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JAKUB DEGLER

 

"Playground Memories"

Eine visuelle Auseinandersetzung in diversen Techniken

 

 

Vernissage :    Freitag 11.April 2014  18 Uhr

Öffnungszeiten: Samstag 12. April 13-18 Uhr

                Sonntag 13. April 13-18 Uhr

 

 


Geometrischen Formen und Architekturen begegnen wir im Schaffen von Jakub Degler immer wieder. Es sind die klaren Formen, die den Künstler an diesem Motivschatz interessieren. Seine Herkunft aus Polen und seine Zeit in Krakau, wo er zwischen 1997 und 2002 Grafik und Malerei studierte, haben wohl das ihre zu dieser Faszination beigetragen, denn seine architektonischen Formen und Fragmente sind Zeichen von Zerfall genauso wie sie Spuren von Geschichte darstellen.

Die Spuren der Zeit sind in Deglers Schaffen jedoch weniger als Kultur- und Gesellschaftskritikaufzufassen, sie sind keine Kritik gar an einer polnischen Gesellschaft oder Architektur. Vielmehr sind sie als ästhetisches und assoziatives Potential zu verstehen. So sehen wir modernistische Hochhäuser und Fabrikgebäude und wissen gleichzeitig um all die missglückten Utopievorstellungen, die deren Erbauer umsetzen wollten. Derartige Assoziationen sind in Deglers Werken aber nur Assoziationen, sie sind nicht explizit benannt. Damit geht seinen Werken auch jeglicher nostalgischer Charakter vollkommen ab. Wir treffen hier auf ein bewusst reduziertes Motivrepertoire, was aber weniger Beschränkung ist, sondern vielmehr eine strenge Konzentration. Eine Konzentration, die als Resultat eine ausgiebige Analyse des Motivschatzes hervorbringt. Womit dem Betrachter, wenn nicht alle, so doch verschiedenste Sichtweisen auf ein und dasselbe Motiv vorgeführt werden.

Dominik Imhof, Kunsthistoriker

 

Bildergalerie

 

Die letzten zwei Monate war der Kunstraum gepard14 eine Art "Playground" oder "Spielwiese" für den Künstler Jakub Degler (*1976, geboren in Krakau/PL; lebt in Bern): Mit der für ihn typischen Euphorie und Lust am Ausprobieren ging er hier regelrecht auf die Kunst los; brachte allerhand Materialien zum Drucken, Zeichnen und Malen mit, aber auch Reste und Fragmente bisheriger Arbeiten. Vieles erarbei-tete er von Grund auf neu, anderes überarbeitete er und schuf so eine beachtliche Anzahl Werke vor Ort. Die Vielfalt künstlerischer Techniken zeugt vom vielgestaltigen Arbeitsprozess und der ansteckenden Faszination des Künstlers für bestimmte Motive und Materialien. In diesem Sinne mutierte auch der Kunstraum erneut zum temporären Labor und Ort der Konzentration, wo knifflige Arbeiten und Ent-scheidungen anstehen und zuletzt eine Auswahl von Werken für die Ausstellung getroffen werden muss. Jakub Degler liess sich von der Situation offensichtlich zu viel Verve und Kunst inspirieren.

Bei der Wiederaufnahme der Malerei vor rund zweieinhalb Jahren entdeckte Jakub Degler durch Bilder im Internet das Motiv alter, verlassener Spielplätze. Playground Memories erinnert buchstäblich an diesen künstlerischen Entdeckungsprozess wie auch an die Geschichten, welche die dargestellten Spiel-plätze und einzelnen Geräte erzählen. Bei den Betrachtern werden Bilder aus der Kindheit oder solche von nachfolgenden Generationen auf Spielplätzen wachgerufen: von unbeschwerter Ausgelassenheit, aber auch von schmerzlichen Erfahrungen nach einem Sturz oder einem anderen Missgeschick.
Die Playgrounds von Jakub Degler sind durchaus ambivalent, ohne dass eine festgelegte Deutung oder Botschaft vermittelt würde. Vielmehr sind es die Ästhetik, die vielfach geometrischen, teilweise kruden und surreal anmutenden Formen der historischen Spielplatzgeräte, die es dem Künstler angetan haben. Auf dem grossformatigen Bild Playground 4 (2014) verschwindet ein verbogenes Klettergerüst nahezu in einem Meer von Büchern. Die Situation ist zwar unwirklich, aber in der Vorstellung nachvollziehbar – eine Spannung, die in der Dynamik der vertikalen und horizontalen Bildrichtungen sowie der kreuz und quer liegenden Bücher gleichsam gespiegelt wird.

Die Motive der Spielplätze ähneln den geometrischen Formen und den modernistischen, brach liegenden Stadtarchitekturen auf mehreren Arbeiten von Jakub Degler – Themen, wofür sich der Künstler bereits seit geraumer Zeit interessiert. Bei den Vorlagen handelt es sich unter anderem um Aufnahmen von Detroit, doch die genauen Orte und ihre Historie spielen auch da eine untergeordnete Rolle. Noch offener für die Deutung und reduzierter in der Form sind die Bilder von einzelnen geo-metrischen Formen oder blossen Form-Fragmenten. Einmal mehr sind die Betrachter gefordert, fehlende Teile beim Sehen, im Spiel mit den eigenen Gedanken, zu ergänzen und Geschichten darum herum weiterzuspinnen.

Die Arbeit von Jakub Degler bewegt sich zwischen "Hemmungslosigkeit", wie er es selbst nennt, und eigener Regulierung. Einerseits folgt er dem Drang, möglichst vieles auszutesten, Techniken miteinan-der zu kombinieren und in Grenzbereiche vorzustossen. In der Ausstellung wird dies beispielsweise an seinen neuartigen "Stencils" – Spraybildern mithilfe von Schablonen – oder verschiedenen Siebdrucken auf Schleifpapier, sowie Linoldrucken auf Malerei ersichtlich. Andererseits nimmt sich der Künstler immer wieder zurück, reduziert die Inhalte und Mittel, um zu einer möglichst klaren Formensprache zu gelangen. Weder will er seiner Kunst bloss freien Lauf lassen und der Beliebigkeit verfallen, noch will er sich ständig wiederholen und allzu eingeübten Techniken weiter nachgehen, die das Innovative und Künstlerische schmälern. Vielmehr geht es ihm um neuartige Herangehensweisen, die an das Bisherige anschliessen und das Wesenhafte der Motive zum Ausdruck bringen. Dadurch erhalten die Sujets zum Teil eine ikonische Wirkung wie bei einem Stempel oder einem Logo. Vor diesem Hintergrund ist auch die Wiederaufnahme der Malerei nach jahrelanger Routine im Tiefdruck zu verstehen, den Jakub Degler zur Zeit nicht mehr ausübt. Einzelne Kupferplatten der Tiefdrucke tauchen allerdings gerahmt, als Arrangements hinter Glas, wieder auf, und einige der gedruckten Papiere werden mit Sieb- oder Linol-druck-Motiven überarbeitet. Unterschiedliche, kleinformatig zugeschnittene Druckresten dienen ebenso als Untergrund zum Malen, Sprayen oder neu Bedrucken, woraus fortlaufend die so genannten "Mix Prints" entstehen.

Überblickt man den Bilderreigen im Ausstellungsraum oder richtet das Augenmerk auf eines der zwei- oder dreiteiligen Bilder, entsteht bisweilen der Eindruck einer Filmsequenz. In der Tat folgen die über-einander angeordneten Bildteile dem Prinzip eines Filmstreifens, und interessanterweise entstammen die Porträts auf einigen Werken ebenfalls der Geschichte des Films: Zu erkennen sind etwa James Dean, Steve Mc Queen oder Liv Ulmann. Aber auch da fiel die Wahl des Künstlers eher zufällig auf Schau-spieler/innen. Ähnlich wie im Film sind es wechselnde Rollen, die sie aufführen und wie auf Jakub Deglers Bildern verkünden sie Geschichten einer unwirklich wirklichen Welt der Kunst.

Marc Munter, Kunsthistoriker, Bern