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Meinrad Feuchter

"Erweiterte Suche"
WORK IN & Installation

 
Das Recherchieren im World Wide Web für die Schule, Job und Freizeit gehört längst zum Alltag. Effiziente Suchroboter aus dem Cyberspace liefern uns blitzschnell gewünschte Informationen via „link“ in gewaltigen Datenpaketen. Rund um die Uhr und in allen bedeutenden Sprachen.

Die enorme Auswahl an Information aus dem Cyberspace indes ist nicht immer Segensreich. Zu endlos und zu unübersichtlich gestaltet sich die Auflistung eingegebener Begriffe und die vermeidlich schnelle Suche entpuppt sich dann als Zeitfalle.

Diesen Umstand der potentiellen Überforderung versuche ich mit der Installation „Erweiterte Suche“ im Gepard 14 (wörtlich) zu spiegeln.

WORK IN: 14. / 21. / 28. November 13 Uhr – 18 Uhr

Unter WORK IN verstehe ich eine mögliche Partizipation interessierter Besucher am Projekt. An diesen Daten ist der Kunstraum für alle geöffnet.

 

Vernissage:  5. Dezember  18 Uhr -20 Uhr
Ausstellung: 6. & 7. Dezember  16 Uhr – 20 Uhr


Die Ausstellung wird unterstützt von der Firma LOEB AG, Bern

Link zu Kulturtv.ch

 

Meinrad Feuchter
«Erweiterte Suche»
WORK IN & INSTALLATION

Unbegrenzt scheint das World Wide Web. Inzwischen umfasst es über 3.5 Billarden Seiten. Kein Wunder, dass man mit Suchmaschinen wie Google gutes Geld verdienen kann. Für Manchen scheint ein Traum in Erfüllung gegangen zu sein: eine Maschine hilft dem Suchenden beim Finden. Oder hilft sie doch nur beim Suchen? Die Tücken der Suchmaschinen bleiben vielen verborgen. Ihre Resultate, deren Reihenfolge und Auswahl, wie sie auf einen Suchbegriff ausgespuckt werden, ist nicht ganz so objektiv wie vermutet. Der Webseitenbetreiber kann die Ergebnisse steuern. Bei weitem sind aber nicht alle möglichen Webseiten in der Ergebnisliste aufgeführt. Und was aufgeführt ist, muss bei weitem nicht zum Gesuchten passen und noch weniger ist beim Gefundenen Wahrheitsgehalt garantiert. Genauso trägt auch der Sucher seinen Teil zum Unheil bei. Seine Begriffe sind subjektiv, mit einem ganz bestimmten Resultat im Hinterkopf. Und auch wenn die Suche erweitert wird, will heissen präzisiert wird, so muss dies noch lange nicht zum Ziel – zum Fund – führen.
Eine «potentiellen Überforderung» nennt Meinrad Feuchter diese Situation und verarbeitete sie in seiner Installation «Erweiterte Suche», die durch ihn und mit Hilfe mitwirkender Besucherinnen und Besucher in den letzten Wochen entstanden ist. Kästen mit verspiegelten Wänden setzt Feuchter als Grundstruktur für seine Installation voraus. Sie sind Spiegel der Überforderung wie sie sich im Umgang mit den Suchmaschinen des WWW darbieten. Einer Überforderung, die sich im teils kitschigen Überfluss der Waren, Andenken und Mitbringsel der Installation offenbart. Bunt und leuchtend irritieren sie, wie die sich drehenden Scheiben oder eine kugelförmige Lampe, die sich gegen ihre Aussenwände in bunten Strömen entlädt. Sie überfordern durch ihre Zahl, wie die Ansammlung an Kästchen mit Dias vergangener Zeiten, die an heimelige Dia-Abende erinnert und überhaupt an Erinnerung. Tierfiguren finden sich zu märchenhaften Versammlungen ein, eine Strassenbahn kreist unentwegt ziellos um den Zytgloggeturm eines schnulzig verzerrten Berns. Wie in den Eiffeltürmen und schiefen Türmen von Pisa ist die Stadt auf ihre touristische Essenz reduziert. Laufschriften posaunen ihre enigmatischen Botschaften in grellem Leuchten in die Welt. Auch sie sind Hinterlassenschaften der Besucher oder Antworten auf die Frage, welchen Gedanken man beim allmorgendlichen In-den-Spiegel-Sehen nachhängt.
Und alles wird durch die Verspiegelung multipliziert, sodass die Überforderung auch das Betrachterauge einholt.
Aber schlussendlich ist der Betrachter auf sich selbst zurückgeworfen. Nicht nur durch die Spiegel, die auch ihn immer wieder reproduzieren, sondern auch durch sein interaktives Schauen, dass jedem Betrachter Freiraum lässt oder ihm vielleicht sogar den Freiraum aufzwingt für seine jeweiligen subjektiven Assoziationen.

Dominik Imhof




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Christine Freudiger

Sepia-Krapplack-Ultramarin

 

 

Vernissage: Freitag 31.Oktober 2008 18 Uhr

Zur Eröffnung spricht Esther Adeyemi

Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen!

 

Öffnungszeiten: 1./2. November 16-20 Uhr

 

In der Zeit vom 21. September  - 31. Oktober steht Tusche im Mittelpunkt meiner künstlerischen Arbeit.
Ich experimentiere mit verschiedenen Materialien und in intensiver Auseinandersetzung mit Zeit, Raum, Form und Bewegung werden Bilderwelten.

Meine Arbeit hat installativen Charakter.
Mich interessiert das Miterleben eines Momentes, wenn sich der Tag in die Nacht verwandelt, das Beobachten des Farbenspiels bei Sonnenaufgängen.
Was hat die Wolke für eine Farbe?
Langsame Momente, schnelles Aufblitzen: Zeit ist Werden.

Ich habe mich sehr viel mit Pflanzen und ihrem Leben in den verschiedenen Formen auseinandergesetzt; damit, wo eine Pflanze an ihrem Ort bleibt, ihrer Mittelachse oder ihrer Aufrichtefunktion. Wie die Pflanze steht, wie sie sich im Raum ausbreitet und wie sie sich orientiert. Wie ein Mensch oder ein Tier wegläuft, ein Falter durch den Tag flattert oder ein Wurm sich aus dem Boden windet.

Diesen Augenblicken spüre ich nach, daraus entstehen meine Arbeiten.

Ich male was ich sehe
Und sehe was ich gemalt habe

Christine Freudiger

 

 

Esther Adeyemi zur Ausstellung:

Es geht i dere Usstellig um Erinnerige. Um Momente, wo unvergässlech si.
Um Momente, wo me Schönheit erläbt, wo me Natur erläbt. Es git Farbe i der Natur, wo eim berüere, wo me d’Berüerig im Körper gschpürt, wo der ganz Körper wach wird, beläbt wird.

E chline Fauter isch bi der Christine id Wonig gflogen. Är isch ganz chli gsi, chliner aus e Fingernagu, aber es richtigs Wunder a Farbe. Si het ne mit der Lupe agluegt. Der Fauter het usgse, wie wenn är obe e Poncho ahätt us Sepia und es Jüpli us Krapplack, mit orange Fläcke imene Spiraumuster. Si het probiert, dä Fauter z’fotografiere, aber nüt vo dam Wunderbare isch übere cho. Und das isch mit e Grund gsi, dass d’Christine wider het afa male, um öppis vo däm chönne uszdrücke, wo si erläbt het.

Es geit um Erinnerige. Um Momente, wo unvergässlech si. Es Flussbett, usgwäsche, aus ligt so da, wie’s der Fluss bim letschte Hochwasser hinderla het. D’Stöck lige no i der Richtig, wie ds Wasser se häregeschwemmt het. D’Christine nennts Brachland – wo d’Sache iri Rue hei, wo der Mönsch no nid ufgrumt het. Es isch ä Momänt vo Schönheit i däre Ödi, i däre Einsamkeit. Ds Flussbett, vom Mönsch unberüerts Land. Es si nid d’Farbe, wo berüere, d’Farbe si eher usgwäsche, aber die Zitlosigkeit berüert. Es isch es Stück Land unberüert vo mönschlecher Zit. Es es het sini eigeti Zit, bestimmt vom Zyklus „viu Wasser“ – „kes Wasser“. Di mönschlechi Zit isch nid relevant hie, si isch wit wäg. Der Mönsch het hie o no nid ufgrumt, no nid pflanzt, nid gfischet, nüt wäggno. D’Schteine si uninteressant für ihn, das isch ds Glück vo däm Ödland.

O bi dene Boumwurzle hei d Mönsche no nid ufgrumt. Die Bueche si verchnüpft mit Chindheitserinnerige. Die Böim si amene Stutz, wo si aus Chind immer abegloffe isch. Und si cha sech hüt no erinnere. Das si so schöni Böim gsi – das isch blibe vo irer Chindheit. Und jitz, nach viune Jahr isch si wider mau zrügg gange, derthäre, a dä Stutz. Und die Böim si immer noch genau glich schön. Da bi dene Wurzle unde, da geit o niemer ga ufrume. Das si so eigeti Wäute.

D Usstellig het der Titu „Sepia, Krapplack, Ultramarin“. Irgendwie erinneret’s a iri früechere Arbeite, wo d Christine Freudiger Motiv i d’Grundfarbe „Rot-Gelb-Blau“ zerleit het, so wie mes bim Druckverfahre macht. Us de Druckfarbe Cyan, Magenta und Gäub cha me aui Farbe mische. Die Farbe si us em Lichtspektrum entwicklet worde.

D’Christine bringt hie en anderi Zämeschtellig: Sepia – Krapplack – Ultramarin – und eigentlech ghört ono Gäub derzue, das het si bim Schaffe gmerkt. Es isch en eigeti Farbreihe und e Kombination, wo ir Kunscht i bestimmte Situatione uftoucht. Bimene Biud vom Gerhard Richter, bim Rothko, und es isch o ne Farb, won ig bi holländische Maler scho gseh ha. Es git Farbe i der Kunscht, wo immer wider uftouche, wo öppis hei, wo eim berüere. Die Mischig us Sepia-Krapplack-Ultramarin chönnt me vergliche mit emene bestimmten Akkord i der Musig – villecht somene Moll-Sextakkord. Die Farb het öppis mit Icher ztüe, mit I-sich-ine-Ga, Zu-de-Wurzle-zrügg-Ga, Es isch e Farb, wo i der Natur o uftoucht. Bi Stängle, Stude. Die glänzigi Hut vo somene Stängu, die Farb isch es Wunder. Die Farbmischig isch wie d’Grundlag vom pflanzleche Läbe, der Hintergrund vom Läbe – d’Farb vo de Wurzle, vom Stängu. Us dämm use schiesst ds früsche Grüen vo de Pflanze, ds häue Gäub vo de Sprösslige.
I würd mau säge: Sepia-Krapplack-Ultramarin het öppis mit Stude z’tue.

Mir hei da e Kerbustängu, wo d’Christine vor meh aus 20 Jahr gfunde het. Er isch verbunde mit Erinnerige a d Zit, wo si mit irer no chline Tochter i der Natur verbracht het. Sit denn begleitet är si. Der Stängu isch ganz liecht und het aui Züglete überläbt. Es isch nid e bsunders schöne Stängu. Er het villech öppis vo däm Flussbett, vom Brachland. Er het d Christine begleitet. Si het ne ufgno, umetreit und irgendwo häre gleit wie ds Wasser im Flussbett, und wider la lige.

Sepia isch äs Sekret vom Tintefisch und isch früecher aus Tusch brucht worde.
Sepia het öppis Brünlechs, verdünnt isch es eher Gräulech, mit emene liechte Gäubstich drin. Es isch für e Tintefisch e Farb zur Tarnig. Er verbirgt ds Läbe derhinder. Krapplack wird us der Wurzle vom Färberkrapp gwunne. D Farb hett öppis Chüeus, wie ds Magenta bi de Druckfarbe. Es isch e Gränzfarb, dür ds Derzuemische vo Göub kippts i ds Warme, dür ds Derzuemische vo Ultramarin i ds’Chüele, Dunkle. Ultramarin isch ursprünglech us em blaue Stei Lapislazuli gwunne worde. Sit 1828 wird’s o synthetisch härgsteut (us Kiselsüri, Aluminiumoxyd, Schwäfu und Chole).

Ig möcht no churz öppis zu däm Rum säge. D Christine Freudiger het die Chance gnutzt, emau imene lääre Ruum z’schaffe, ohne Ablänkig vom Autag und vo de andere Arbeite, wo süsch i irem Atelier umestöh. D’Christine het verzeut vo irne Usflüg i d’Bärge, wo zu de Arbeite hie derzue ghöre. E Pflanze, wo si gfunde het, wo genau zu der Arbeit passt – nämlech e früsche Kerbu.

D’Christine cha sehr guet über iri Arbeit verzeue. Und mir isch es nach däm Gspräch besser gange aus vorhär. D’Christine het so ne Art, i d’Wwäut z’luege wo i der hütige Wäut o fasch es Wunder isch. Löt nech das nid la entga.

Ester Adeyemi

 


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LA SERRANO feat. por alegría

Flamenco: Kleider und Tanz  

20.September 2008, 14Uhr und 16Uhr


„La Serrano“ ist ein Modelabel, das sich der Gestaltung von Flamenco Kostümen verschrieben hat. An der Modeperformance bei gepard14 werden die neuesten Kleider von „La Serrano“ zu Flamenco Live Musik vorgetanzt.

Die Performance findet um 14 Uhr und 16 Uhr statt, und dauert jeweils ca.45min.

„La Serrano“ ist eine junge Modedesignerin aus Bern, die vor 19 Jahren ihre Leidenschaft für den Flamencotanz entdeckte.
Seither macht sie mit ihren öffentlichen Auftritten auf sich aufmerksam.
Nach ihrer Ausbildung an der BFF als Bekleidungsgestalterin, wo sie das Schneiderhandwerk erlernte, entdeckte sie einen Weg um die Kunst der Mode und des Flamencotanzes in ihrer neuesten Kollektion zu vereinen.

Céline Serrano betanzt ihre Modelle gemeinsam mit den namhaften Flamencotänzerinnen Alicia Lopez und Melanie Alvarez aus Bern.
Musikalisch wird der Anlass vom Duo
Alfredo Palacios (git) und Rafael de Huelva (voc) begleitet.

Kleider:  LA SERRANO www.laserrano.ch

Tanz:     Alicia López, Melanie Alvarez,Céline Serrano www.poralegria.ch

Musik:    Alfredo Palacios (git) www.alfredopalacios.ch
          Rafael de Huelva (voc)

Accessoires: ¡baila! moda flamenca www.bailaflamenco.ch

Buffet: Comestibles R.+M.Bello

Barbetrieb: ab 13Uhr

Eintritt: Kollekte

 

 


 

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Gigga Hug

"TRASH-TV"

Vernissage 22.August

 

Es spricht Dominik Imhof, Kunsthistoriker  

Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen!

 

Öffnungszeiten: 23./24/29./30./31.August jeweils von 16-20 Uhr 

Auch wenn Gigga Hugs Fotografien nach reiner Fiktion, vielleicht nach am Computer manipulierten oder sogar entwickelten Bildern aussehen, so sind sie auf ihre Art doch dokumentarischer als sie scheinen. Mitnichten sind sie am Computer entstanden – ganz selten sanft bearbeitet. Die Bilder sind vielmehr Zeugen einer – wenn auch kuriosen – Realität, wenn man es überhaupt so nennen darf. Es ist die Realität des Fernsehens, und eigentlich doch nicht, denn Hugs Fotografien sind zwar Abbilder von Fernsehbildern, doch wie ihre Titel bereits anzeigen, sind es "Zwischenbilder", die der Normalfernsehverbraucher nie zu Gesicht bekommen wird und auch nicht sollte.

Irgendwo in den Weiten der Fernsehsender finden sich Frequenzen, die nicht exakt einen Kanal senden, sondern nur in Nachbarschaft eines Senders sind. Auf derartigen Frequenzen kann eine Zwischenwelt entstehen, beherrscht von Interferenzen. Hier treten die klaren Bilder der einzelnen Sender nur bruchstückhaft auf, von verschiedenen Störungen fragmentiert, verzerrt, entstellt, aufgelöst, überlagert. Willkommen bei "TRASH-TV"!

Was auf den ersten Blick als wirr, zufällig und chaotisch daherkommt, hat in Tat und Wahrheit eine Struktur. Die Interferenzen lösen die Bilder nach immer gleichen Mustern auf, sodass in gewissen zeitlichen Abständen jeweils Bilder auftreten, die auf dieselbe Art und Weise gestört sind: Schwarzweissbilder, Negativbilder, Überlagerungen von mehreren Fernsehbildern, diagonale Verzerrungen, etc., etc. Damit sind Hugs „“Zwischenbilder“ tatsächlich Trash-Bilder, in dem Sinne, als das hier ein nicht gebrauchtes Nebenprodukt der eigentlichen Fernsehbilder Verwendung findet. Niemand wird den Diebstahl der Bilder bemerken, es ist Abfall unserer medial überfluteten Welt, einer von Lärm-, Licht- und Bildverschmutzung, einer von einem nicht überschaubaren, niemals zu enden scheinenden Bilderfluss geprägten Welt, die die Kapazität unserer ewig zappenden Sinne weitaus überschreitet und überfordert.
Gleichzeitig kann man Hugs Bilder aber als Fragmente ganz bestimmter Sendungen identifizieren, Sendungen die man ohne zu übertreiben als Trash-TV bezeichnen kann: all die als Reality-Shows getarnten Promi-Diners und Frauentauschs, Eigenheimbau- und Umzugssendungen. So sind Gigga Hugs Fotografien in zweifacher Weise Trash-TV-Bilder: als Nebenprodukt einer modernen Ausstrahlungstechnik und als Zeugnis trashiger Fernsehinhalte.

Trash hin oder her, den Fotografien von Gigga Hug ist eine ganz besondere Ästhetik eigen. Sie sind mehr als eine Medienkritik, sondern sind als Zwischenbilder Zeugen einer gespenstischen Zwischenwelt, von elektro-magnetischen Geistern belebt, vielleicht sogar beseelt. Geometrische Strukturen können die Bilder gliedern, sie können aber auch in abstrakte Gefilde übergehen oder ebenso eine subtil-malerische Note annehmen. Aber auch wo sie kaum verzerrt sind, vielleicht als Negativbild erscheinen, verstören und irritieren sie in ihrer ungewohnten Sichtweise.

Dominik Imhof


 


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Ernesto Nicola Nicolai

"Interventi Spaziali"

 

 

Vernissage:Freitag 13.Juni ab 18 Uhr

Es spricht Dominik Imhof, Kunsthistoriker  

Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen!

 

Öffnungszeiten:      Samstag 14.6.

                     Sonntag 15.6.

                     Freitag 20.6.

                     Samstag 21.6.

                     Sonntag 22.6.

                     Jeweils von 16-20 Uhr

 

Hält nicht das Kleinste die Welt zusammen? Kann nicht das Unscheinbarste alles bewegen? Man erinnere sich an den so genannten Schmetterlingseffekt - der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien könne einen Tornado in Texas bewirken; minimale Veränderungen können demnach in komplexen Systemen maximale Wirkung verursachen. Was wir also als Nichts ansehen, muss nicht nichts sein!

Die in der Fotoserie der "Sporenfänger" von Ernesto Nicola Nicolai thematisierten Sporen sind bestes Beispiel für die Wirkkraft des Unsichtbaren und Kleinen. Sie sind robust und widerstandsfähig wie kaum ein anderer Organismus, sie überstehen tiefste und höchste Temperaturen mit Bravour, und vermögen so, sich über enorme Distanzen zu verbreiten. Die Gebirgsmassive werden in den unscheinbaren Fotografien von Nicolai zum Hindernis der Sporen, zu den Titel gebenden Sporenfängern. Fein, und eben unsichtbar, lagern sich die Sporen auf den Bergen ab.

Mit seiner neu entstandenen Gemäldeserie geht Nicolai - erst einmal im Blick auf die Technik - zurück zu früheren Werken, in denen der Äther/Himmel in den Gemälden aufgelöst ist bis hin zu abstrakten Farbstrukturen und Farbkompositionen. Die neuen Gemälde zeigen ebenfalls dieses Ätherische. In zarten Lasuren zieht Nicolai Farbschicht um Farbschicht über monochrome Farbflächen, trägt Pigmente auf und trägt sie wieder ab; erste Farbebenen schimmern geheimnisvoll aus darüber liegenden Schichten hervor und verändern Neapelgelb, Kadmiumgelb oder Japangelb zu Grün-Grau-Blau-Tönen. Die Arbeit an den "Sporenfängern" ist jedoch nicht spurlos am Schaffen von Nicolai vorbeigezogen. Das Bergmotiv blieb haften und wird nun ganz realistisch aufgegriffen bevor es von den verschiedenen Farb-Schleiern wieder auf Distanz geschoben wird. Wie eine Fata Morgana schimmert die zackige Gebirgsformation immer wieder auf. Oder wie in einem Traum, in dem alles diffus erscheint und auf Abstand bleibt. Schliesslich gehen die Berge in abstrakte Farb-Formen über und erinnern nur noch vage an ihre wirkliche Herkunft.

Ein stufenweises Unsichtbarmachen bis zum vermeintlichen Nichts geht vor sich. Aber wie wir bereits wissen ist nur scheinbar nichts!

Dominik Imhof


 

 

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Verena Schwab

"Handlung als Kunst"

Aktionen und

performative Arbeiten


Samstag 1.März und Sonntag 2.März
sowie Freitag 14.März und Samstag 15.März jeweils von 16-20 Uhr

Abschlussapéro am 15.März

Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen !

Ich werde den Raum als Labor benutzen
eine intensive örtlich und zeitlich begrenzte Arbeitsweise zum Motto, Handlung als Kunst, gewisse Handlungen werden öffentlich in Anwesenheit des Publikums abgehandelt, andere sind Handlungen hinter geschlossenen Türen, gewisse Handlungen werden gewissermassen konserviert..., das heisst es können Elaborate entstehen...die gesamte Arbeitsweise ist sehr auf Zufall und Spontaneität ausgerichtet und die Idee von Recycling im Sinne des Rückflusses spielt bei der Wahl des Materials eine Rolle.
Es ist von daher sehr schwierig abschliessende Prognosen über die sich konstituierenden Arbeiten im jetzigen Zeitpunkt zu machen. mit gespannter Vorfreude sehe ich dem Arbeitsvorhaben im Labor von gepard14 entgegen ich bedanke mich für die carte blanche und für das damit entgegengebrachte Vertrauen der Organisatoren...
Verena Schwab

 

 

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Marco Giacomoni

"topografic excrescence"

 

25.-27.Januar 2008

 

Topografische Wucherung


Soviel wie «einen Ort zeichnen» oder eine «Ortsbeschreibung geben» bedeutet das aus «topos» für «Ort» und «grafein» für «zeichnen, beschreiben» zusammengesetzte griechische Wort «Topografie». Das Wort umfasst viel mehr als die Verbindung verschiedener Landschaftsformen zur Topografie einer Region. In Form der Kartografie versucht der Mensch seit Jahrhunderten die Topografie als seine Umwelt festzulegen, einen Weg über den Globus zu finden und sich damit ein Bild von dieser Welt, die sich inzwischen in die unendlichen Weiten des Kosmos erstreckt, zu machen. Linien auf einem Schriftträger – Papier, Pergament – beschreiben den gesuchten Ort, machen den Ort auf einer letztlich abstrahierten Stufe – vom Drei- ins Zweidimensionale übersetzt –  überschau- und fassbar. Daneben zeigt sich uns die Topografie als in den Raum gezeichnete Linien, die einmal sanft und geschwungen, ein andermal schroff und kantig aus Umriss, Kontur, Silhouette und  Horizont die Landschaft bilden.
In den Raum gezeichnete Linien erzeugen auch die installative Landschaft von Marco Giacomoni. Es sind die Linien von mild geschwungenen Holzleisten, die sich in Sinuskurven durch den Raum bewegen und die Konturen einer Landschaft andeuten. Es sind die Linien eines auf schwankenden Beinen stehenden Spiegeltisches, die schroff und abweisend die Silhouette eines Gebirges aufnehmen. Und die Linien des Gebirges wiederum spiegeln sich in der Fläche des Tisches als wäre dieser ein glasklarer, von keinem Windchen aufgewühlter Bergsee.
Als hätte jemand etwas in die Ecke des Raumes gepflanzt, vielleicht eine ganz besondere Pilzart, die plötzlich aus dem Schatten der Ecke hervorwuchert und sich hervorwuchernd verändert. Sie manifestiert sich als Bilder von schneebedeckten Gebirgen aus Magazinen, als übergrosse in einer Kluft verborgenen Kristallformen oder als gefestigter Lavastrom und findet schliesslich in Form eines Nestes an der Decke ein Ende – oder ist es der Anfang?
Als Collage aus verschiedenen Materialien – von Asche über Latex bis Holz – präsentiert sich die Topografie. Es ist eine Versuchsanordnung, in der Marco Giacomoni Dinge zusammenführt, die eigentlich nicht zusammengehören. Eine dadaistische Assoziationskette aus Materialien, die eine traumhaft-surrealistische Landschaft gebiert. Die Installation führt verschiedene Motive und Verfahren aus Marco Giacomonis Schaffen weiter und zusammen. In seinen Gemälden der letzten Jahre wucherten bereits Farbfelder zwischen abstrakter und gegenständlicher Form über die Bildfelder. Es verband sich eine bunte Vielfalt an Bildelementen collageartig zu einem Ganzen. Motive wie Kristalle, Berge und Landschaften ziehen sich ebenso durch sein Schaffen der letzten Jahre, sei es in Form von kleinen Gemälden auf MDF-Platten oder eines Modellberges in «Dwarfland».
Ergänzt wird die Rauminstallation mit kleinformatigen Collagen, in denen Geologisches auf Technisches und Fantastisches auf Poetisches trifft. Die disparaten Bildelemente wuchern über das Bildfeld, nehmen Besitz voneinander und überlagern sich. Sie sind in Aquarellfarbe oder in Kaffee entstanden, als Überklebungen oder durch Ausschneiden. Im Aufprall unterschiedlicher Elemente ergeben sich neue Bedeutungen und Verschiebungen, die durchaus als kritischer Kommentar zu unserer Gesellschaft aufgefasst werden können. So ist in «Experimentierwiese» eine riesige Laboranordnung inmitten der legendären Rütliwiese zu sehen. Was hier wohl in den Glaskolben brodelt? Oder in «Goldgenese» verbinden sich die verschiedenen Abbildungen zu einer Alchemistenstube, in der die Herstellung von Gold als ultimatives Ziel galt. Die Träume des Alchimisten nach unermesslichem Reichtum sind auch in unserer Gesellschaft noch nicht verflogen. Gleichsam philosophisch wird es in «Loch I» und «Loch II». Im unteren Teil ist das Foto eines Kraters zu sehen, dessen Kraterloch ausgeschnitten ist und seinen Platz darüber als eigenständiges Bild gefunden hat. Das Kraterloch ist nur noch Loch, also eigentlich nur noch unbestimmter – eventuell – mit Luft gefüllter Raum. Denn, was das Loch ausmacht, ist weniger sein Inhalt, als seine Umgrenzung. Und was ist ein Krater ohne Loch? So ist den Collagen ein Humor eigen, der durch die neuen Konstellationen mit ihren Bedeutungsverschiebungen, visuellen Korrespondenzen, Assoziationen und den daraus entstehenden narrativen Spuren erzielt wird. Meist stammen die verwendeten Abbildungen aus Büchern der fünfziger bis siebziger Jahre. Sie sind sogleich als dieses zu erkennen, schon nur durch die ungewohnte Farbgebung, aber auch durch Frisuren und Kleidung der abgebildeten Personen. Teils sind die Abbildungen und Buchseiten bereits leicht vergilbt und nicht nur scheinbar mit Kaffeeflecken bedeckt, wodurch die Collagen einen nostalgischen Charme erhalten.

Dominik Imhof