gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

info@gepard14.ch
 

Einladungskarte1_copy.jpg

 

 

Josef Loretan

 

Geschichten

 

Vernissage: 29.04.2016, 18 Uhr
Es spricht Dominik Imhof

Öffnungszeiten:

30.04. – 01.05.2016, 15 – 18 Uhr

 

Häufig wiederkehrende Motive in den Plastiken und Installationen von Josef Loretan sind Schnee, die Alpen und Kreise. Neben zwei Werken mit dem Titel „Sedimentation“ (eingefärbte Gipse und eine in die Wand geschnitzte Arbeit) zeigt Loretan das Film- und Performanceprojekt „Der Klang des Simplon“ sowie eine gleichnamige klingende Bronzeplastik. 

 

Einladung PDF

Josef Loretan – Geschichten

In genauso spannenden wie vielfältigen Assoziationen setzt sich Josef Loretan mit Themen wie Gebirge, Fels und ganz allgemein Natur und deren Wahrnehmung durch den Menschen auseinander. Kein Wunder, ist Loretan doch 1962 in Brig geboren, mitten in den Walliser Alpen. Und mitten in einer Region, deren Geschichte eng mit der wandelnden Wahrnehmung der Alpen zusammenhängt: Von einem massiven Hindernis für Reisende und vor allem für den Handel hat sich die Alpenwelt zu einer die Touristenmassen faszinierenden Natur entwickelt; von der Grauen und Furcht erregenden Gebirgswelt hin zur bestaunten Sightseeing-Welt. Gekonnt greift Loretan diese Geschicht(en) auf und überträgt sie in zeitgemässe Kunst, meist in Objekte und aktuell in eine filmische Arbeit.

Am Anfang steht der Blick auf das Alpenpanorama: ein rhythmisches Spiel von auf- und abgleitenden, geschwungenen und im Zickzack sich ausbreitenden Linien. Aus dem Panorama fertigte Loretan eine silbern glänzende Glocke, indem er quasi die Silhouette des Panoramas als Schablone rund um formbares Material gleiten liess. Von der Seite betrachtet ist nun rund um die Glocke stets das Panorama sichtbar. Was nach wertvollem Objekt und Kunstobjekt aussieht, ist gleichzeitig eine profane Eselsglocke. Diese könnte genauso gut auf einem Saumpfad – inmitten des Alpenpanoramas – am Hals eines Esels hängen.

In der Werkserie der «Sedimentationen» dringt Loretan tiefer in die Gebirgswelt ein und übernimmt deren natürliche Gesetze der Ablagerung und Schichtung. Es entsteht kein Felsmassiv, sondern Halbkugeln in unterschiedlicher farbiger Gestaltung. Die Halbkugeln fertigt Loretan aus Gips, indem er Schicht für Schicht flüssigen, zum Teil mit Farbpigmenten eingefärbten Gips in eine Form giesst. Die Farben sind nicht aufgemalt, vielmehr durchdringen sie die jeweilige Gipsschicht. Schritt für Schritt wird das Objekt in Schichten aufgebaut und erhält – teils durch den Zufall, der den Eigenschaften des Materials innewohnt –, eine Eigendynamik. Im Gegensatz zur «natürlichen», scheinbar zufälligen Form der Glocke wählt Loretan ein strenges Raster zur Installation der Halbkugeln. Zusammen werden sie zu einem abstrakt-geometrischen Bild und erinnern an Minimalismus und Konstruktivismus.
Gewissermassen als Spiegelbild entstand für gepard14 eine Wandarbeit. Hier entstehen keine Schichtungen, vielmehr legt Loretan durch Schnitzen die zahlreichen Schichten der Wand des Ausstellungsraumes in kreisenden Formen frei: Spuren ehemaliger Wandbilder, Verputz und Mauerwerk.

Mit dem Film «Der Klang des Simplons» verlässt Loretan – zumindest auf den ersten Blick – die Bildhauerei. Den Ausgangspunkt bildet das Panorama des Simplongebietes aus einem Stich des 19. Jahrhunderts. Dieses transformiert Josef Loretan in eine klingende plastische Form (die bereits erwähnte Glocke), die nun selbst in Bewegung gerät und durch das Gebiet, aus dessen Form sie gebildet wurde, wandert. In einer Art Performance begibt sie sich mit den beiden Protagonisten und ihren tierischen Begleitern auf eine Reise auf einer altbekannten Handelsroute vom sonnendurchfluteten Süden in den kühlen Norden zu ihrem Ursprungspunkt zurück. An traditionelle Rituale und religiöse Kulte erinnern die einzelnen Begebenheiten dieser Reise: es werden Olivenöl, Blüten, Eselsmilch und Kristalle gesammelt. Aus ihnen entsteht in einfachstem Gussverfahren eine Seife in Form der Glocke, die am Ende der Reise zu einer reinigenden Handlung genutzt wird. Die vom Kameramann Jean-Luc Bodmer aufgenommenen Bilder begleiten diese geheimnisvollen, zeichenhaften Handlungen mit variierenden Licht- und Wetterstimmungen: vom leuchten und zirpen Italiens zu bedrohlichen Nebelwänden im Gebirge.
Was als Film daherkommt, enthält Bildhauerei, Performance und Aktionskunst. Vom Zweidimensionalen des Stiches über die dreidimensionale Ausformung als Glocke wandert das Panoramamotiv als Performance durch die Landschaft und wird schliesslich filmisch in Bild und Ton festgehalten.

Dominik Imhof

 

 

Bildergalerie

 

 

 

Parallel dazu:
Kunst in den VIDMARhallen
Offene Ateliers
Könizstrasse 161
3097 Liebefeld
30.04.2016, 14 – 20 Uhr
01.05.2016, 12 – 16 Uhr

vidmart_2016_plakat_A4__1__copy.jpg