auf derselben motivischen Bühne wie die Zeichnungen: Totenköpfe und Zauberhüte, Hasen und Schlachtplatten oder ein satanischer Velofahrer. Werke des synthetischen Kubismus eines Picasso und Braque fallen einem ein, doch Andreani gestaltet eine weitaus hintersinnigere, zügellosere Bildwelt, in der das weisse Häschen des Zauberers auf dem Teller landet, ebenso wie eine Hand mit abgetrenntem Finger. Oder ein Boxkampf wird zum Narrentanz, bei dem der übermütige und hilflose Hase – aufgetakelt mit Cowboystiefeln – gegen das wehrhafte Schwein anzukommen sucht.
Die Figuren der neuesten plastischen Arbeiten sind waghalsige Akrobaten und fügen sich nahtlos in das vorangehende wilde Universum: In kleinen Gruppen, teils in symmetrischen Konstellationen, hat der Künstler die seltsamen, dreisten Artisten angeordnet. Es sind in Ton modellierte Misch- und Fantasiewesen, die hier unbekümmert und mehr als gekonnt ihre Leibesübungen vollführen. Ihre Köpfe wachsen aus ihren Handgelenken, sie verschmelzen geschlechtslos ineinander und fügen sich zu neuen Kreaturen, denen gleichermassen etwas verspielt Witziges, wie auch etwas taktlos Obszönes anhaftet. Gleichzeitig erinnern sie an Andreanis verspielte Plastiken im öffentlichen Raum aus früheren Jahren: dem Wasserspeier in der Münstergasse oder dem ewig gehenden, aber kopflosen Beinpaar am Casinoplatz. Und sie rufen ebenso die bizzarren gotischen Wasserspeier oder die grotesken Figuren romanischer Kapitelle und Figurenportale in Erinnerung.
Auch die Form des bürgerlich-biederen Medaillons weiss Andreani gekonnt und spielerisch zu verändern und in ein ungeschliffenes, barbarisches Medium zu verwandeln. Seine wilde Horde präsentiert eine ganze Versammlung an Rohlingen, Wüstlingen, Grobianen, Barbaren und Rabauken.
Dominik Imhof
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