gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

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Lisa Jenny

AUCH AUS BAUCH


Eine Aufstellung mit

Blechbüchsen Astgabeln Tonfiguren

Klang + SingSangSung


Sonntag 17. September 18Uhr  

SingSangSung : Balts Nill (Perc)

Lisa Jenny (Büx) : Barbetrieb


Sonntag 24. September 18Uhr

SingSangSung : Lukas Briner (Perc)

Sebastian Rotzler (Kb)

Lisa Jenny (Büx) : Barbetrieb



Vernissage Freitag 6. Oktober 18Uhr  

SingSangSung mit allen Anwesenden

 

Öffnungszeiten: Samstag 7.Oktober

Sonntag 8.Oktober 2017 15-18Uhr

Die Künstlerin ist anwesend



Lisa Jenny arbeitet als bildende Künstlerin und Performerin. Es sind immer Gefühlsbilder, die sie zeigt. Es interessiert sie, dem Ambivalenten, Tragisch-Komischen, manchmal auch dem Langweiligen bildnerisch, körperlich und neu auch musikalisch einen Ausdruck zu geben.

Ein müdes Schaf geht in den Wald spazieren. Es begegnet einer kleinen Astgabel. Die legt sich ungefragt auf das Schaf. So gehen sie zu zweit weiter. Es gesellen sich noch andere skurrile Figuren mit Astgabeln und Stecken dazu. Eine Blechbüchse ist auch dabei. Sie pilgern gemeinsam ins gepard14 und installieren sich dort und vermehren sich noch.

Die Blechbüchse ist ein bisschen einsam. Sie fällt auf den Boden und merkt, dass sie tönt. Sie sucht Spielkameraden und findet drei Musiker, die mit ihr improvisieren. Sie nennen das SingSangSung.

 

Flyer als PDF

 

Über Lisa Jenny

Geboren 1954 in Gümligen. Erste Gehversuche in braunen Halbschuhen.
Vorkurs der Kunstgewerbeschule Bern absolviert und kurz und bündig Dekorateurin gelernt.
Erste Versuche, meine Wahrnehmungen, was in mir und um mich geschieht, in freier Malerei und in Objekten umzusetzen.
1980-2005 diverse Einzel- und Gruppenausstellungen.
Von Theater und Performance angezogen, bildete ich mich in dieser Sparte in Bern, Basel und Amsterdam weiter.
1981-2005 arbeitete ich u.a. mit Luciano Andreani an Theaterperformance-Projekten, mit denen wir in der ganzen Schweiz auftraten, zum Beispiel „Das grösste Herzglühen aller Zeiten“, „Sinnlos Stier“, „Das letzte Pferd“.
2006 verspürte ich den Wunsch, meinen eigenen Körperbildern, Bewegungen und Texten zu folgen. Daraus entstand „Haut Haar und Huhn“, ein Solostück mit Live-Musik von Martin Hägler. Ich trat mit verschiedenen Performances an privaten und öffentlichen Anlässen auf.
2011 verspürte ich wieder einen Wunsch. Es trieb mich hinaus auf Plätze, Strassen, Parks. Allein oder in Begleitung des Tänzers Oleg Kaufmann setzte ich Fragezeichen, Farbtupfer, Leberflecken in den öffentlichen Raum. Das Projekt, das ich weiterverfolge, heisst „Raus aus Haus“.  Es wurde zweimal mit Stipendien des Kantons Bern unterstützt.
Im Januar 2017 realisierte ich mit Gruppen von ca. 10 Leuten Umzüge und Tänze mit ausrangierten Tannenbäumen durch die Berner Innenstadt – einem Brauchtum ähnlich.

Der Aufenthalt im „Gepard“ gab mir die Gelegenheit, mich neuen Erfahrungen auszusetzen. Was geschieht,  wenn ich nach all den Aktionen im öffentlichen Raum, ‚ausser Haus’,  wieder ‚ins Haus’ hinein gehe und mich im Innenraum neu entdecke? Ich wurde mit starken Gefühlen konfrontiert.
Seit Jahren sammle ich Stecken. Sie haben für mich etwas Archaisches. Ich trug sie in den „Gepard“.  Einige hatten mich schon in Performances begleitet. Dazu gesellten sich Tonfiguren, die ich im Vorfeld für „Gepard“ geformt hatte, und zu denen hier weitere hinzukamen. Für mich sind es kleine Seelenwesen. Erde und Steine aus Schuttmulden im Quartier animierten mich zu Installationen mit den Stecken. Aus den verschiedenen Elementen bildete sich im Lauf der Zeit im Raum ein neues Ganzes.
Und wieder erwachte ein Wunsch. Seit zwei Jahren befasse ich mich mit improvisierter Musik. Ich nutzte die Gelegenheit und genoss das Experiment, meine Musik mit drei verschiedenen Musikern in meiner Raum-Installation vor Publikum zu spielen.

Da ich gemerkt habe, dass die Stecken und Stecklein das verbindende Thema der Ausstellung sind, gebe ich als Abschluss allen Anwesenden einen Stecken in die Hand – für eine ritualartige Aktion. Was hat das für eine Wirkung?

 

Ein Raunen für Lisas Raum


Woher kommen die Geschichten?

Gepard war da

Aus dem Wald

in den Bauch.

Kracht durchs Dach

ins Haus.

Hüte dich!

Hüte, was da kommt zu dir!

Gepard war da

Mit allem Möglichen.

Auf leisen Pfoten.

Aus dem Erd-Innern

in die Erinnerung.

Aus den Wurzeln

in die Hand.

Gepard war da

Stecken schleppen

Schaufeln Schütteln Sand.

Gott spielt Kind

Kind Hexenmeister.

Wesen fallen ein

treiben allerhand



Woher kommen die Geschichten?

Gepard war da

Aus dem Schlund

aus dem Wund.

Wilde Bilder im Mund.

Leckt sie rund.

Dazu Ohren spitzen

durch die Ritzen.

Gepard war da

Ging am Stock.

Auch in der Luft!

Lag  flach

Lachte

Sang

Mit Büx und Biss

Spielte

Spielt mit dir mit mir

Gepard kommt

Woher?

Die Geschichten kommen daher!


                            Anna Stüssi

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Fredie Beckmans

 

Waldlust



Vernissage: Freitag 18.August 2017 18Uhr

Einführung durch Dr. Bernadette Walter


Öffnungszeiten: Samstag 19.August 15-18Uhr

                Zwecklose Wanderung ab 15 Uhr

                Sonntag 20.August 15-18Uhr

 

Waldlust

Für viele Künstler ist der Wald ein Ort der Reflexion und Quelle der Inspiration, aber auch ein “sich Fragen nach dem Zweck aller Dinge“. Was passiert mit dem Wanderer, wenn er im Wald wandert, an der Grenze des Wanderns und sich Verirrens. Welche Sinnesorgane öffnen sich, dass man sich selbst nicht verliert. Wie funktioniert eine offene Stelle im Wald? Was geschieht mit uns am Rande des Waldes?
Der Wald droht, er streichelt, er füttert und bietet Schutz. Welcher ist der Platz des Menschen im Walde?
Zum Glück hat der Niederländischer Künstler Fredie Beckmans eine Antwort gefunden. Während er im Walde den singenden Vögel zuhört und sich über die Farbenpracht der Pilze erstaunt, wandert er zwecklos herum. Das zwecklose Wandern begeistert ihn am meisten. Im gepard14 wird Fredie Beckmans im Monat August seine rastlose Begeisterung für den Wald und alles was sich dort tut in eine bunte Mischung von Bildern und Objekten präsentieren und Zwecklose Wanderungen in der näheren Umgebung veranstalten.

 

 

Einladung als PDF

 

Fredie Beckmans – Waldlust, gepard 14, Liebefeld

«Die Poeten, das ist sicher, lieben den Wald, die Maler auch, das ist ebenso sicher, und alle braven Menschen, besonders aber Liebende», Robert Walser


Letzten Samstag traf ich Fredie Beckmans hier in der Galerie, um mit ihm über seine neue Ausstellung zu sprechen: Einiges hing bereits an den Wänden, wie etwa die Vogelhäuschen, die Herbstblätter oder die Feldstecher. Anderes war erst im Entstehen begriffen, wie die Waldzitatbilder. Und dann waren da noch die verschiedenen Koffer im Raum stehend, die ebenfalls Werke enthielten. Es sind Koffer, die der Stadtnomade an seinen vielen Wohnorten jeweils zwischenlagert und beim Wiederkommen hervorholt. Die darin verstauten Arbeiten deutet er um, entwickelt sie weiter oder braucht sie als Träger für neue. Beckmans ist Aktionskünstler, Maler, Fotograf und – über die Sprachgrenzen hinweg – Dichter, womit sein künstlerisches Spektrum umschrieben werden kann – er ist aber auch Geschichtenerfinder, ein Ideen- und Wortsammler, was seine künstlerische Vorgehensweise des stetigen Neuinterpretierens umschreibt.

Wie durch solche Umdeutungen neue Ebenen entstehen können, ist zum Beispiel in der Arbeit mit den 21 farbigen Linden- und Eichenblätter nachzuvollziehen. Fredie Beckmans lebte mehrere Jahre im Atelier Robert in Biel und hat sich dort intensiv mit den Arbeiten der verschiedenen Protagonisten der Bieler Malerfamilie auseinandergesetzt. Neben den Pilzstudien und -aquarellen von Paul-André Robert oder den Vogeldarstellungen von dessen Vater Léo-Paul Robert beschäftige er sich mit Philippe Robert, einem dem Jugendstil verpflichteten Künstler aus derselben Familie. 1909 veröffentlichte Philippe Robert ein Vorlagewerk mit Herbstblättern, das Kunstschaffende und Laien anregen sollte, totes Laub in stilisierter Form als Gestaltungselement für Tapeten oder Keramik zu verwenden. Es ist aber nicht der einzige Bezug, den Beckmans schafft. Der Künstler erzählte mir die Geschichte von Philemon und Baucis aus den Metamorphosen von Ovid: Auf ihrer Wanderung durch ein Dorf war es einzig das alte Ehepaar, das Zeus und seinem Sohn Hermes Unterkunft gewährte. Als Dank für die Gastfreundschaft hatten die beiden einen Wunsch übrig und sie baten die Götter, – noch immer verliebt – gleichzeitig sterben zu dürfen und sich niemals trennen zu müssen. Am Ende ihres Lebens verwandelte sie das Paar in zwei Bäume: Philemon zu einer Eiche und Baucis zu einer Linde.

Philippe Robert und Ovid sind nur zwei mögliche Inspirationsquellen des Künstlers. Mit teils spontaner Bedeutungsaufladung seiner Werke reagiert der Künstler auf gegenwärtige Vorkommnisse. Nach der Lektüre des Artikels in der Zeit «Die Nachmacher. Hundert Jahre nach dem Konzeptkünstler Marcel Duchamp kopieren andere seine Ideen. Daran offenbart sich auch der Burn-out des Kunstmarkts» benennt er die Arbeit kurzerhand um. Dem ursprünglichen Titel «Eiche und Linde » fügt er noch «Im Walde Duchamps» an. Augenzwinkernd schafft er damit einen neuen Bezug und reagiert auf die Mechanismen eines übersättigten Kunstmarktes. Ready-Mades im Geiste Duchamps lassen sich zurzeit gut verkaufen und natürlich würde er gerne von diesem Hype profitieren, meinte er ironisch im Gespräch.

Beckmans bezeichnete sich selbst einmal als einen spätgeborenen Dadaisten. Vielleicht ist er dies am ehesten in seiner Geisteshaltung des ständigen Hinterfragens von tradierten Lesarten. Auch wenn er viele seiner Aktionen «zwecklos» nennt, sind sie alles andere als sinnfrei. Denn mit Nonsens hat seine Kunst mitnichten zu tun. Morgen Samstag bietet Beckmans eine «zwecklose Wanderung» in der Umgebung der Galerie an. Die Feldstecher an der Wand stehen bereit, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer damit auszustatten. Aber das Accessoire aus Karton ist funktionslos und dient einzig als Symbol, um die Naturbegeher zu animieren, ihre eigenen Sinne zu öffnen. Beckmans begleitet diese Wanderungen jeweils gut vorbereitet und rezitiert unterschiedliche philosophische und literarische Texte. Alleine schon das Nichtauffinden der im Titel der Veranstaltung angekündigten Pilze, Vögel oder Pflanzen führt zusammen mit den vorgelesenen Zitaten zu einer anderen Naturwahrnehmung.

Ihn selbst interessiert die Vielfalt der Natur, in der er als Ideensammler unterwegs ist. Auf der zweiten Laubblätter-Arbeit in der Galerie umschreiben Zitate seine Vorgehensweise: Alles wird erfasst und reflektiert – so absurd ein Einfall auf den ersten Blick erscheint, möglicherweise kann er Basis sein für eine künstlerische Umdeutung. Ist ein Thema gefunden, erarbeitet er es fast schon in wissenschaftlicher Akribie. So war es etwa sein Ziel, auf der St. Petersinsel im Bielersee eine Jahrhunderte alte Lücke in der Botanik zu schliessen. Als der französische Aufklärer und Philosoph Jean-Jaques Rousseau 1765 vor seinen Widersachern auf die Insel flüchtete, erfasste er die Pflanzen der Insel, vergass aber die Pilze. Beckmans inventarisierte diese mit dem Fotoapparat und notierte deren Fundorte auf wandfüllenden Zeichnungen. Auch die hier gezeigten Vogelhäuschen entstammen der Idee, ein Kompendium der einheimischen Vögel zu erschaffen. Die Exaktheit durchbricht er jedoch mit poetischem Hintersinn – den auf einzelnen Häuschen versammelt er die ornithologischen Bezeichnungen, die in der Umgangssprache eine andere Bedeutung haben – wie Aasgeier – oder benutzt sie als Basis für neue Schimpfwörter.
Auch hier im gepard 14 kombiniert Beckmans Sprache und Bilder miteinander und schafft durch ihre unerwartete Verbindung neue Sinnzusammenhänge, die auf den ersten Blick irritieren und dann zum Nachdenken animieren. Denn, kann ein Steinadler tatsächlich auch ein Turteltäubchen sein?

Bernadette Walter
 

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Renata Bünter


An manch einem Tag ist der Strich ein anderer


Vernissage: Freitag 2.6.2017 18Uhr

Einführung durch Susanne Schneemann


Öffnungszeiten: Samstag 3.6.und

                Sonntag 4.6.2017 15-18Uhr

               

Renata Bünter ist Bildhauerin, Zeichnerin, Autorin und Videokünstlerin. Den unterschiedlichen Medien gemeinsam ist das zentrale Thema der Erinnerung – immer wieder werden Bilder dazu evoziert, mit den Mitteln der Skulptur, der Sprache, der Fotografie, in Zeichnungen oder Videos. Eng verbunden mit der Erinnerung sind autobiografische Sujets. Bünter schafft Zeit- und Erinnerungsbilder, die manchmal Dokument-Charakter erreichen. Das Flüchtige, Fragile ist typisch für ihre Arbeitsweise. Versatzstücke werden angeboten, Hinweise gelegt, doch vieles bleibt bewusst in der Schwebe.

Im gepard 14 zeigt sie eine Auswahl neuer Arbeiten und es findet die Uraufführung des Videos „Freitag“ statt, die fünfte von sieben Arbeiten der Reihe "sieben Tage", die 2012 begann.

 

 

 

Renata Bünter, "An manch einem Tag ist der Strich ein anderer"

Der weisse Ring im Eingang der Ausstellung ist eingehüllt in Gipsbinden, deren unregelmässige Bruchstellen die Idealform stören. Das schwarze "Schwergewicht" im zweiten Raum entpuppt sich als fliegengewichtige Skulptur, die ihr Gleichgewicht durch ein aufgelegtes Gestänge mit flatternden Plastiktüchern vollends zu verlieren droht. An der Längswand schwebt ein goldener Stab, der in einem vornehmen kardinalsroten Sockel steckt, dessen Prunk sich beim näheren Betrachten als billige Goldfolie und einem rot eingefärbten Stück Schwamm unwiderruflich und vollständig auflöst. Das Video im letzten Raum trägt den Titel "Freitag" und sie haben als Besucher heute das Vergnügen, der Uraufführung beizuwohnen.
Wenn ich sie heute in die kurze, weil nur 2 Tage dauernde Ausstellung einführe, ist es nicht meine Aufgabe, Ihnen das künstlerische Programm Renata Bünters zu erläutern und es liegt mir fern, die Exponate unter einen künstlerischen Nenner zu subsummieren. Was ich ihnen anbieten möchte, ist ein Lektürevorschlag. Und deshalb werde ich zu einem kleinen Exkurs ausholen:
Den goldenen Löwen der Biennale von Venedig gewann 2016 die Ausstellung von Anne Imhof im deutschen Pavillon. Es war eine über fünf Stunden dauernde Performance (ich habe sie über eine Stunde verfolgt) und sie war überzeugend. Eine Gruppe Jugendlicher choreographierte sich, hetzte durch die drei Räume. Sie sprangen von den Gesimsen und sie krochen unter dem eingezogenen Glasboden neben- und übereinander. Aggression lag in der Luft, Fäuste wurden geballt, Opfer gesucht und Täter gefunden. Ringsum verstreut lagen Matten auf dem Boden, Wattebausche und Feuerzeuge waren bereit gelegt, Seifenstücke aufgereiht und ein Feuerwehrschlauch ruhte schlaff in einer Ecke. Im Zwinger vor dem Pavillon heulten schwarze Dobermänner. Es wurde einem als Betrachter mulmig zumute (Kanophobie).
Nun, was hat das alles mit der Ausstellung von Renata zu tun? Mich hat an der Arbeit von Imhof ein Punkt besonders interessiert, der zunächst als eine Art Randnotiz zu bezeichnen wäre, aber dessen Wirkungspotenzial beachtlich ist. Imhof legte diverse Gegenstände aus, die an und für sich wenig beängstigend sind, aber in dem besonderen Zusammenhang der Performance mit dem sprechenden Titel "Faust" fast zu Tode erschreckten. Die Künstlerin gab eine Syntax vor und der Besucher konstruierte sich daraus eine eigene Erzählung. Das Werk begann zu sprechen und das nicht nur in Bildern, sondern interessanterweise in Geschichten, die sich im Kopf abspielten.
"An manch einem Tag ist der Strich ein anderer". Renata Bünter schreibt auf ihrer alten Brother Deluxe 660 TR-Schreibmaschine Satzfragmente, sie baut Skulpturen, die wider die Schwerkraft operieren, sie zeichnet mit schnellem Strich oder in höchster Auflösung Bleistiftpünktchen und formiert damit Räume und Gestalten und sie dreht Experimental-Filme. Bünter bietet dem Betrachter Teile ihres Vokabulars an. Und dieses Vokabular ist weder unmittelbar verständlich noch ist es dazu geeignet, die Werke gleich Bilderrätseln aufzulösen.
Was erzählen die Skulpturen in der Ausstellung? Warum hängt in der Ecke am Fenster eine blaue Plastikschnur? Und was bedeuten die Tierchen oder Gestalten, die direkt auf die Wand gezeichnet sind?  Schon fast dankbar blicke ich auf die blaue Folie in der Telefonzelle vor der Galerie, die mir in dieser Ausstellung so bekannt erscheint. Hier spricht das Werk für mich eindeutig. Ich denke an das Meer, hier antizipiere ich den Satz: "an manch einem Tag ist der Strich ein anderer", natürlich ist damit der Horizont des Meeres gemeint - aber wieso eigentlich ein anderer? Ein Horizont ist doch ein Horizont oder nicht? Oder ist das Meer hier gar nicht gemeint?
Obwohl Renatas Kunstwerke allein durch die verwendeten Materialien und Objekte sehr realitätsnah erscheinen, bedingt durch die Materialtreue - Plastik bleibt Plastik, Schnur bleibt Schnur, Papier bleibt Papier - wohnt den Werken eine Poesie inne, die schwer zu bestimmen ist. Im Film "Freitag", dem vorletzten, eines 7-teiligen Filmprojektes (gefördert durch den Kanton Bern), weht ein grosses Leintuch auf einer Wäscheleine, sorgsam gehütet von einem jungen Mädchen; das gleiche Kind ist im oberen Teil des Filmes ruhend in einem Mehrbettzimmer zu beobachten. Das kalte Licht des Mondes fällt auf das mit weissem Bettzeug bezogene Nachtlager. Die präzise Kameraeinstellung, die Perfektion der Lichtregie, aber auch die gemalte Kulisse, ziehen den Zuschauer in ihren Bann. "But what about the story" hiess es bei den Kollegen aus Renatas Filmteam? Was passiert denn hier, wann passiert denn etwas?
Das Reale wird in neue Zusammenhänge gesetzt. Und mit dem Aufbau oder dem Umbau ergeben sich ganz unterschiedliche Sinnzusammenhänge, so wie ein Satz der durch Inversion einen neuen Sinn oder eine neue Färbung erhält: "An manch einem Tag ist der Strich ein anderer"; "Der Strich ist an manch einem Tag ein anderer"; "Ein anderer ist der Strich an manch einem Tag". Es ist eine Konfrontation zwischen der Sprache der Künstlerin und der Sprache des Betrachters, die Renata Bünter aufbaut, ohne sie harmonisch aufzulösen. Hier ist keine vermittelte Didaktik, die für Verständnis sorgt, um ein Kunsterleben zu garantieren oder schlimmer noch zu optimieren. Und die Künstlerin geht dieses Risiko ein, das Risiko zu Scheitern. Und sie kann doppelt scheitern: Nicht allein am Unverständnis des Betrachters, sondern auch an der Konstruktion der Werke. Das nur Angelehnte kippt, das Gestützte bricht, das Gehängte fällt, dem Film fehlt die story.
Es bleibt der ernsthafte Dialog. Die Künstlerin formuliert mit dem Material, entwirft nie Gesehenes, das Werk richtet sich an den Betrachter, der Betrachter versucht, die Arbeit zu lesen. Unserer Erfahrung stellt Renata Bünter die eigene Erfahrung, unserer Erinnerung stellt sie die eigene gegenüber. Die Künstlerin bietet uns Worte, die wir schon gesprochen, Begriffe, die wir schon gehört, Materialien, die wir schon gesehen und Gegenstände an, die wir schon gefunden haben. Die Diskrepanz sprachlicher Eindeutigkeit und künstlerischer Mehrdeutigkeit bleibt unversöhnlich. Die Enttäuschung aber weicht der Erkenntnis, dass das Bekannte immer noch das Unbekannte impliziert. In dieser Gemengelage wird die Poesie zur Vermittlerin. Sie ist der Mehrwert, der den künstlerischen Dialog auszeichnet. 

Text: Susanne Schneemann

 

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Caroline Singeisen

Tagträume


Vernissage: 31. März 2017, 18:00

Öffnungszeiten: 1./2. April, 15:00–18:00

 

 

Mich interessiert die Begegnung mit der Leere des Raums. Was passiert, wenn ich mich im leeren Raum aufhalte? Welche Bilder tauchen aus der Leere auf? Störe ich die Leere? Kann der Raum überhaupt leer bleiben? Während zwei Monaten entstehen im Raum von gepard14 Zeichnungen, Notizen und Bewegungsimprovisationen.

 

 

Zu folgenden Veranstaltungen bist du herzlich eingeladen:


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Samstag, 18.Februar 2017, 15 Uhr:
Schreibmaschinentreffen mit Julia Schuler und Caroline Singeisen
Komm und nimm deine Schreibmaschine mit zum grossen Tastengeklapper!

Ein langes Papierband wird durch eine beliebige Anzahl Schreibmaschinen hindurchgeführt. Die  Schreibmaschinen werden dadurch miteinander verbunden. Die beiden Enden des Bands werden zusammengeklebt, so dass ein Loop entsteht und alle beteiligten gleichzeitig auf das gleiche Stück Papier einwirken können.
Das Resultat ist sekundär, wer Lust hat, dieses Experiment auszuprobieren, ist herzlich dazu eingeladen.

 

 

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Samstag, 11. März 2017, 15 Uhr
Instant Composition mit Katharina Wüthrich und Caroline Singeisen

Tanzimprovisation zum Mitmachen für Gross und Klein, für alle, die Lust auf Bewegung haben. Tanzerfahrung ist nicht notwendig!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NOTIZEN ÜBER TAGTRÄUME – EINE AUSSTELLUNG VON CAROLINE SINGEISEN

VON RAHEL BUCHER, 4.3. - 29.3.2017


Caroline Singeisen
Tagträume
"Mich interessiert die Begegnung mit der Leere des Raums. Was passiert, wenn ich mich im leeren Raum aufhalte? Welche Bilder tauchen aus der Leere auf? Störe ich die Leere? Kann der Raum überhaupt leer bleiben?" Während zwei Monaten entstehen im Raum von gepard14 Zeichnungen, Notizen und Bewegungsimprovisationen.
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Eine Hand greift in die Leere
packt zu und
wirft mit Fülle um sich


Am Anfang der Raum und seine Leere.
Und der Wille aus dem Nichts anzufangen.

Nichts kann man nicht an einem Punkt festmachen. Von wo also starten?

Da ein Schnipsel, dort ein Klavier.
Nun wird erst einmal so richtig gewischt.
Die Spuren von vorher über neue Pfade legen.
Abriebe von der Materialität.
Sie strukturieren das Papier.


Die Sprossen der Leiter
legen sich wie ein Gerippe
auf das weisse Papier


Leerstellen wie
blühende Blumen
im Schneefeld


Sich auf der Höhe der Blüte
dem Welken hingeben
eine Umarmung mit
der Vergänglichkeit


Es brennt Regenbogen
dir Löcher mitten ins Herz


Gefahr von rechts
Gefahr von links
alle zeigen ihre Stachel
um sich
vor sich selbst
zu schützen

Ich streichle dein Stachelkleid.


Unkenntlich für die Anderen
die Gleichen
mit dir
nicht gleich


Durch dich durch
nichts das mich hält
an dir dran
nimmst du mich mit


Vier Enden
ohne Ende


Der Zufall ist die Richtung.


Die Welt ausbalancieren.


Zum Tagträumen

Gedanken, von denen man sich tagsüber treiben lässt und die man absichtlich in die eine oder andere Richtung lenken kann, aber nicht muss.

Fragmente zwischen Wach- und Schlafzustand.



Tagträume entspringen der realen Fantasie.
Oder wie viel Realitätssinn haben Tagträume?

Platz für das Unfassbare schaffen
Tagträume heraufbeschwören

Können Tagträume materialisiert werden, wenn sie doch nicht fassbar sind?

Ergeben Tagträume Geschichten?

Brauchen Tagträume Struktur?
Oder geben sie Struktur?

Kann man für andere tagträumen so wie beten?

Sind Tagträume eine Bereicherung oder eine Belastung?

Tagträume brauchen Wendepunkte und leben vom Halb-Wachzustand.



Wendepunkte sind wichtige Momente im Schaffen von Caroline Singeisen. Sie lenken den Schaffensprozess in eine andere Richtung weiter und ermöglichen Begegnungen zwischen Verstand und Intuition, zwischen Materialien und Figuren, zwischen konkreten Geschichten und abstrakten Bildern, zwischen Menschen und Menschen und zwischen Menschen und ihrem Werk. Statt sich in der Leere abzuschirmen, sucht sie von Anfang an die Einbruchstellen mit dem Aussen, vermischt sie mit inneren Bildern und schafft aus dieser Verdichtung eine Form, deren Eigenleben sich verselbständigt.


Das Aussen reinkehren
Innen der Mut zum Fehlerhaften
Unfertigen 

 

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Caroline von Gunten

strawberry blush


Vernissage: 27. Januar 2017, 18:00

Öffnungszeiten: 28./29. Januar, 15:00–18:00

 

 

Die künstlerische Arbeit von Caroline von Gunten kreist um Fragen des Übergangs von Körperlichkeit in räumliche und zeitliche Dimensionen. Sie ist daran interessiert, wie sich der Mensch in Raum und Zeit bewegt, sei es im Spannungsfeld zwischen Architektur und Landschaft, Orten und Nicht-Orten. In ihren Zeichnungen, Collagen und Installationen versucht sie den Blick durch Verschiebungen und Irritationen auf die kaum wahrnehmbaren Spuren zu lenken, die diese Bewegung hinterlässt.Caroline von Gunten legt den Fokus ihrer Arbeit auf die Thematiken Zeit, Realität und Fiktion. Das andeuten von narrativen Elementen dient dem nachgehen von kollektiven Erfahrungen und Bildern.



 

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immergrüner Formschnitt

Triebe die ungeschnitten bleiben wollen

kombiniert nach Art der Schlossgärten in früheren Jahrhunderten

als «Garten im Garten»
 
Rückschnitt


Der Igel und der Buchs

Eine Unterkunft finden, unbedingt, denn der Winter sollte bald da sein, Zeit für den Winterschlaf. So machte er sich auf zu seinem früheren Nest, einem Haufen alter Äste und modrigen Laubs. Sein Geburtsort. Doch Geschwister und andere Verwandte waren schon vor ihm da. Alles besetzt. Ihm blieb nichts anderes übrig als weiterzuziehen.

Da begegnete er dem Hasen, dem er von seiner Suche erzählte. Der Hase bot ihm an, sein Erdloch mit ihm zu teilen, so machten sie sich auf zum Hasenbau. Eng war es dort, so eng, dass sie sitzend kaum Platz hatten. Als sie versuchten sich hinzulegen, stach sich der Hase an den Stacheln des Igels. Sie versuchten es nochmals, aber egal wie sie sich anstellten, jedes Mal wurde der Hase gepikst. Nichts zu machen, der Igel musste weiterziehen.

Da begegnete er dem Eichhörnchen, dem er vom Asthaufen und vom Hasenbau erzählte. Das Eichhörnchen bot ihm eines seiner Nester an, denn es hatte mehrere, weshalb es die Stacheln des Igels nicht zu fürchten brauchte. So machten sie sich auf zum Nest des Eichhörnchens, aber als dieses den Baum hoch kletterte, um dem Igel zu zeigen, wo er schlafen könne, blieb dieser hilflos unten stehen, denn er konnte nicht klettern. Was sie auch versuchten, der Igel gelangte nicht bis zum Nest und er musste weiterziehen.

Da begegnete er der Maus, der er von seinem Problem erzählte. Die Maus bot ihm einen Schlafplatz in ihrem weit verzweigten Mäusebau an, denn um in seine vielen Höhlen und Gänge zu gelangen, musste der Igel nicht klettern können. So machten sie sich auf zum Mäusebau. Aber als der Igel versuchte dort hineinzugelangen, merkte er, dass er zu  gross war für den schmalen Schacht. Wie er sich auch anstellte, es gelang ihm nicht, den Mäusebau zu betreten und so musste er weiterziehen.

Da begegnete er dem Spatz, dem er von seinem Leid erzählte. Der Spatz konnte ihm zwar keine Höhle anbieten, wusste aber, wo eine freie zu finden war: Der Fuchs hatte nämlich verschiedene Höhlen, von denen er nicht alle benutzte. So machten sie sich auf zum Fuchs. Aber dieser wollte dem Igel keine seiner Höhlen überlassen und jagte ihn davon.

Da musste der Igel weiterziehen. Er hatte Wald und Hecke lange hinter sich gelassen, als er in der Ferne blinkende Lichter sah. Der Herbstwind blies kalt über das gemähte Feld und der Boden war gefroren vom Frost, der Igel lief auf die Lichter zu. FANTASIA WORLD. Staunend stand er vor einem Zaun, hinter dem sich Schienen durch die Luft wanden und in Bergen verschwanden, Palmen neben Tannen an riesigen Tümpeln standen. Auf dem Wasser schwammen reich verzierte Boote in Schwanenform. Überall blinkten farbige Lichter. Der Igel kroch unter dem Zaun hindurch und marschierte in Richtung JAPANISCHER GARTEN. Das sah mit seinen breit verstreuten Steinhaufen und den hell rosa leuchtenden Kirschblütenbäumen vielversprechend aus. Doch bald merkte er, dass alles nur eine Mischung aus Glasfaser, Beton, Epoxidharz und Buntlack war. Die Lichter eiskalt. Hier war kein Unterschlupf zu finden. Völlig erschöpft setzte sich der Igel unter eine Parkbank und weinte.

Da landete der Kauz neben ihm auf der Bank und fragte, warum er denn so traurig sei, worauf ihm der Igel von seinem Schicksal erzählte. Der Kauz schüttelte den Kopf und riet dem Igel, sich seinen Schlafplatz selbst zu bauen, statt darauf zu warten, etwas Passendes zu finden. Dann flog er davon.

Der Igel blickte um sich und überlegte, womit er denn bauen könnte an diesem Ort aus Kunstlicht ohne richtige Steine und echtes Holz. Da fiel ihm ein Buchsbaum auf, der in der Mitte des Rasens stand. Er hatte die Form eines Igels. Als er in sein dichtes Gehölz kroch, fand er eine Schere am Boden. Nun wusste der Igel, was zu tun war: Er packte dir Schere und begann, sich seine Unterkunft selbst zu gestalten. Zuerst schnitt er Tür und Fenster ins Gebüsch, die man gut verschliessen konnte, damit die Zugluft nicht mehr in seine Wohnung kam. Dann schnitt er sich ein weiches Bett mit Decke und Kissen, die er mit Schnittlaub füllte, damit sie warm und kuschlig wurden. Und schliesslich schnitt er noch einen Tisch mit einer Schale. In diese legte er die letzte Erdbeere der Saison, als Vorrat, falls er während des Winterschlafs einmal erwachen sollte.

Als er mit allem fertig war, legte sich der Igel in sein neues Bett, schlüpfte tief unter die Decke und warf einen letzten Blick auf die Erdbeere. Dann schlief er friedlich ein.

 

Klärung
immer wieder missachtet

Details der künstlerischen Existenz
und veraltete Selbstverständlichkeit
zeigen Legenden zum Jetzt
durchwirkt vom Potential des Verheissungsvollen

Konzentration

auf Rahmenbedingungen

 

Ein Text von Yolanda Esther Natsch

zu strawberry blush

 

Gepard 14 Caroline von Gunten
strawberry blush
Die künstlerische Arbeit von Caroline von Gunten kreist oftmals um Fragen des Übergangs von Körperlichkeit in räumliche und zeitliche Dimensionen. Sie ist daran interessiert, wie sich der Mensch in Raum und Zeit bewegt. In ihren Zeichnungen, Collagen und Installationen versucht sie den Blick durch Verschiebungen und Irritationen auf die kaum wahrnehmbaren Spuren zu lenken, die diese Bewegung hinterlässt
Kann man einen Ort herstellen? Setzt sich ein Ort zusammen aus Kultur, Geschichte, Sprache, Emotionen und Sinnesbezügen, aus Mythen und Illusionen? Wie verhält sich ein erlebter Ort zu einem imaginierten Ort? Ist ein Illusionsort beispielsweise ein Feriendorf, ein Vergnügungspark, ein Filmset oder eine Mülldeponie? Mit diesen Fragen setzt sich Caroline von Gunten in ihrer Installation im Gepard 14 auseinander.
Die Installation strawberry blush lädt dabei den Betrachter, die Betrachterin ausdrücklich dazu ein sich zu setzten, Zeit zu verbringen und dabei seine Rolle als Betrachter zu verlassen.