gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

info@gepard14.ch
 
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Eva Styner

"Sansibar"

Auge von Aussen und Technik: Ruth Gundacker

 

Vernissage: 27. November ab 18 Uhr mit Lesung um 19.30 Uhr

Öffnungszeiten: Samstag 28. November 16-20 Uhr mit Lesung um 18.30 Uhr

                Sonntag 29. November 16-20 Uhr

 

Sie und Ihre Freunde sind zur Ausstellung herzlich eingeladen!

 

SANSIBAR

Beobachtungen und Gedanken zu einem exotischen Ort und dessen Bewohnern. Die Texte sind während verschiedenen längeren Aufenthalten auf dieser Insel entstanden. Beschreibung eines Tropenparadieses? Nicht nur. Neben unglaublicher Schönheit, Armut, Zerfall und Korruption. Eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Islam, der dort vorherrschenden Religion, ebenfalls.

Begleitendes Ausstellungsprojekt

Bei Sonnenuntergang, der schönsten Tageszeit in den Tropen, wo die Schatten rasch länger werden und das Leben plötzlich wieder aus seiner Hitzelethargie erwacht, habe ich täglich skizziert. Diese teils winzigen Filzstiftzeichnungen – traditionellerweise Grundlagen für farbige Gemälde - möchte ich während meiner Zeit im Gepard mit Pinsel und schwarzer Tusche, vielleicht auch mit anderen Materialien und Techniken, ich möchte das noch offen lassen, um ein Vielfaches vergrössern. Statt ein harter gleichmässiger Strich mit dem Filzstift, sollen weiche, in der Dicke variierenden Pinselstriche den „Grossskizzen“ ihre Form geben.

Eva Styner

 

http://www.znz-zanzibar.blogspot.com

 

Eva Styner
"Sansibar"

Man macht sich ja immer ein Bild; von allem und von jedem. Man stellt sich etwas vor, man überlegt sich, wie etwas ist oder etwas sein könnte. Gleichzeitig mit diesem rein gedanklichen Vorstellen macht man sich aber tatsächlich auch Bilder – innere Bilder. Gesehenes, Erinnertes, Erdachtes und Fantasiertes vermischen sich in untrennbarer Weise. Mit einer derartigen Vermischung prägen wir unsere individuellen Bilder. Was ist – also die sichtbare Welt, das wird in Neues übersetzt, das sich schliesslich in der Erinnerung vollkommen anders zeigt – oder gar verblassen kann.
Eva Styner arbeitet mit einer derartigen Übersetzung in ihren Bildern. Auch sie macht sich ein Bild: In Sansibar hat sie kleinformatige Skizzen gezeichnet. Meist entstanden sie schnell, schon nur weil die Momente in Windeseile verfliegen. In den Skizzen hat sie alltägliche Szenen in reduzierter Linie festgehalten: Männer beim Koranlesen, zwei Frauen auf einer Fähre oder einen Sonnenuntergang. Kleine unscheinbare Momente, die zuerst entdeckt sein wollen und wohl erst durch diesen Akt des Festhaltens an Bedeutung gewinnen. Mit den Skizzen vollzieht Eva Styner bereits einen Schritt weg vom Dargestellten. Sie will das Motiv nicht in all ihren Details, also so wie es eigentlich ist festhalten, sondern wie es sich in ihrem Kopf oder gar in ihrer Erinnerung zeigt.
Diese freiere Form des Ausdrucks hat sich Eva Styner über eine längere Zeit angeeignet. Denn eigentlich war sie als wissenschaftliche Illustratorin tätig und hielt dabei meist in Aquarellfarbe so präzise wie möglich Pflanzen fest. Die Detailtreue war bestimmend. Von dieser eindeutigen Arbeitsweise versuchte die Künstlerin sich immer mehr zu entfernen.
Fast in Konkurrenz zu diesem Bilder-Machen, schrieb Eva Styner in Sansibar regelmässig Texte, die sie in einem Blog veröffentlichte. Die Themen sind ganz ähnlich, auch die Texte handeln von Alltäglichkeiten. Die beiden Medien Zeichnen und Schreiben versucht sie passend zum jeweiligen Motiv zu verwenden. Bestimmte Dinge lassen sich besser in Wort und Schrift ausdrücken, andere wiederum als gezeichnetes Bild.
In der Ausstellung bei gepard14 präsentiert Eva Styner grossformatige Bilder, die sich auf Basis der in Sansibar und auf Reisen entstandenen Skizzen entwickelt haben. Sie hielt sich eng an die Skizzen, versuchte aber, diese nicht einfach zu vergrössern, sondern die Linie und deren Schwung in ein grösseres Format zu transformieren. Sie sind nun nicht mehr schwarz-weiss wie die Skizzen, sondern auf getöntem Papier in Schwarz und Weiss gemacht. Sogar die Darstellung eines Sonnenuntergangs im «tropischen Paradies» Sansibar verliert durch diese Reduktion jeglichen Anschein von Kitsch. Temperamentvoll hingegen ist der Pinselstrich, der sich einmal wendig zu einer Silhouette findet, ein andermal energisch als Schraffur eine Wolke zeichnet. Und so kann sich Eva Styner ein Bild machen, dass Nähe und Distanz vereint. Ohne sich der Reportage zu ergeben, bringt sie den Betrachter nahe an Sansibar.


Dominik Imhof
 

   

 


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Bruno Sommer

 

Vernissage 4. September um 18 Uhr

Sie und Ihre Freunde sind zur Ausstellung herzlich eingeladen!

 

Öffnungszeiten: Samstag 5. und Sonntag 6. September 16-20 Uhr

 

Auf Rundgängen rund um den Ausstellungsraum gepard14 hat Bruno Sommer (*1962) Liegengebliebenes und Weggeworfenes eingesammelt und zusammengebaut. Ein Sammelsurium an Materialien, an Strukturen und Oberflächen ist entstanden, das nun einen Raum im Raum darstellt – eine Art Schrein, wie es Bruno Sommer nennt. Was der neu entstandene Raum beinhaltet, wird nicht enthüllt. Aber schon das Wissen um einen Innenraum, der noch dazu angefüllt sein könnte, nur schon diese Möglichkeiten sind imaginärer Raum für Assoziationen und Projektionen eines jeden Betrachters. Den Künstler interessiert das Schaffen von Raum, aber ebenso die Prozesse, die bei der Betrachtung eines derartigen Objektes ablaufen. Daneben zeigt Bruno Sommer Zeichnungen, die während des Arbeitsprozesses im Raum entstanden sind. Wild und gestisch entsteht auch hier neuer Raum: Blicke in den Aussenraum, Architekturen, Formen.

Dominik Imhof

 

Bruno Sommer

Eigentlich geht es in der Ausstellung von Bruno Sommer (*1962) nur um etwas: die Linie. Er schafft es jedoch aus diesem Grundelement der Kunst ein vielfältiges Universum zu kreieren. Linien versammeln sich in Zeichnungen zu Formen, zu Architekturen, oder Landschaften. Vier, fünf Linien zusammen ergeben schon eine Perspektive oder gar einen neuen Raum. Linien scharen sich zu Buchstaben und diese zu Schriften, die wiederum von Linien überzogen sind. Und auch im mitten im Ausstellungsraum platzierten Werk sind nur wenige klare Linien – jetzt im Raum und nicht mehr auf der planen Fläche – zu einem Objekt zusammengeführt.
In den Zeichnungen sind die Linien wild und gestisch. Sie zeigen Blicke aus dem Ausstellungsraum auf ein Aussen. Sie bilden gezielte Sonnenstrahlen und leichtfüssig geschwungene Hügel. Bäume entstehen in sanft gebogenen Linien. Architektonische Geometrien zeigen sich als Gegensatz dazu in ihrem strengen Strich. In den Zeichnungen baut Bruno Sommer. Er baut Räume in der Verdichtung von Linien. Farbige Fettkreide, Blei- und Nedding-Stift hinterlassen ihre Spuren. Die Zeichnungen sind parallel zum Arbeitsprozess am zentralen Objekt entstanden, sind aber keinesfalls als Skizzen oder Arbeitshilfen im engeren Sinn zu sehen. Vielmehr stehen sie gleichberechtigt daneben und präsentieren eine andere Ebene vielleicht derselben Linie.
Ein paar handfeste Linien im Raum formen das Objekt, das Bruno Sommer auch als Schrein bezeichnet. Auf Gängen rund um den Ausstellungsort hat er Liegengebliebenes und Achtlos-zur-Seite-Geworfenes eingesammelt und zusammengebaut. Dies entspricht voll und ganz der Arbeitsmethode des Künstlers. Nicht mit einer vorgefertigten Idee gelangt er an einen zu bespielenden Ort, sondern lässt vieles offen und überlässt einiges dem Zufall. Und so entsteht erst im Arbeitsprozess eine Aneignung und Inbesitznahme des Ortes vor Ort. Ein Sammelsurium an Materialien, an Strukturen und Oberflächen ist entstanden, das nun einen Raum im Raum darstellt. Nur zusammengehalten durch eine handvoll Nägel und etwas weisser Schnur (die übrigens nichts anderes als Linie ist). Eine grün lackierte glatte Fläche kontrastiert mit der weissen, rauen Oberfläche von Styropor, Holzlatten und Restholz führen die Vielfältigkeit weiter. Was der neu entstandene Raum beinhaltet, wird nicht enthüllt. Aber schon das Wissen um einen Innenraum, der noch dazu mit «Etwas» oder «Nichts» ergänzt sein könnte – nur schon diese Möglichkeiten sind imaginärer Raum für Assoziationen und Projektionen eines jeden Betrachters. Sommer interessiert das Erschaffen und Konstruieren von Raum, aber ebenso die Prozesse, die nun bei der Betrachtung von statten gehen. Wie wird der verborgene Raum durch jeden Betrachter mit Bedeutung gefüllt? Wieso wird das Objekt damit zum «Denkmahl»? Wie verändert sich das Objekt während derartiger Prozesse?
Schliesslich ist es kaum erstaunlich, dass Lyrik Eingang in Bruno Sommers Ausstellung gefunden hat. Auch hier im Grunde nur Linie. In höchstem Masse mit Bedeutung versehene Linien, die wir als Buchstabe und Schrift decodieren. Die Lyrik ist dem Schrein-Objekt nicht ganz unähnlich. Sie funktioniert ebenso als Schachtel, die mit Geheimnissen und Bildern angereichert ist. Sozusagen im Lesen enthüllen sie sich allmählich. Und für jeden Leser enthüllen sie sich allmählich anders.

Dominik Imhof

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SCHAERER/OESTER

...interactive DuoJazz

 

Samstag 22. August  Konzert um 18 Uhr

Das Repetoire dieses Duos entsteht zum ueberwiegenden Teil live während den Konzerten und zeichnet sich durch Interaktion, Spontanitaet und musikalische Vielfalt aus. Neben der Stimme und dem Bass wird das Instrumentarium dieses Duos durch diverse Fussperkussion von Bänz Oester sowie Mouthpercussion und Human Sounds von Andreas Schaerer erweitert.

Andreas Schaerer (voice, mouthpercussion, humansounds)

Bänz Oester (bass, footpercussion, shrutibox, gadgets)

 

 

 

 

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Dino Rigoli 

Vom Atmen der Blumen

Vernissage: 19.Juni 18 Uhr

Öffnungszeiten: 20./ 21./ 27./ 28. Juni  jeweils von 16-20 Uhr

 

Dino Rigoli
Vom Atmen der Blumen

Als «contraste des formes» könnte man die Raum umfassende Installation von Dino Rigoli im gepard14 nennen. Die Kontraste sind genauso prägnant wie auf ihre Weise doch verbindend. Zurückhaltend präsentiert der Künstler den Blick auf eine Wiese, auf Grashalme und Blumen. Die Pflanzen sind präzise umrissen. Sie bleiben aber schattenhaft diffus. Denn die Farbe ist nur «wässrig» aufgetragen, als sei das Wiesenstück erst im Entstehen begriffen. Die Pflanzen scheinen die Wand zu durchdringen, regelrecht aus ihr herauszuwachsen. Demgegenüber in sattem Blau und Braun – einem irdenen gebrannten «Terra di Siena» – geometrische Formen, Kreise, die sich in ebenso bunten Brücken miteinander verbinden. Sie erinnern an molekulare Strukturen, könnten demnach den mikroskopischen Blick auf die vorhin erwähnten Pflanzen darstellen. Sie sind nicht nur in ihrer abstrakt-geometrischen Form Kontraste zu den natürlich-pflanzlichen Formen der Gräser und Blumen. Vielmehr drängen sie sich in ihrer dichten und kräftigen Farbigkeit und Malweise geradezu ins Blickfeld des Betrachters. Kaum in einer Ansicht des Raumes bleiben sie verborgen, auch wenn man sich abwendet, bleiben sie präsent. Schliesslich führen einzelne dreidimensionale Objekte den Betrachter in den Raum oder wohl eher von dort in die Wand. Ein abstrahiertes Schiff befördert Löwenzahnsamen, die wir als kleine Fallschirmchen aus dem Alltag kennen. Die Durchbrechung von Räumen und Wänden war bereits in früheren Arbeiten von Dino Rigoli ein wichtiges Thema. So ist das Miniaturschiff mehr als nur geometrische Form, eher schon ein Gefährt des Übergangs. Man erinnere sich nur an den mythischen Fährmann Charon, der die Seelen der Verstorbenen über den Acheron zur Unterwelt führt. Und diese Art der Aufhebung und des Übergangs ist in der Wandmalerei bereits impliziert: Sie wird nach dem Ende der Ausstellung mit weisser Farbe übermalt, bleibt aber im Grunde unter einer Schicht Farbe weiterhin bestehen. Im Gespräch erwähnte Rigoli einen schönen Hinweis: Im türkischen Çatal Hüyük pflegte man vor 8000 Jahren wahrscheinlich Bitten an eine Gottheit auf weiss grundierte Wände zu malen. Sobald die Bitten in Erfüllung gegangen waren, wurden sie mit einer weissen Kalkschicht überdeckt, so dass Platz entstand, für neue Gebete.
Am Beginn der Ausstellung im Vorraum finden sich Zeichnungen, die in engem Bezug zur Rauminstallation stehen. Einerseits sind es Arbeiten, die in einer Serie entstanden sind. Sie verbinden, wie die Wandmalerei, Pflanzlich-Gegenständliches mit Geometrisch-Abstraktem: jeweils eine auf dem Blatt befestigte reale Blume mit geometrischen Farbfeldern. Die Realität der Blume stösst kontrastreich auf die Farbfelder, die aber nicht nur geometrische Form sind, sondern Farbempfindung. Andererseits zeigt Dino Rigoli Zeichnungen, die über mehrere Jahre hinweg entstanden sind. Sie sind nicht nur in der Motivwahl spontan und frei, sondern auch im Malduktus grob und gestisch. Sie als kindlich-naiv zu bezeichnen, ist an dieser Stelle sicher keine negative Kritik. Vielmehr demonstrieren die Zeichnungen eine sprühende Kreativität, sind energiegeladen und surreal. Bereits bekannte Themenkreise scheinen hier wieder auf und schliessen einen Kreis mit der Wandmalerei: Pflanzen, Metamorphosen (Schmetterlinge und der Übergang von Leben zu Tod), Kontraste.

Dominik Imhof

 


„Die 10 Charakteristischen Eigenschaften der Malerei“

waren so etwas wie der programmatische Titel der letzten Ausstellung Dino Rigolis. Dieses 10 Punkte Programm seiner Malerei umfasst so lapidare und ironische Aussagen wie etwa, die Malerei mache keinen Lärm oder Malen sei zärtlich und erotisch. So vielschichtig die 10 charakteristischen Eigenschaften der Malerei sind, so tiefgründig und mehrdeutig sind auch Rigolis Bilder. Pflanzenmotive überlagern geometrische Formen – oder diese bilden ein Grundmuster auf dem wiederum Pflanzliches aufscheint und durch dringt. Bildfragmente setzen sich in den Bildreihen fort. Ein geometrisches Grundmotiv des einen Bildes taucht auf einem andern als Randmotiv wieder auf und deutet auf das Fragmentarische unserer Erinnerung.  Kreisformen überlagern den Bildraum, welcher den „leeren Blick“ suggeriert; jenen Blick, wenn wir uns gerade mal wieder verloren haben in unserer Erinnerung und das eben erst Wahrgenommene sich in der Bedeutungslosigkeit verliert. Das „Poetische“ sei sein Ziel. Aber nicht in einem engeren neo-romantischen Sinne, sondern mehr im Sinne eines Bekenntnisses zur subversiven Sprengkraft des Poetischen. Das Poetische verschwendet sich ans Leben, ist anti-ökonomisch, ohne Nutzen, unproduktiv im eindimensionalen Sinne von Ökonomie. Wer kann schon den monetären Nutzen einer Blume, eines Gedichts, eines Insektes oder letztlich eines Bildes berechnen?
„Die Poesie der Verschwendung“ heisst eine der Bildreihen. Oder: „Die Ermüdung des Kapitalismus“. Lauter Verweise auf Tagesaktualitäten und gesellschaftliche Grundfragen. „Vom Atmen der Blumen“ lautet der Arbeitstitel seiner Auseinandersetzung im und mit dem Kunstraum gepard14. Die daraus resultierenden bildnerischen Erkenntnisse sind ab 19. Juni dort zu besichtigen.


Guido Schneeberger

 

 

 




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Daniel Breu   

   - C.C -

Neue Zeichnungen

 


Vernissage:Freitag 24. April 18 Uhr

Öffnungszeiten:25./26.April 16-20 Uhr

Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen !



Wohl jeder kennt das «C.C»-Feld in seinem E-Mailprogramm. Es erlaubt neben dem direkten Adressaten eine Kopie einer E-Mail an weitere Empfänger zu versenden. Dass «C.C» aber eigentlich die Abkürzung für «Carbon copy» meint, d.h. die Kohlepapierpause wie man sie aus dem prädigitalen Zeitalter kennt, wissen nur wenige. Diesen Verweis auf die manuelle Kopie nimmt Daniel Breu als Ausgangspunkt für seine Ausstellung bei gepard14 mit neuen Zeichnungen.Gerade das digitale Zeitalter mit seinen neuen Techniken und Möglichkeiten bescherte dem Medium Zeichnung weniger eine Blüte als vielmehr eine Krise. Lange galt die Zeichnung in der Kunsttheorie als Ursprung der Kunst schlechthin. Sie wurde mit Unmittelbarkeit und Spontaneität verbunden. Denken konnte mithilfe der Bewegung der Hand, und damit des Stiftes, beinahe direkt auf Papier übertragen werden. Heute können Linien am Computer generiert und beliebig vervielfacht werden. Zwischen den beiden Extremen der Zeichnung als unmittelbare Manifestation einer Idee und der Zeichnung im Zeitalter der Reproduzierbarkeit - nicht nur der digitalen - arbeitet Daniel Breu. Nicht digitale Techniken stehen jedoch im Vordergrund, sondern Verfahren des Kopierens wie sie druckgrafische Techniken schon weitaus länger erlauben als die Computertechnik. Am Klarsten zeigt dies eine Gruppe von Zeichnungen, bei der das Motiv des Totentanzes aufgegriffen ist. Das trommelnde Skelett ist verdoppelt und gespiegelt, in einer weiteren Zeichnung noch weiter vervielfacht. Schliesslich überlagert sich das Motiv in der Vervielfältigung zu einem Gewirr aus knochigen, trommelnden Armen, als hätte ein Futurist der Moderne eine Bewegungsstudie am Motiv Skelett ausgeführt. Das aus Holzschnitten bekannte Motiv ist von Daniel Breu aus seinem Kontext losgelöst und erhält einen comicartigen Charakter. Auffallend ist zudem die feine, diffuse Bleistiftlinie. Sie entstand nicht direkt als Spur des Bleistiftes auf dem Papier, sondern über den Zwischenschritt einer Pause. Dadurch ist die Grafitspur reduziert mit unscharfen Rändern, wie man sie sonst in der Druckgrafik findet. Motive wiederholen sich. Sie verändern sich, mutieren, bewegen sich auf der Suche nach ihrer «wahren» Form, ihrer ursprünglichen Gestalt durch verschiedene Zustände. Ein Armsessel scheint geradewegs einem Porträt von Cézanne entsprungen, jedoch fehlt die dargestellte Person. Der Sessel wird so zum aufdringlichen Volumen. Einmal ist er durch wenige Linien umrissen, ein andermal präzise in Linien charakterisiert, ein drittes Mal definiert ihn eine flächige Grafitspur, die keine Linie mehr erlaubt. Aus simplen Kletterstangen eines Schulhofs wird in ihrer Vervielfältigung ein Raum, eine Art Gitterkäfig. Dem Motiv kommt alles Spielerische abhanden. Und auch die wiederkehrende Menschengruppe erscheint einmal als Betrachter eines angedeuteten Gemäldes, ein andermal als Besucher eines Aquariums und ein weiteres Mal als chaotisch-dynamische Masse. Nur in wenigen Arbeiten benutzt Daniel Breu Farbe. Und wenn er sie verwendet, bleibt sie reduziert auf wenige Töne, die keine gegenständliche Nachahmung üben, sondern nur wage eine Form umschreiben und deren Plastizität hervorheben. Einerseits entsteht in der Versammlung von Zeichnungen ein Assoziationsraum ausgelöst durch die vielfältigen, vervielfältigten Motive. Gleichzeitig scheint Breu die Motive zu umschreiben oder einzukreisen und den Betrachter mit jeder Kopie des Motivs einen Schritt näher an den tatsächlichen Gegenstand seiner Zeichnung heranzuführen. Jede Zeichnung bildet eine Facette und ein Puzzlestück.

Dominik Imhof

 

Das Projekt wird unterstützt durch: 

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Mirjam Helfenberger

"Seepferdgeflüster"

 

 

Vernissage: Freitag 27. Februar 18 Uhr

Sie und Ihre Freund sind herzlich eingeladen!

Öffnungszeiten:

Samstag 28. Februar 16-20 Uhr

Sonntag 1. März     16-20 Uhr

 

Mirjam Helfenberger – Seepferdgeflüster

Geheimnisvoll wie der Titel «Seepferdgeflüster» der Ausstellung  von Mirjam Helfenberger bei gepard14 erscheinen auch ihre Werke. Meist sind es zwar traditionelle Motive wie Berge oder Blumen, aber von der Tradition bleibt bei Helfenberger kaum mehr als die Dinge an sich. Ihre Blumen-Arrangements sind nicht wohlgeordnete Bouquets in gediegenen Vasen, wie sie die Stilllebenmalerei über Jahrhunderte pflegte. Symbolisch aufgeladen, zelebrierten die Maler der Blumenstücke die Schönheit der Natur genauso wie deren Vergänglichkeit – und damit natürlich die Sterblichkeit des Menschen. Mirjam Helfenbergers in Öl gemalte Magnolien, Lotusblüten und Fuchsien gehorchen nicht den Regeln des Blumenstilllebens. Die Blüten scheinen durch einen unbestimmten, überzeitlichen Raum zu schweben ohne weitere Haftung in der Alltagswelt. Die Künstlerin führt den Betrachter durch ihre Ausschnitte und ihr Fokussieren – die mehr der asiatischen Kunst schuldet, als dem europäischen Stillleben – mitten in diesen Raum hinein, in eine ebenso sinnliche wie geheimnisvolle Welt.

Dominik Imhof

 

Mirjam Helfenberger – Seepferdgeflüster
gepard14

Geheimnisvoll wie der Titel «Seepferdgeflüster», den Mirjam Helfenberger für ihre Ausstellung bei gepard14 gewählt hat, erscheinen auch ihre präsentierten Werke. Erstmals widmete sich die Künstlerin für diese Ausstellung Gemälden auf Papier. Die Technik, oder vielmehr die Materialität des Papiers wurde denn auch zu einem wichtigen Aspekt ihrer neuen Arbeiten. Lose hängen die Papierbahnen an den Wänden, werfen feine Schatten und werden damit auf ihre Art und Weise plastisch.
Meist sind es zwar traditionelle Motive wie Berge oder Blumen, die auf Helfenbergers Werken zu sehen sind. Aber von der Tradition bleibt bei ihr kaum mehr als die Dinge an sich. Ihre Blumen-Arrangements sind nicht wohlgeordnete Bouquets in gediegenen Vasen, wie sie die Stilllebenmalerei über Jahrhunderte pflegte; Symbolisch aufgeladen, zelebrierten die Maler der Blumenstücke die Schönheit der Natur genauso wie deren Vergänglichkeit – und damit natürlich die Sterblichkeit des Menschen. Auch in der Kunst des 20. Jahrhunderts waren Blumen noch ein beliebtes Motiv, das von so unterschiedlichen Künstlern wie Giorgia O'Keefe, Andy Warhol oder Pipilotti Rist aufgegriffen wurde.
Mirjam Helfenbergers in Öl gemalte Magnolien, Lotusblüten und Fuchsien gehorchen nicht den Regeln des Blumenstilllebens. Sie sind scharf umrissen und verströmen dadurch eine Atmosphäre der Stille und der Regungslosigkeit. Die Blüten scheinen durch einen unbestimmten, überzeitlichen Raum zu schweben ohne weitere Haftung in der Alltagswelt. Ein symbolischer Gehalt scheint Helfenbergers Blumen vollkommen zu fehlen. Sie schaffen mit ihrer Umgebung vielmehr einen kontemplativen Stimmungsraum. Die Künstlerin führt den Betrachter mithilfe eines Fokus auf Ausschnitte und Details – die mehr der asiatischen Kunst schulden, als dem europäischen Stillleben – mitten in diesen Raum hinein, in eine ebenso sinnliche wie geheimnisvolle Welt.
In einem weiteren Werk – «Titel????» – bricht Helfenberger diesen in sich ruhenden Raum. Dieselben Blüten sind jetzt nicht mehr in klarer Zeichnung umrissen, sondern in grobem Pinselstrich ausgeführt und sind in verschiedenen Schichten überlagert und verschwommen dargestellt. Eine Bewegungsunschärfe umgibt die Motive und täuscht eine aufgeregte Dynamik vor, als wären die Blüten in einem wirbelnden, tosenden Strudel gefangen.
Neben dem Blumenmotiv nutzt die Künstlerin Textilien als Motivschatz für ihre Werke. Sie sind Ausgangspunkt für eine Transformation der bestickten, in Falten geworfenen Oberflächen in rätselhafte Landschaften. Sie erinnern an Mondscheinlandschaften oder Unterwasserwelten, auf welche schliesslich auch das Titel gebende «Seepferdchengeflüster» anspielt. Die Seepferdchen schwimmen auf einem Gemälde in einem Aquarium mit Wasserpflanzen und bleiben auch in ihrer Gefangenschaft ferne Märchen- und Fabelwesen, die aus einer vollkommen anderen, unerreichbaren Zeit zu stammen scheinen.


Dominik Imhof