gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

info@gepard14.ch
 

IMG_9425_1.jpg

 

Maru Rieben

Farbdrumstix

Vernissage: Freitag 29. August 2014  18 Uhr
Einführung durch Marc Munter, Kunsthistoriker

Öffnungszeiten:  30. und 31. August 2014, 14–18 Uhr

 

Maru Rieben bewegt sich zwischen den Stilen und Medien. Sie studierte Schlagzeug und bildete sich später in Medienkunst weiter. Geschichten für Ohren UND Augen sind ihr Thema, je nach Kontext sind es Komposition, Performance oder Installation.
Im gepard14 experimentiert sie, wie sich Bewegung, Rhythmus und Farbe verbinden.
„Wenn ich einen Hund wedeln sehe, stelle ich mir die Bilder vor, die er mit seinem Schwanz malen würde.“

 

 

 

Einladung zur Aktion "Auftakt – Abgang"

Wir laden dich zu einer Gruppenperformance im gepard14 ein:

Donnerstag 31. Juli 2014 um 18 Uhr.

 

Dauer ca. eine Viertelstunde (kein Einlass während der Aktion),

der Eintritt ist frei und danach gibt’s Bar.

Herzliche Grüsse

Eva Fuhrer und Maru Rieben

 

 

 Maru Rieben

"Farbdrumstix"

Zunächst begegnen wir den bunten Farbspritzern von Maru Rieben (*1963 in Bern, lebt und arbeitet in Bern) auf einem Papierbogen und auf Rundbildern im Flur bei gepard14: Aufgehängt an den Wänden und eingespannt in zwei Schlagzeugtrommeln verschaffen sie uns eine Vorahnung auf ihre besondere Machart: auf das Zusammenspiel von rhythmischem Trommeln und Aufspritzen von Farbe. Überdies handelt es sich bei den runden Malgründen nicht etwa um klassische Leinwände oder beliebige, runde Deckel, sondern um Trommelfelle für Schlagzeuge aus Plastik, die für die Bemalung speziell grundiert werden mussten.

Im Galerieraum werden wir vollständig von den Farbspritzern umgeben: Bänderartig, neben- und über-einander, vertikal, teils schräg oder kurvig breiten sie sich auf einer Plastikfolie entlang der Wände und der Decke aus und erzeugen eine beeindruckende Raumstimmung. Die Folie ist hauchdünn, so dass der Untergrund wie bei einem Vlies oder lichtdurchlässigen Vorhang durchscheint. Zusammen mit den Farb-spuren entsteht eine flirrende Tiefenwirkung, welche den Charakter der rhythmisch bewegten Malerei umso deutlicher zur Geltung bringt. Stellenweise wird die Folie von der Farbe leicht zusammengezogen und gewellt, so dass die Dreidimensionalität der im Grunde genommen flächigen Malerei zusätzlich betont wird. Weiter wird der Raum "untermalt" von einem subtilen Sound: einer Komposition Maru Riebens aus den verschiedenen Geräuschen während ihrer Arbeit bei gepard14. So hören wir nebst Trommelschlägen auch das Rascheln der Plastikfolie oder das Aufspritzen der Farbe – die hör- und sichtbaren Spuren verbinden sich zu einem wahrlich stimmungsvollen Raumkunstwerk.

Mit ihrem Projekt Farbdrumstix erfüllte sich Maru Rieben eine Art Kindheitstraum, denn schon lange faszinierte sie die Idee, mit Trommelschlägen Farbe an eine Wand zu spritzen; zu sehen, welche Formen der rhythmische Farbauftrag raumfüllend auf grosser Fläche annimmt. Für das Herantasten an die Ver-bindung von Bewegung, Rhythmus und Farbe waren die Voraussetzungen bei gepard14 – über längere Zeit mehr oder weniger frei in einem Raum arbeiten zu können – ideal. Als ausgebildete Schlagzeugerin und Medienkünstlerin ist Maru Rieben besonders an Verbindungen zwischen verschiedenen künstleri-schen Techniken interessiert, arbeitet hauptsächlich multimedial und kooperiert oft mit Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlicher Ausrichtungen. Schon 2012 machte sie in einer Gruppenausstellung in Bern eine Reihe von Trommelbildern, wobei sie mit diversen Schlaginstrumenten in der Länge eines Popsongs Farbe auf Leinwände trommelte. Für "Farbdrumstix" entwickelte sie diese Technik weiter: Sie schnitt sich handliche Plastikrohre zurecht, füllte sie mit eigens hergestellter Kleisterfarbe und stöpselte sie mit Schutzkappen zu. Beim Trommeln spritzte die Farbe durch jeweils eine kleine Öffnung in der Schutzkappe auf den Malgrund. Farbigkeit und Form der teils linienartigen, teils flächig verteilten Farb-spritzer ergaben sich ganz aus den schwungvollen, rhythmischen Trommelbewegungen. Eine besondere Vorliebe hat Maru Rieben allerdings für Hellgrün: Immer wieder taucht ein spezielles Atlasgrün auf, das sie mit einem Pigment aus Marokko herstellte. Weiter dominieren Rotbraun, Gelb und Ockertöne, haupt-sächlich aus einer ersten Phase des Projekts. Ab dem zweiten Monat verwendete sie vorwiegend Blau-töne, teilweise auch Blaugrün. So entstanden weitgehend abstrakte Bildwelten, wobei die Farbgeflechte hie und da den Eindruck von fabelhaften Wesen, von Landschaften oder Blumenteppichen erwecken.

Angesichts dieser Malerei aus raschen Bewegungen erinnern wir uns vielleicht an Vorbilder der Aktions-malerei ab den 1950er Jahren: an Vertreter des amerikanischen "Action Painting", des europäischen "Tachismus" oder der japanischen "Gutai-Gruppe". Maler wie Jackson Pollock (USA) Kazuo Shiraga (JP) oder Georges Mathieu (F) brachten mit ausladenden, performativen Körperbewegungen Farbe auf die Leinwand und revolutionierten damit die Malerei. Maru Rieben nennt als mögliche Anregung zu Farb-drumstix die japanische Trommelkunst "Wadaiko", die sie selbst vor Ort erlernte. Hier steht ebenfalls die Bewegung im Zentrum, wobei sowohl die hörbaren Schläge als auch die Sequenzen dazwischen eine wichtige Rolle spielen. Es ist bezeichnend, wie vor diesem Hintergrund Bewegung, Körper, Musik und Bildende Kunst bei Maru Rieben einmal mehr aufeinandertreffen. Gleichzeitig besticht ihre Trommel-malerei gerade durch die eigenständige Übersetzung von Rhythmus und Bewegung in die Malerei; durch diese so findige und treffende Idee, Farbe aus Drumsticks aufzuspritzen, welche das Hörbare und Nicht-Hörbare sichtlich erfahrbar machen.

Marc Munter, Kunsthistoriker, Bern