gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

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Emilie Lopes Garcia

 

Sans Scrupules

 

Vernissage:
Freitag 16. März 2018  18Uhr
Performance der Künstlerin ca. 18.30Uhr

 

Öffnungszeiten:

Samstag 17. & Sonntag 18.März  

15-18Uhr


Die Künstlerin ist anwesend

 

Einladungskarte PDF

 

Emilie Lopes Garcia experimentiert, durchmischt und extrahiert die Essenz.
Nebengeräusche, Zwischenformen und flüchtige Gesten sind Inspiration um ihren Ideen Ausdruck zu geben. Sie spielt mit dem Empfinden von Grenzen und Kontrasten; dem schweren und der Leichtigkeit, verschwommenen Erinnerungen und Fragmenten von Gesten.
Diese im Raum inszenierten Formen werden vom Betrachter subjektiv interpretiert und neu empfunden. Das Triviale erhält so seinen Platz in einer möglichen Wirklichkeit.

Emilie Lopes Garcia hat einen Bachelorabschluss in Bildender Kunst der ECAV und einen Master in Kultureller Mediation der HKB
Sie arbeitet im Atelier Tramway, bei Fribourg.

 

 

 

Emilie Lopes Garcia – Sans Scrupules*


«Ohne Skrupel» öffnet ein weites Feld für spontane Assoziationen, von denen kaum eine den Kern des Interesses der Künstlerin in ihrer Arbeit treffen dürfte. Die Künstlerin hat, wie sie selber sagt, den hintersinnigen Titel mit einem gewissen Witz gewählt. Denn sie interessiert sich für den Ursprung des Ausdrucks, ganz anschaulich. Man stelle sich folgende Situation vor, wie sie jeder römische Legionär beim Marsch gekannt und gefürchtet haben dürfte: Wenn ein «scrupulus», ein spitzer Stein, beim Gewaltmarsch in die Sandalen geriet, ihn behinderte und so einen nachhaltigen «Eindruck» hinterliess.

Emilie Lopes Garcias Arbeiten umkreisen oft das gegensätzliche Begriffspaar: «Légèreté», Leichtigkeit und «Pesanteur», Schwere. Beim Aufenthalt im «gepard14» fokussiert sie sich auf die «Pesanteur» im Gegensatz zur «Légèreté», die sie jüngst in der Ausstellung «CLOUD Dancer» im Espace culturel du GYB in Payerne durchspielte. Dort zeigte sie eine komplexe Installation mit verschiedenen Projektionen und Sound, die drehende menschliche Körper aus ungewöhnlichen Perspektiven zeigte. Der Körper wurde fragmentiert und es gab keine klare Fokalisierung. Der Gesamteindruck des Körpers wurde aufgelöst. Zudem erzeugte dieses ständige, repetitive Drehen im abgedunkelten Raum mit einem leisen konstanten Grundton eine meditative, fast traumhafte Stimmung.

Aktuell gebraucht die Künstlerin den menschlichen Körper in seiner gewichtigen Präsenz, konkret den «Fuss». In der Zeit im «gepard14», welche den Charakter eines Atelieraufenthaltes hatte, arbeitete sie vielfältig; von Zeichnungen, über Fotografien, grossformatige Stichwortsammlungen bis hin zu Gussexperimenten. Die Gusstechniken waren eine ganz praktische Aneignung neuen Wissens, begleitet von der parallelen Lektüre passender Theorie. Einige Ausschnitte des Aufenthalts sind als Teil des Prozesses im Vorraum dokumentiert. Der Hauptraum wurde vom Experimentierfeld zum Ausstellungsraum, der sich entgegen der Arbeitszeit der Künstlerin entleert und gezielt aufgeladen präsentiert.

Das Prinzip der Spiegelung und Doppelung prägt den Eindruck. Die Künstlerin setzt auf den einfachen aber wirksamen Eingriff, die Mitte des Raumes an der Decke, am Boden, wie auch die beiden Träger umlaufend zu markieren. Dies teilt den Raum gleichmässig. Zugleich wird durch die Linie eine vertikale Ebene markiert und eine formale Verbindung zum Kreis in der Horizontalen aus abgeformten Plastiken von Füssen geschaffen. Die Plastiken in Schnellzement wachsen, mit den Fusssohlen nach oben, gleichsam aus dem dunklen Boden heraus. Diese Ausgangslage bietet die Bühne für die Performance der Künstlerin. Sie balanciert an der Vernissage auf den Zementfüssen. Belgeitet wird die vermeintlich klar strukturierte Ausgangslage von gezielten «Verschiebungen». So ist einerseits der Kreis der Plastiken schon an sich leicht versetzt im Verhältnis zur markierten Mittelinie. Anderseits nimmt Emilie Lopes Garcia ihre Performance mit einer Webcam auf, die mit einem Beamer verbunden ist, welcher sein Bild in eine Ecke des Raumes projiziert. Der Raum wird durch den fortgesetzten Verdoppelungs-Effekt ins Unendliche vervielfacht und bekommt eine neue Perspektive. Dieser temporäre Eingriff, der nicht zum Aufzeichnen dient, bildet gleichsam eine Brücke zwischen den Thematiken Spiegelung und Loop.

«Sans Scrupules» bleibt als Reflexion über die «Pesanteur» ambivalent. Wie vom Steinchen, das aus dem Schuh entfernt, nur einen Abdruck hinterlassen hat, bleiben vom «Auftritt» der Künstlerin auf der fragilen Unterlage nur Spuren. Gewisse Plastiken werden unter ihrem Gewicht zerbrechen. Analog wie bei «Ab- und Eindrücken» können wir nicht unmittelbar auf die Schwere schliessen, welche eingewirkt haben muss. Dasselbe Gewicht, welches durch die Negativform die Positive aus Schnellzement erst erschaffen hat, zerstört sie potentiell nun wieder. Im Gegensatz zu «CLOUD Dancer», wo die flüchtige «Légèreté» quasi während der ganzen Zeit durch die Projektionen generiert wurde, bleibt die vermeintlich solidere «Pesanteur» nur indirekt erkennbar. Die Brüche, die zutage treten, verweisen darauf, worum die Arbeit der Künstlerin immer wieder kreist: Sie schafft Situationen und Objekte, die sich bewusst an einem gewissen Punkt entziehen – die physisch wie auch psychisch nachklingen.

*«Scrupule est emprunté de scrupulus, un diminutif de scrupus, désignant une pierre pointue. Le scrupulus était donc une petite pierre qui, glissée dans une sandale par exemple, gênait la marche et empêchait d’aller librement. En passant du concret à l’abstrait, scrupulus en est venu à désigner un sentiment d’inquiétude, un embarras voire un remords qui interdit toute quiétude. Ce sens se trouve, par exemple, dans le Pro Amerino de Cicéron : « ex animo scrupulum evellere », « arracher de l’esprit un souci » ou, pour garder une expression figurée, « tirer une épine du pied ». Siehe dazu: http://www.academie-francaise.fr/scrupule-calcul-et-gravelle Stand: 2.3.2017; Abgerufen am 10.3.2018

Adrian Dürrwang

 

 

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Manuela Imperatori

 

Traum·Dialoge·Landschaften

 

Vernissage:
Freitag 26. Januar 2018  
Performance pünktlich um 19Uhr
Türöffnung um 18.45Uhr

 

Öffnungszeiten:

Samstag 27. & Sonntag 28.Januar  

15-17Uhr


Die Künstlerin ist anwesend

 

 

Manuela Imperatori (*1974) lebt und arbeitet in Bern. Ausgangslage für ihre Performances, Videoarbeiten und Zeichnungen sind einerseits der Körper im Bezug zu seiner räumlichen Umgebung und andererseits Sprache, Schrift und Stimme. Die Arbeiten entstehen oft direkt aus dem räumlichen Kontext und beziehen die Betrachter in das Geschehen mit ein. Manuela Imperatori studierte Tanz in London und Kunst an der Hochschule der Künste in Bern.


Einladungskarte PDF 


Ein paar Zeilen
Blick auf: Traum·Dialoge·Landschaften 

Schreibst du was? Nur ein paar Zeilen. Dein ganz persönlicher Blick auf die Arbeit der Künstlerin Manuela Imperatori. Ich sage zu. Drei Tage später laufe ich durch einen Regennachmittag zum Kunstraum gepard 14, Liebefeld/ Köniz, um mit Manuela Imperatori zu sprechen und einen Teil ihres Schaffens zu erleben. Ich betrete den mit weissem Papier ausgelegten Raum. Weisser Boden, weisse Wände, weisse Heizkörper. Dunkle Schatten unter den Augen der Künstlerin. Später wird der Boden mit schwarzem Papier bedeckt sein, sagt sie. Ich setze mich auf einen Stuhl und tauche ein in die Welt der Künstlerin, die jetzt mit ihrer Stimme, ihrem Körper, drei alten Kassettenrecordern und Papier zu arbeiten beginnt.

1

Sie formt Berge aus Papier.
Schiebt Landschaft aus der Fläche in die Höhe.
Es kracht im weissen Raum, als breche die Erde auf.
Sie drückt, sie presst, sie knetet, sie rollt, sie lässt die Felsen wachsen.
Ein Geräusch, als kratzt sich ein Berg den juckenden Rücken.

2

Haben Sie sich schon einmal Gedanken über die Schlafdauer einer kleinen Taschenmaus gemacht? *
Manuela Imperatori liest mit ruhiger Stimme vor. Ich sehe Taschenmäuse.
Kleine schlafende Taschenmäuse.
Kleine Taschenmäuse die in Taschen schlafen.
Hände, die in Taschen nach kleinen schlafenden Taschenmäusen greifen.
Kleine Taschenmäuse, die im Schlaf von Händen gestreichelt, von weichen Taschen träumen und schreiend erwachen, weil die Igelkatze* hungrig ihre spitzen Zähne in sie schlägt.

3

Atmen*
Die Künstlerin kniet auf Papier, den Kassettenrecorder im Arm. Sie drückt eine Taste. Fast berührt ihr Mund das sperrige Ding.
Sie atmet ein
Sie atmet aus
Sie atmet ein
Sie atmet aus
Sie atmet in den Kassettenrecorder
Sie haucht ihm Leben ein
Sie atmet aus
Sie atmet ein
Er speichert jeden Atemzug

4

Herr Buscetti war barfuss*
Ich spüre spitze Steinchen.

5

Grosse Expedition*
F:    Die Frau geht unter!
I:    Pst!
F:    Die Frau geht unters Papier! Hast du gesehen? Sie hat eine schwarze Kiste
      dabei!
I:    Das ist ein alter Kassettenrecorder.
F:    Was?! Guck mal! Die schwimmt unter dem Papier von der einen Seite des
      Raumes zur anderen!
      Sie taucht auf!
      Zum Glück!
I:    Pst!
F:    Guck mal! Dieser alte – was ist das?
I:    Hab’s dir doch erklärt.
F     Sie hat ihn noch!
I:    Pst!
F:    Er ist gar nicht nass geworden!


* Zitate/ Titel der Künstlerin Manuela Imperatori

Ruth Gundacker, Januar 2018
 

 

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