gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

info@gepard14.ch
 
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Lea Krebs

 

Moisissure

Vernissage: 20.11.2015, 18 Uhr

Einführung durch Alessa Panayiotou

Öffnungszeiten: 21.& 22.11.2015 15 Uhr bis 18 Uhr

 

Moisissure

Das Pilzlabor.

 

Lea Krebs arbeitet forschend, experimentell, parallel.

 

Während ihrer Zeit im gepard 14 sammelt, zeichnet, modelliert und erschafft sie Pilze. Pilze, deren Eigenschaften und die Vielgestaltigkeit dieser Lebewesen thematisierte Lea Krebs in ihren Arbeiten bereits wiederholt. Die Natur, deren Vielfalt, sowie das ephemere an Nahrungsmitteln ist ein wichtiges Element in Lea Krebs` Kunst. In der Ausstellung im gepard 14 zeigt sie das Ergebnis ihres Pilzlabors.

Eingelegte Fliegenpilze, getrocknete Baumpilze und imitierter Schimmelpilz…

 

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moisissure

Nahrungsmittel sind ein merkwürdige Konstante in unserem Leben: Sie existieren nur, um zu verschwinden. Und geschieht dieses Verschwinden nicht durch unsere Nahrungszufuhr, dann zerfallen die Nahrungsmittel – je nach dem innert kürzester, immer aber in absehbarer Zeit - von selber. Sie sind geradezu ein Sinnbild für das Ephemere, Vergängliche.

Lea Krebs thematisiert in ihrer Arbeit immer wieder das Vergängliche - in der Auseinandersetzung mit Nahrungsmitteln fand sie das ideale Vehikel für dieses Interesse. Im Unterschied zur in der Kunstgeschichte seit anhin und bis heute viel bearbeiteten barocken Vergänglichkeitsthematik, welche uns die allem innewohnende Endlichkeit vor Augen führen soll und die eigene Sterblichkeit mahnend entgegen hält, geht es Lea Krebs aber um etwas anderes: Sie interessiert sich für den Prozess des Vergehens – nicht den Endpunkt desselben. Dementsprechend spielt die Künstlerin in ihren Werken mit den verschiedenen Stadien des Zerfalls und beobachtet oder hält fest, wie sich etwas im Fortschritt der zeitlichen Achse verändert. Und Lebensmitteln wohnen spannende Veränderungen inne...

Bereits seit geraumer Zeit tauchen immer wieder Pilze in den Werken der Künstlerin auf. Pilze zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass sie ein ganzes biologisches Reich bilden und als Lebewesen ein Eigenleben besitzen. Sie entsprechen der künstlerischen Arbeit von Krebs auch deshalb, weil sie selbst ein Sinnbild des Verfalls darstellen – explizit in der Form des Schimmelpilzes, des moisissure. Mit diesen Eigenheiten, den verschiedenen Ausprägungen der Lebewesen sowie den Assoziationsfeldern, die wir mit Pilzen verbinden, experimentiert Lea Krebs in der Ausstellung. Sie erschafft ein mykologisches Universum, welches das Entdecken und Ersehen als Leitgedanken in sich trägt.

Die augenfälligste der allesamt vollumfänglich vor Ort entstandenen und erstmals gezeigten Arbeiten, widmet sich der Erscheinung des Schimmels. Was uns normalerweise ekelt, vermag uns nun zu faszinieren - es leuchtet uns förmlich entgegen. Der Künstlerin gelingt dies dadurch, dass sie sich den Schimmel zu eigen macht. Sie, welche die Schönheit im vermeintlich Hässlichen, Ekligen erkannt hat, macht sich zur Schöpferin ihres eigenen Schimmels, um dessen ästhetische Qualität zu steigern und uns diese so vorzuführen, offensichtlich zu machen. Die Schimmelkreise, in der Form an Petrischalen erinnernd, werden in einem beinahe malerischen Prozess, Schicht für Schicht aus Polyester gegossen und eröffnen ein Wechselspiel der Überlagerungen: Sand, Leim, Schubimehl, Watte und natürlich immer wieder Farbpigmente machen den künstlichen Schimmel zu einer wunderbar vielschichtigen Farb- und Formwelt – zusätzlich gesteigert durch die innere Leuchtkraft der Objekte.

Auch in einer weiteren Arbeit, wird der Verfall für unsere Augen ästhetisch aufgewertet und in eine für uns alle ersichtliche Schönheit überhöht. Ausgangsmaterial bilden dieses Mal allerdings tatsächliche Naturrelikte: Getrocknete Pilze, die meisten von der Künstlern selbst gesucht, gesammelt und getrocknet, wurden mit Acryllack übergossen. Der Lack konserviert das Vergehen und macht die schrumpeligen Pilze zu einem seltsam attraktiven Objekt. Die Oberflächenstrukturen, die „abstrusen Runzeln“ – wie Krebs es nennt – werden in den Fokus gerückt und laden zum eingehenden Betrachten von allen Seiten ein. Wiederum erhält das ansonsten kaum Beachtete durch den Eingriff der Künstlerin eine eigene Faszination und Anziehungskraft.

Die räumlich entwickelten Werke erhalten eine zweidimensionale Ergänzung durch Zeichnungsarbeiten: Von der künstlichen Herstellung, über die Bearbeitung gelangen wir zur Darstellung von Pilzen. Ausgehend von kleinformatigen wissenschaftlichen Illustrationen präsentiert uns Lea Krebs in überdimensionierte Form Pilzarten beziehungsweise Pilzbestandteile. Die Tuschezeichnung übernehmen einerseits durch die feine Zeichenführung die Fragilität der Pilze, andererseits lassen sie diese ungewohnt nah, gross und daher auch dominant erscheinen – sie nehmen unser ganzes Blickfeld ein; ganz so, als würden wir sie als Proben unter einem Mikroskop betrachten.

Lea Krebs betätigte sich für die Ausstellung im gepard 14 nicht nur als künstlerische Pilzforscherin und gewährt uns Einblick in ein Pilzlabor, welches die vielfältigen Facetten dieses Lebewesens sichtbar macht. Sondern sie zeigt uns auch, dass durch eine gekonnte künstlerische Intervention Unauffälliges augenfällig, Zerfallendes ewig geltend, Ekliges wunderschön – kurz, unsere Wahrnehmung geschärft, hinterfragt und neu bewertet werden kann.

 

Text von Alessa Panaiyotou

 

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Barbara Hindahl

Interieur

Portrait

Soundscape

 

 

Einladung zur Vernissage

Freitag 4. September 2015  18:00 Uhr

Einführung durch Thomas Schoenberger

 

Öffnungszeiten: 5. und 6. September 2015 15 - 18 Uhr

 

 

 

Barbara Hindahl ist bekannt für ihre in situ Arbeiten, für die temporären trompe-l’oeil-Zeichnungen im Raum, die sich nur dann zu einem Bild zusammensetzen, das im Raum zu schweben scheint, wenn man von einem genau definierten Standort aus schaut. Für Gepard 14 entwickelt sie, wie schon in Yokohama in Zusammenarbeit mit der japanischen Künstlergruppe PUDDLES, eine Audiospur mit verschiedenen Klängen und Geräuschen aus dem Wohngebiet, von einzelnen  Anwohnern und als Geräusche aus der Community. Das akustische Fragment eines Portraits tritt in Beziehung zu einer Installation mit Gegenständen aus der Anwohnerschaft und mit grellen Streifen die von einem Lautsprecher zum nächsten führen.

 

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Liebe Anwohner im Liebefeld,

Im Kunstraum Gepard14 plane ich, Barbara Hindahl, Künstlerin aus Mannheim (D) eine künstlerische Arbeit unter Beteiligung von möglichst vielen Anwohnern.
 
Dazu brauche ich Menschen, die mir für die Dauer bis zum 07.09.2015 ein Möbelstück zu Verfügung stellen. Stühle, Sessel und Tische, aber auch Lampe, Regal oder Kommode sind sehr willkommen.
Die Möbel werden neu zu Wohnräumen zusammen gestellt und mit Plotter-Folie markiert. Im Zusammenhang mit den Markierungen auf den anderen Möbeln im Interieur wird eine grosse zusammenhängende Form sichtbar werden.
!!! Sie werden Ihr Möbelstück ohne Spuren oder Verletzungen zurück erhalten!!!

In diesem Zusammenhang wäre es schön, wenn Sie sich zu einem kurzen Interview vor laufendem Audiorecorder bereit erklären würden.

Abgabe und Interviews:
Mo Di Mi 19:00 h bis 20:00 h und nach Vereinbarung

Als Dankeschön gibt es ein signiertes Foto der Arbeit in der Grösse von DIN A4.

Kontakt unter
barbara.hindahl@web.de
0049-1573-8778159     (Bitte schicken Sie mir eine SMS – ich rufe dann zurück)

 

 

 

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Barbara Hindahl 
Interieur
Portrait
Soundscape

Man versucht beim Sehen sich an etwas festzuhalten. Ob Fotografie, Ölgemälde, et cetera, ganz gleich. Hier bei Hindahl gelingt das nicht. Verwirrend istzunächst die Struktur der Raute, die über die Möbel verteilt sind wie ein skurriles Teppichmuster. Das ist der erste Eindruck. Formal müssen wir uns die Frage stellen: Was bringt das für die hier arrangierte Wohnlandschaft ?
Im Gegensatz zu den Kreisformen, die Hindahl ebenfalls meisterhaft beherrscht, wenn wir ihre Arbeiten in Yokohama, Japan; in Budapest und demnächst in Los Angeles im Sinn haben, bestimmt die von ihr ausgewählte Raute keine Zentrierung. Die Raute teilt das Feld ein, es ist somit ein generalisiertes Muster.
So ist zunächst kein Zentrum zu erkennen. Ein Moment der Verwirrung stellt sich ein. Das wird noch verstärkt, weil die Rauten über den Boden und die Wände hinauflaufen. Dazu setzt Hindahl unterschiedliche Materialien ein, die nicht unbedingt zusammenpassen: Papierklebestreifen, leicht versetzt, grellfarbige Folienstreifen und zusätzlich die roten Streifen, die für die Grundrisse der Zimmeranordnung fungieren.
Ausgangspunkt der Arbeit von Hindahl war eine Umfrageaktion in der Nachbarschaft von Liebefeld. Dort hat sie leihweise um Möbel gebeten, die mit ihren unterschiedlichen Gebrauchsspuren Zeugnis ablegen von den Lebensumständen der Bewohner.
Das ergibt dann nun auch noch ganz andere Assoziationen:
Die improvisierte Bleibe / das Nicht-Wohnen / ephemere Wohnarchitekturen
Aber Hindahl geht noch einen Schritt weiter: Sie weist mit ihrer installativen Arbeit auf einen aktuellen Zeitbezug hin, auf die Flüchtlingsströme die tagtäglich in Europa ankommen, die entrissen aus ihren gewachsenen Zusammenhängen in einem Chaos aus Registrierung, Vollverpflegung, Gemeinschaftsduschen und penetranter staatlicher Fürsorge versinken.
Selbst für uns ist die Vorstellung von Wohnen an und für sich schon horrible: Ziehen wir in eine Wohnung, finden wir Situationen vor, die wir so nicht gewollt haben: Rauhfasertapete,  clean in weiss und die unvermeidliche Einbauküche auf zudem viel zu kleinem Raum.
Das ist der Beginn unserer Entfremdung. Hindahl trifft mit ihrer Kunstpraxis den Nerv der Zeit. Was kann es denn bedeuten, wenn sich die Kunst heute nicht mit erratischen Positionen wie Bildfindung, Farbgebung und formal-ästhetischen Fragen beschäftigt ? Eine Antwort darauf gibt die Arbeit von Barbara Hindahl in Gepard 14 in Liebefeld, Bern.
T.S.


 

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                                          Das Projekt wird unterstützt durch

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Sonja Lotta

More Is Never Enough

Fotografie und mixed Media

 

Einladung zur Vernissage
Freitag 3. Juli 2015  18:00 Uhr

 

Öffnungszeiten: 4. und 5. Juli 2015 15 - 18 Uhr

 

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More Is Never Enough

Eine Ausstellung zum Thema Zufriedenheit

 

Das Konzept der Ausstellung bezieht sich auf das Buch „Missing out, In Praise of the Unlived Life“ von Adam Phillips. Das Kapitel „On Satisfaction“ ist das Gegenstück zu dem vorhergegangenen Kapitel „On Frustration“.

Die Zufriedenheit ist eng mit der Frustration verbunden. Es gibt das Eine nicht ohne das Andere. Kennt man keine Frustration, kennt kann man auch keine Zufriedenheit: es ist ein Gegenspiel. Jedoch ist die Zufriedenheit, im Gegensatz zu der Frustration, ein Gefühl, dass man gerne mit anderen teilt. Es ist eine Befriedigung, ein Glückszustand. Jedoch ist es nicht leicht zu verstehen und zu fühlen, wann der Zustand der Zufriedenheit eintritt. Oftmals merkt man es erst im Nachhinein.

Es wird fünf verschiedene in sich abgeschlossene Arbeiten geben, die jedoch miteinander im Gespräch sind. Jede Arbeit basiert auf einem Satz über Satisfaction aus dem obengenannten Buch.

Sonja Lottas Arbeiten sind vom alltäglichen Leben inspiriert. Die Faszination einer Routine und den unscheinbaren, unwichtigen Dingen, die uns täglich beeinflussen zieht sich durch Ihre Arbeiten. Die Sicht auf das Gewöhnliche, wie auch das Absurde im Alltag sind präsent und werden sowohl dokumentiert als auch verfremdet.

 

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More Is Never Enough
3.-5. Juli 2015, gepard14, Bern

Das Werk von Sonja Lotta beschäftigt sich mit den zwei gegensätzlichen Gefühlen von Zufriedenheit und Frustration. Ausgangspunkt ist das Buch “Missing Out. In Praise of the Unlived Life” von Adam Phillips.

Wir alle führen zwei parallele Leben: eines, welches wir aktiv leben und ein anderes, welches wir hätten leben wollen oder noch leben könnten. So stark wir auch versuchen, im Moment zu leben, haben die ungelebten Leben eine unausweichliche Präsenz und sind uns dicht auf den Fersen. Genau dies jedoch kann die Geschichte unseres Lebens sein: eine Mischung aus unerfüllten Bedürfnissen und geopferten Wünschen. Wir werden verfolgt von dem Mythos, welches unser Potential gewesen wäre oder noch sein könnte. Dies kann aus unserem Leben ein ewiges Spiel von verfehlten Zielen machen. Wenn wir akzeptieren, dass Frustration eine Möglichkeit ist, zu erkennen was wir wirklich wollen, wird Zufriedenheit plötzlich realistisch. Ein Leben ohne Frustration herbeizusehnen, ist wie einem Leben aus unerkannten Träumen und unerfüllten Wünschen nachzurennen.

Die Zufriedenheit ist eng mit der Frustration verbunden. Es gibt das Eine nicht ohne das Andere. Kennt man keine Frustration, kennt kann man auch keine Zufriedenheit: die beiden sind ein Gegensatzpaar. Jedoch ist die Zufriedenheit, im Gegensatz zur Frustration, ein Gefühl, das man gerne mit anderen teilt, ein Glückszustand. Oft ist es nicht leicht zu verstehen und zu fühlen, wann der Zustand der Zufriedenheit eintritt. Oftmals merkt man es erst im Nachhinein, wenn sich der Zustand schon wieder aufgelöst hat.

Im gepard14 findet die letzte Ausstellung zu diesem Themenkreis statt. Die Ausstellung ‘More Is Never Enough” ist ausschliesslich dem Thema Zufriedenheit (Satisfaction) gewidmet und bildet so den Gegenpart zur Ausstellung “Nothing Matters More Than What Never Happenend” die im Kunstraum Aarau 2014 gezeigt wurde und der Frustration gewidmet war.

Gezeigt werden fünf in sich abgeschlossene Arbeiten zur Thematik, die jedoch miteinander korespondieren. Jede Arbeit basiert auf deinem Satz aus dem Kapitel “On Satisfaction” aus dem obengenannten Buch (die Sätze sind jeweils bei den Titeln aufgeführt.).

Sonja Lotta

 

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AURELIA MÜLLER

STILL

Einladung zur Vernissage: Freitag, 1. Mai 2015, 18 Uhr

Einführung: Petra Giezendanner, Kunsthistorikerin

Musik: Singer Songwriter Duo
Corinnasings & Rory (CH/UK)

 

Öffnungszeiten:

Samstag 2. und Sonntag 3.Mai 2015  15 - 18 Uhr

 

 
Die grossformatigen Fotografien von Aurelia Müller laden ein genauer hinzuschauen. Dabei geschieht eigentlich gar nicht viel in den Aufnahmen. Praktisch immer zeigen sie nur einen Gegenstand, der von jeglichem Kontext befreit, im Zentrum des Bildes festgehalten wurde. Umso besser kann man sich diesem aber hingeben. In einer Zeit, in der alles und jedes gehetzt und schnell, schnell mit dem Handy oder sonst einer digitalen Kleinkamera geknipst wird, macht Aurelia Müller genau das Gegenteil. Sie hält einen Moment inne und greift auf ihre alte und schwere Sinar Fachkamera zurück. Jede Aufnahme ist so das Resultat zeitintensiver Vorbereitungen. Für Schnappschüsse oder sonstige Zufallsprodukte gibt es keinen Platz. Desto präziser sind dafür die Fotografien. Die Künstlerin präsentiert ihre Sujets auf Papier gebannt meist um ein x-Faches vergrössert. In fast schon mikroskopischer Manier macht sie von blossem Auge sonst kaum erkennbare Einzelteile in einer aussergewöhnlichen Schärfe sichtbar und gibt das Motiv so in einer Art und Weise wieder, wie man es nur selten oder nie gesehen hat.

Petra Giezendanner, Kunsthistorikerin

 

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AURELIA MÜLLER

STILL

Das fotografische Schaffen von Aurelia Müller baut sich aus verschiedenen Serien und Einzelaufnahmen auf. Da sind Bildreihen mit toten Insekten, mit neu abfotografierten alten Porträtaufnahmen und Daguerreotypien, mit Wolkenformationen, mit versteinerten Flugsauriern oder mit ausgestopften Vögeln. Die Serien mögen thematisch im ersten Augenblick etwas heterogen erscheinen. Tatsächlich sind sie aus ganz ähnlichen Fragestellungen und Reflexionen entstanden. Immer kreisen die Fotografien inhaltlich um das Medium der Fotografie und, damit eng verbunden, um die Wechselbeziehung zwischen Leben, Erinnerung und Vergänglichkeit. Dies erlaubt es der Künstlerin auch, die Bilder in Ausstellungen in immer neuen installativen Gruppen zu präsentieren.

Aurelia Müller greift für ihre Fotografien auf ihre 70-jährige Sinar Norma Fachkamera zurück. Jede Aufnahme ist so das Resultat zeitintensiver Vorbereitungen. Für Schnappschüsse oder sonstige Zufallsprodukte gibt es keinen Platz. Desto präziser sind die Fotografien. Die Künstlerin präsentiert ihre Sujets meist um ein x-Faches vergrössert. In fast schon mikroskopischer Manier macht sie so von blossem Auge sonst kaum erkennbare Einzelteile in einer aussergewöhnlichen Schärfe sichtbar. Unwillkürlich wird man dazu verleitet, sich in den Bildwelten zu verlieren.

Inhaltlich spielt in den Fotografien das Nachdenken über die Endlichkeit des Lebens und über das, was vor uns war, eine zentrale Rolle. Die Aufnahmen der verschiedenen toten Insekten muten etwa wie der Versuch an, einen vergehenden Körper festzuhalten, sich ihm und seiner Rolle im Leben noch ein letztes Mal zu vergewissern, bevor er ganz weg ist. Die im Alltag vor allem als lästige Erscheinung wahrgenommenen Insekten werden hier also als individuelles Leben ernst genommen. Andere Aufnahmen hingegen dokumentieren den Tod als unverrückbare Tatsache. Die Fotografien der schon vor 148 Millionen Jahren zu Stein gewordenen kleinen Flugsaurier etwa lassen an die Endlichkeit nicht nur von Individuen, sondern von einer ganzen Spezies denken.

Ein wichtiger Aspekt in Aurelia Müllers Schaffen bildet auch die Auseinandersetzung mit dem Medium der Fotografie selber. Besonders evident wird dies in der Aufnahme des vermeintlich fliegenden Mäusebussards, der sich bei genauerem Hinschauen als ausgestopftes Tier entpuppt. Unwillkürlich lässt das Bild so an den alten Topos der Fotografie denken, mit dem Einfrieren eines Momentes Leben gleichsam zu töten, respektive in seiner Umkehrung, Totem neues Leben einzuhauchen. In Anlehnung an dieses Bild und fasziniert von der Möglichkeit, einen Augenblick gleichzeitig zu beleben und abzutöten, nennt die Künstlerin die Ausstellung hier schlicht „Still“.

Das intensive Nachdenken über die Versprechungen und das tatsächliche Vermögen der Fotografie zeigt sich auch in den alten, neu abfotografierten Porträtfotografien oder (wie hier ausgestellt) -daguerreotypien, die Aurelia Müller in Antiquariaten aufstöbert. Ins Grossformat übertragen fallen die Spuren ins Auge, welche die Zeit auf den Aufnahmen hinterlassen hat: Stockflecken, Verfärbungen, Kratzer, Knicke oder Abdrücke bezeugen die Vergänglichkeit des Bildes. Unwillkürlich fragt man sich auch, was aus der Person wohl geworden ist, warum die Aufnahme im Antiquariat endete und ob sich überhaupt noch jemand an das abgelichtete Individuum erinnert? Aurelia Müllers Aufnahmen erzählen so nicht nur die Geschichte der Vergänglichkeit der zur Erinnerung geschossenen Fotografie, sondern auch die der eigenen Endlichkeit.

 

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Bobby Vacant & The Worn

 

Sound & Poetry:


The Flarf Disco Experience


Bobby Vacant & The Worn

Feat. The Artist Formerly Known as Hartmut Abendschein


Freitag 27.3.2015 20 Uhr

Bar ab 19 Uhr


gepard14 Schützenstrasse 14 3097 Liebefeld


The Flarf Disco Experience bringt endlich zusammen, was zusammen gehört: Lo-fi-Gitarrensound, farbenprächtige Wrestlermasken und aus Musiksamplertiteln montierte und collagierte Textgebilde in angemessenem Vortrag. DIY-Bricolagen aufs Ohr in Wort und Ton. Der Singer-Songwriter Bobby Vacant (USA/CH) und die Bassistin The Worn (Brigitte Meier, CH) spielen Songs aus der rauhen amerikanischen Landschaft, den Wüsten voll Spuren von Geistern, aus der Nacht, die durch leuchtende Neonreklamen durchbrochen wird ...

Bobby Vacants Songs nehmen oft eine Wendung in abgründige Tiefen, die durch die Basslinie zu lichteren Harmonien verbunden werden. Geprägt vom Folk, vom Punk, vom Indie-Pop entstehen Songs vom Wagen, Gewinnen und Verlieren. 

The Artist Formerly Known as Hartmut Abendschein ist der Berner Schriftsteller, Herausgeber und Verleger Hartmut Abendschein. Er wurde auffällig durch verschiedenste literarische Recyclingmassnahmen, Appropriationen und schwer einschätzbare Textprojekte. Sein jüngster Band “Flarf Disco. Popgedichte” erscheint mit einem Vorwort von Benedikt Satorius im Mai 2015 in der edition taberna kritika.


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Flyer

 

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LORENZO SALAFIA

la testa tra le nuvole

 

EINLADUNG ZUR PERFORMANCE

FREITAG, 6. MÄRZ 2015  18 UHR

EINFÜHRUNG DURCH: BA BERGER, KURATORIN

ÖFFNUNGSZEITEN:
7. UND 8. MÄRZ 2015, 14-18 UHR

 

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Lorenzo Salafia

la testa tra le nuvole

6. – 8. März 2015, Gepard 14

Die angekündigte Performance ist vorbei. Als nicht bei der Aktion anwesender Besucher oder Besucherin können wir nun nur noch erahnen, wie das Wandgemälde zustande kam. Vor der Aktion tritt man als Publikum in einen Raum, der zwar durch seine Architektur unterbrochen ist, in seiner Erscheinung jedoch mit dem Begriff des White Cubes spielt. Auf der Längswand zeichnet sich vage ein nicht definierbarer Untergrund ab, Schichten lassen sich erahnen: Lorenzo Salafia (*1983) hat im Vorfeld auf der Wand ein Netz aus Schnur angebracht. Eine Lage Packpapier wurde darüber gekleistert und die Wand anschliessend erneut weiss gestrichen. Dies alles verdeckt die darunterliegende Wandmalerei: eine hellblaue monochrome Fläche, auf die der Künstler mit einem Malroller die zwei Wörter „Concetto“ und „Spaziale“ geschrieben hat.

Nun packt der Künstler das Schnurende rechts unten und beginnt dieses unter dem Packpapier hervorzureissen. Ähnlich einer Zündschnur läuft die Linie durch die Fläche hindurch. Erst fährt sie mehrere Male der ganzen Wand entlang und beschreibt einen subtilen Rahmen. In der Mitte angekommen, umreisst sie Buchstaben. Das Bild entwickelt sich langsam, bestimmt durch die Bewegungen des Künstlers und die Eigenschaften des Materials. Feine Linien und ganze Flächen reissen weg, die darunter liegenden Farbflecken ergeben eine Wandmalerei, die weder vorhersehbar noch kontrollierbar ist. Eventuell ergibt die Kombination der lesbaren Buchstaben gar ein neues Wort. Je nach Laufrichtung des Papiers sind es präzise oder ausgefranste Risse, die entstehen und an offene Schnittwunden oder schlecht verheilte Narben erinnern.

Es ist eine Art Zeitstrahl, der den Weg vorgibt. Gleichzeitig erinnern die sich verändernden Geräusche des Materials während der Aktion an ein Musikstück – mit fliessenden Abschnitten, anschwellenden Crescendi, Rhythmusänderungen und kleinen Pausen. Salafia hat sich den Weg selber gelegt. Gleichzeitig sind seine Bewegungen und deren Tempo nun von der Schnur geleitet. Der Künstler wird geführt, von dem was er gemacht hat, von dem was er sich vorgegeben hat. Die Vorarbeit und die Aktion generieren zusammen das eigentliche Kunstwerk. Entstanden ist die Idee für la testa tra le nuvole aus Neugierde und dem Wunsch, sich selbst zu überraschen. Es ist ein Experiment mit unbekanntem Ausgang.

Mögliche Geschichten hervorzuholen, sich vorstellen, was hätte sein können – die Vielschichtigkeit kann als Verweis auf den dänischen Künstler Simon Dybbroe Møller (*1976) gelesen werden, dessen Beschäftigung mit De- und Rekonstruktion Salafia seit längerem interessieren. Gleichzeitig ergeben sich augenzwinkernde Ähnlichkeiten mit den Schnittbildern des italienischen Künstlers Lucio Fontana (1899–1968). Dieser forderte ab 1947 eine dynamische Kunst und entwickelte das „Concetto spaziale“ Raumkonzept). Dieses setzte er um, indem er monochrome, ungerahmte Leinwandflächen perforierte und so statt eines zweidimensionalen Werks Plastizität erreichte. Im Gegensatz zu Fontana braucht Salafia für die Verletzung der Oberfläche die Leinwand allerdings nicht mehr. Das Licht- und Schattenspiel unterstützt die dreidimensionale Wirkung zusätzlich.

Die meisten von Salafias Arbeiten drehen sich um den Raum und gehen von diesem aus. Den Künstler interessiert, was man mit den jeweiligen Räumlichkeiten machen kann, wie man diese verwandeln kann, wie ein Spielen mit und in ihnen möglich ist. So verweisen auch Werktitel wie Space Diary oder Space Structure auf diese räumlichen Untersuchungen und Experimente. Der Faden ist bei Salafia ebenfalls ein alter Bekannter, den er immer wieder anderweitig integriert und kombiniert. In früheren Arbeiten versuchte Salafia mit in den Raum gehängten Linien und Licht Körper zu modulieren und Räume im Raum selber zu erschaffen. Anders seine Diplomarbeit Chi dorme non piglia pesci, in der eine hölzerne Marionette, als Stellvertreter für den Künstler, mit den einzelnen Werken verbunden ist und diese lenkt. In la testa tra le nuvole ist es nun der Künstler selbst, der das Werk an der Leine hält, dieses aber eben doch nicht vollständig kontrollieren kann.

Der Kopf zwischen den Wolken, die Hand am Schnurende.

Text: Ba Berger

 

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Michael Streun

Mal was anderes.

 

Einladung zur Vernissage: Freitag, 9. Januar 2015, ab 18 Uhr

Einführung durch Franziska Streun, Autorin

 

Guests: Simon La Bey begeigt, verdichtet und besingt

        Michael Streun trifft Michael Streun

 

Öffnungszeiten: 10. und 11. Januar 2015, 14 – 18 Uhr

Schützenstrasse 14, Liebefeld / Bern

 

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Der Kunstmaler Michael Streun arbeitet im Gastatelier gepard14 in Liebefeld. Er unternimmt ein künstlerisches Experiment und verwebt die Fäden der Erinnerung die ihn zu seinen Wurzeln als Maler und Kunstschaffenden führen.
Dabei spielt das Liebefeld eine wichtige Rolle als Ort an dem sich seine gelebte Vergangenheit mit der Gegenwart trifft.

 

«Michael Streun – Mal was anderes.» – Gastaufenthalt im Gepard14 im Liebefeld


Alles begann mit einem Pferdekopf auf einem Blatt Papier. Gezeichnet hat ihn Walo – auch ein Streun und Onkel von Michael Streun. Das Pferd schaute beim Grossvater von der Wand in die Ferne, und der Vierjährige dachte beim Betrachten immer: «So gut wie mein Onkel, möchte ich auch zeichnen können!» Seither zeichnet Streun, und heute ist er ein begnadeter Kunstmaler.

Für den Gastaufenthalt im Gepard14 überlässt er das Konzept seinen Erinnerungen. Streun will, fern von seinem Atelier in Thun, mal was anderes tun: Er will experimentieren. Altes entdecken, Neues wecken. Installativ
arbeiten, und Dinge umsetzen, die er sonst kaum angehen würde – und transformiert dabei und ganz nebenbei die Vergangenheit in die Gegenwart, die wir hier sehen und spüren und die in die Zukunft wirken wird.
In der Vorbereitung notiert er Gedanken und spielt mit Worten. Zum Beispiel: «Ich will ein Liebefeld-Bild werden – vielleicht.» Oder: «52 Strassen. 46,9286 Breite. 7,4189 Länge. 564 MüM. PLZ 3097. 3587 Katzen. 2861 Hunde.»
Auch schreibt er Erlebnisse auf, wie dieses: «Nachdem ich mit dem Dreirad ‚vouhahne’ den Stutz hinunter gefahren war und unter der Eisenbahnbrücke das Vorderrad verloren hatte, worauf ich gott’s jämmerlich auf die Fresse fiel, kam jemand vorbei, hob mich auf, nahm das kaputte Dreirad und sagte: ‹Da fehlt eine Mutter.› Worauf ich jammernd antwortete: ‹Ja, da fehlt die Mutter›; meinend, der Mann rede von meiner leiblichen Mutter.»
Anfang der 80er-Jahre fuhr Michael Streun jeden Wochentag mit seinem Moped vom Weissenbühl durchs Liebefeld zu seinem Lehrmeister, dem Herrn Ambühl. An jene Zeit, in der Streun bei ihm Schriftenmaler lernte, knüpft der Künstler auch seine erste Arbeit für Gepard14 an: Er kreiert in roten Buchstaben – rot wie die Liebe – den Schriftzug Lovefield. Liebesfeld. Liebefeld. Wie früher als Schulbub, als er seinen Hund ausführte, schlendert Streun wieder durch den Steinhölzli-Wald und baut sich jetzt, als 50-Jähriger, sein Baumhaus. Genau das Baumhaus, welches er als Kind in seiner Fantasie dutzendfach gebaut hatte, sich darin versteckt und seine Abenteuer gelebt hatte. Er lässt sogar seinen Vater darin aufleben, der ihn aufgefordert hatte, die Gegend anzuschauen, die der Kleine jedoch damals nicht sehen konnte.
Eben, mal was anderes. Und das tut er: Streun findet in der Brockenstube im Liebefeld einen Damenschuh, auf den er den Schriftzug Lovefield malt. Er, der ansonsten am liebsten in seinem Atelier Leinwände bemalt, wagt es, den Quartiersbäcker Lanz dazu zu ermutigen, Lovefield-Süssigkeiten herzustellen. Und, er komponiert mit der Grundfläche des Liebefelds digitale
Mosaike. Weiter zerstückelt Streun alte Werke in kleine Quadrate und setzt diese – digitalen Pixels ähnlich – zu einem neuen Selbstporträt zusammen. Dazu notiert er: «Das Zerschneiden der alten Bilder ist auch ein Loswerden, Loslassen, eine Erleichterung – und doch entsteht etwas Neues damit.»
Mal was anderes und Dinge tun, die er sonst eher kaum tun würde. Das ist sein Motto – und so lädt Michael Streun seinen Namensvetter zu sich ins Gepard14 ein. Zwei Männer, eine Installation: der Maler Michael Streun trifft den Bestatter Michael Streun. Mal was anderes. Auch fabuliert er einen Tag lang mit seinem Freund, dem Berner Geiger Simon La Bey, über Gedichte, wodurch sich der Musiker zu einem Lovefield-Lied inspirieren lässt.

Mal was anders tun, war ein Teil – mal was anderes malen der andere. Streun, ein Meister der Ölmalerei und des Porträts, malt Fanny aus der Erinnerung; ein Mädchen, in das er sich als Schuljunge verliebt hatte. Er malt seine Mutter Edith, als sie jung war. Er porträtiert Gianna, die Tochter von Lucyenne Hälg und Marco Giacomoni, die heute in einem ähnlichen Alter wie er damals ist. Streun lässt sie dafür den Schriftzug «Love» betrachten, als ob sich die Liebe erst entwickeln und auf dem Feld des Lebens ausbreiten würde. Mal was anderes. Er malt den Zweifel an sich, an seiner Arbeit. Und ein Selbstporträt mit einem clownesken Gesicht. Trägt er eine Maske? Zeigt sie eine bestimmte Facette? Wie ist sie befestigt? Wo beginnt sie und was würde er ohne sie preis- oder freigeben? Für «Mal was anderes.» hat der Kunstmaler Michael Streun zwar mal was anderes getan, und den Kreis von damals zu heute geschlossen. Jetzt sind die Türen für neue Experimente weit offen, und die weissen Leinwände in seinem Atelier warten darauf, weitere Geschichten von ihm erzählen zu dürfen. In seiner Ausstellung im Gepard14 ist allerdings weder einzig sein künstlerisches Können zu erkennen, noch begegnen wir hier einfach nur dem kreativen Ausdruck einiger seiner Erinnerungen oder dem Sichtbaren eines inneren Prozesses.

«Mal was anderes.» lässt fühlen, was Kunst kann und tut: Sie wirkt emotional, löst Fragen aus, erheitert, verbindet, inspiriert, verführt zu eigenen Gedankenreisen, lässt Staunen und regt zum Nachdenken an. Deshalb möchte ich – auch im Namen aller Künstlerinnen und Künstler, die ihrer inneren Bestimmung folgen, sich leiten lassen, auf vieles verzichten und sich dafür einsetzen, die Welt mit den Sinnen zu beflügeln und auf Dinge aufmerksam machen, die dem Verstand verborgen bleiben – den Abschluss der Einführung für «Mal was anderes.» dem Dank widmen: dem Dank an die Kunst. Gerade die aktuelle Situation in Frankreich verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig die Freiheit, die Kraft und die Sprache der Kunst sind – jetzt erst recht!

Einführung in die Ausstellung «Mal was anderes.»

durch Franziska Streun, Autorin / 9. Januar 2015

 

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