gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

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Claude Gigon

ANIMAL 


Einladung zur Vernissage
Freitag 28. Juni 2019 ab 18 Uhr

 

Vernissage der Publikation:
Animal von Claude Gigon
mit einem Text von Antoine Rubin
Edition Haus am Gern

 

Geöffnet am:
Samstag 29. Juni & Sonntag 30. Juni
15–18 Uhr

 

Einladung als PDF

 

 

Claude Gigon (*1960) ist Zeichner, Maler, Bildhauer und Performer wohnhaft in Delemont JU.

Mitgeprägt durch seinen Beruf des Confiseurs-Chocolatiers erschuf er unter anderem grossformatige Skulpturen und Reliefs aus Kakaobutter, die er im Musée Jurassien des Arts in Moutier zeigte, oder er erfand das Schachspiel Sweetblitz, bei dem die geschlagenen Figuren aus Schokolade von den Spielern aufgegessen werden. Im gepard14 beschränkt sich der Künstler auf die Auseinandersetzung mit der Kohlezeichnung, einem der ersten Bildwerkzeuge der Menschheit. Auf der Suche nach Intensität und Spannung, verlässt sich Claude Gigon auf seinen Instinkt, seine Intuition und auf seine lange Erfahrung mit dem Medium der Zeichnung. Das Zeichnen ist bei Gigon ein elementarer und körperlicher Prozess den er intensiv vorantreibt, bis ihn das Ergebnis überzeugt: Eine Linie wird zur Figur, eine Fläche erzeugt Raum, der Kohlestaub wird mit den Händen auf dem Papier modelliert und erhält so seine lebhaften Schattierungen. In seiner expressiven Bildserie „ANIMAL“ geht es immer um innere Zustände und Konfrontationen des Menschen mit seinen Traumbildern und den Beziehungen zu seiner Umwelt. Gigon begibt sich in sein Inneres, schöpft seine Bildwelten dabei aus dem Abgründigen und Triebhaften des Unterbewussten und transzendiert und verdichtet die Figuren zu Prototypen von Mischwesen, die mit ihrer Präsenz und ihrem Schalk durch seine Bilder zu uns sprechen.

 

 

Rencontre


Il faudrait peut-être regarder longtemps. S’arrêter.
Les dessins et les peintures de Claude Gigon ne font pas partie de ces banques d’images que l’on épuise à longueur de journée sur les écrans, qu’on jette pour la suivante avant de les abandonner face à l’accumulation. Non, le travail de Claude Gigon est fait de rareté et de tentatives qui ne se laissent voir qu’à force de patience. Comme ces animaux, ou cette lumière, qu’il a fallu attendre avant qu’ils ne disparaissent à nouveau.

Il faudrait regarder longtemps. S’arrêter. Commencer par s’asseoir pour entamer la rencontre. C’est comme ça que je suis entré. Il n’y a pas de place pour la vitesse. J’aime les ateliers. Je les ai toujours préférés aux salons. Le sien est tapissé de cartons tâchés. Une moquette couleur kraft constellée de peinture et de scotch. Rien d’exceptionnel, ce n’est qu’une couche de protection pour le sol et je devrais me concentrer sur les oeuvres. Mais ils me parlent autant ces cartons, sinon davantage. Il n’y aurait rien de l’art sans les pinceaux séchés, les croûtes de vernis, les coulures et les fonds de cendriers.

J’aime les ateliers. Ils ont cette faculté de niveler les hiérarchies que les galeries, à l’inverse, mettent au premier plan. Ça sent les produits et les magasins de meubles. Il arrive, commence par se changer, enfile ses habits de travail, allume une cigarette et met un cd de jazz. Avec un peu de chance, il ne prêtera bientôt plus attention à la musique. La seule chose : ne surtout pas avoir d’obligations pour les heures à venir. Ce n’est pas plus compliqué que ça. Il dit « la poussière ». Il dit « la poussière est importante, le temps laisse les choses se déposer ». Et on devine tout le chemin parcouru, la poussière qu’il a soulevée derrière ses pas. Elle n’est pourtant pas prête de retomber.

Antoine Rubin

 

 

 

 

 

 

Bildergalerie

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Der gepard rennt seit 11 Jahren:

 

das feiern wir mit "la grande bouffette"

am Samstag 27.April 2019


ab 17:00 Uhr Eröffnungsapéro im gepard14

Begrüssung mit Gemeindepräsidentin Annemarie Beringer-Staub


18:00 Bernhard Huwiler

Who‘s Afraid of Red, Yellow and Blue V - VIII

Installation, Performance


danach performativer Umzug in den "Dreigänger"

Waldeckstrasse 27 im Liebefeld


Food-Skulptur "la grande bouffette"

mit über 30 beteiligten KünstlerInnen:

andreani luciano, beckmanns fredie, brand peter clemens, bünter renata, cerullo michaela, ewald franziska, freudiger christine, fröhlin kathrin, fuchs silvia, gerber bernhard, giacomoni marco, gigon claude, gusberti maia, haag filip, hack flurina, hälg lucyenne, hostettler sylvia, hotz katrin, hug gigga, huguenin johanna, huwiler bernhard, imperatori manuela, jenny lisa, lotta sonja, marcet patrik, nicolai ernesto nicola, notaro olivia, nyffeler cotting andrea, pauli christian, rieben maru, rosset maeva, schwab verena, sebald anouk, seibt dieter, serrano céline, singeisen caroline, streun michael, veraguth lukas...


Live Musik "Djinbala in the Kosmos"

Suppe mit Brot der Bäckerei Lanz in Liebefeld

Barbetrieb mit Baristas


Kommt und feiert mit uns...

Bildergalerie

 

 

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Bernhard Huwiler

Who‘s Afraid of Red, Yellow and Blue V - VIII

Installation, Performance

• Samstag 27.04.2019

17 Uhr Eröffnungsapéro - Vernissage

18 Uhr Performance Bernhard Huwiler

19 Uhr Fest gepard14


• Sonntag 28.04.2019

15 bis 18 Uhr


www.gepard14.ch

Schützenstrasse 14

3097 Liebefeld

 Who’s afraid of Red, Yellow and Blue  5 bis 8


Der Farbrythmus von wenig gelb, dominant viel Rot, wenig blau, den wir in der aktuellen Ausstellung von Bernhard Huwiler vorfinden, ist vom abstrakt -Expressionisten Barnett Newman inspiriert. Was auf den ersten Blick als Spiel mit den Grundfarben sein könnte, hat weit vielschichtigere Gründe.

Was Bernhard Huwiler im Rhythmus der Farben und der Dominanz von Rot fasziniert ist die Tatsache, dass Werke aus diesen Serien von Newman Destruktion hervorriefen. Bilder wurden zerstört und haben offenbar vorgängig Angst ausgelöst.

Der Performer und Installationskünstler Bernhard Huwiler, studierte, nach seinem Medizinstudium,  in Genf Kunst. Heute lebt und arbeitet er in Bern. In seiner Künstlerischen Forschung begibt er sich unter anderem auf die Spur des Phänomens, dass Kunst Destruktion hervorrufen kann. Zudem sind Alltagsgegenstände immer wieder wichtige Materialien, die er in seine Arbeit integriert.


Angelehnt an die Werkserie von Newman, der einer Serie den Namen gab: «Who’s afraid of Red, Yellow and Blue, I-IV nähert Huwiler  sich dieser, indem er die aktuellen Arbeiten «who’s afraid of Red, Yellow and Blue, V – VIII. nennt.


Einbezogen in diese Werkserie hat Huwiler ein Pressebild mit dem Titel Nr. 6, das anlässlich  einer Demonstration entstand, nachdem Charli Hebdo überfallen wurde. «not afraid» wurde proklamiert. Die Parallele zu Newman, dass Kunst zerstört wird und darauf  der Aufruf «not afraid» auftaucht ist offensichtlich.


Innerhalb der vorgegebenen Struktur dieses Farbrythmusses spielt Huwiler mit alltäglichen Materialien und Elementen, stellt diese in einen fremden Kontext und fordert das Publikum heraus, Gegenstände neu zu betrachten. Trillerpfeifen werden zu einer Leiste, aus der Töne zu schweben scheinen. Wenn Huwiler Wasser durch den Kunstraum laufen lässt, dann führt er die Arbeit von 2012 anlässlich des Bones-Festivals weiter und fragt nach dem Innen und Aussen, nach dem Kommen und Gehen nach ewiger Wiederholung und schlussendlich nach Sinnhaftigkeit.

Text: Franziska Ewald


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Maia Gusberti

Konstruktion oder Palimpsest
– ein Layout im Raum.


Einladung zur Vernissage
am Freitag, 5. April 2019 ab 18 Uhr 


Geöffnet am
Samstag 6. April & Sonntag 7. April 15-18 Uhr

 

Sonntag 7. April 16 Uhr Gepräch mit

Maia Gusberti über ihre Arbeit

 

Einladung als PDF

 


Ob inszeniert als Installation, Videoarbeit oder auch einfach als gerahmte Fotografie wohnt den künstlerischen Arbeiten von Maia Gusberti in einer Weise Bewegung inne, als möchten sie die starren Grenzen ihrer Form und ihres Mediums nicht akzeptieren. In ihren Arbeiten nimmt sie sich die Komplexität beweglicher und vielschichtiger Prozesse vor: "Die kleinteilige Alltäglichkeit wird mit kulturellen Imaginationen verbunden, kommentiert oder konfrontiert. Die zugleich lustvollen und überraschenden medialen Formungen, durch welche die Künstlerin ihre Bilder schickt, bewegen sich vom Imaginären zum Persönlichen und zurück oder auch nur bis in die Hälfte. Genau in dieser Bewegung werden die Bilder nicht als Mittel der Repräsentation benutzt, sondern werden zu Akteuren des Imaginären.” schrieb Rachel Mader zu ihren Arbeiten.


Bei gepard14 lege ich das Material einer langjährigen Recherche aus und versuche Fragmente miteinander zu einem grösseren Ganzen zu verbinden. Ich erstelle ein Layout im Raum, welches als Einstieg, Landschaft und temporäre Installation für ein weiteres Vorhaben dient. Die Kamera hält dabei immer wieder Details und Momente fest, bevor sich die Anordnungen im Raum verändern. Das dabei entstehende Material ergänzt dieses Setting und dient als Grundlage für ein experimentelles Buch und/oder einen assoziativen Film. Ob mein Vorhaben gelingt ist ungewiss – vielleicht wird auch etwas anderes daraus.
In diesem Sinne lasse ich mich überraschen wohin mich diese Reise führt.
 

 

Entführte Städte


Molte sono le città come Fillide che sono si sottraggono
agli sguardi tranne che se le cogli di sorpresa.
Italo Calvino, Le città invisibili


Worin könnte die Form einer Stadt bestehen? Ist es ein Begriff, der Entwurf eines Stadtplaners; das Gemenge aus stofflichen, klanglichen, riechenden, individuellen und kollektiven Erfahrungen; ein Set von Bildern, eine Geschichte, ein Geschichtsbuch, ein Traum? Der Formenkatalog ist schier unendlich, jede Form damit befasst, ihre Stadt zu finden. Inzwischen hat jede*r Einzelne eine Stadt im Sinn, die nur aus Unterschieden besteht, eine Stadt ohne fest umrissene Formen und Gestalten, die durch unsere Erfahrung ausgemalt werden müsste. Die dann redundante Erinnerung hebt dazu an, die Zeichen zu wiederholen, und langsam nimmt die Stadt Gestalt an.

Städte sind vieles: Erinnerungen, Wünsche, Signale und Zeichen; sie sind Umschlagplätze, an denen nicht nur Waren, sondern auch Worte, Wünsche und Erinnerungen ausgetauscht werden. Die Stadt, zu deren Erkundung Maia Gusberti einlädt, entspringt paradoxerweise dem Bild einer Abwesenheit, die sich in einer Reihe filigraner Durchschläge vervielfacht, welche auf mehrdeutige, zeitlose und feingliedrige Weise in Erscheinung treten. Die Stadt erscheint uns als Ganzes, in dem kein Begehren je verloren geht und an dem wir als aktive Beobachter*innen teilnehmen. Und da die Stadt alles jenes genießt, das wir auslassen, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns in einem Begehren einzurichten, das uns erfüllt.

Die Stadt tritt uns durch erkennbare Verfahren wie Fragmentierung, Diskontinuität, Reisen, Anonymität entgegen, von der Heterogenität der Medien ganz zu schweigen – Bücher, Karten, Fotos, Videos, Texte – kurzum, die Stadt entpuppt sich hier als unvollendet, namenlos und vom Ort entbunden. Was dann passiert, passiert auch mit Träumen: Wiewohl alles Vorstellbare geträumt warden kann, ist auch der unerwartetste Traum ein Bilderrätsel, das einen Wunsch oder dessen Kehrseite, eine Angst, birgt. Nicht mit Mauern errichtet man Städte: Städte sind wie Träume aus Wünschen und Ängsten gebaut, auch wenn der Faden ihres (urbanen) Diskurses verborgen ist, ihre Regeln absurd, ihre Perspektiven trügerisch sind und ein jedes Ding ein anderes verbirgt. Gusberti spielt also auf eine Stadt an, die weit über den Diskurs, der sie beschreibt, die Geschichte, die sie einfängt, die Wesen, die sie bewohnen, hinausgeht, wie in einer metonymischen Geste, aus der dann alle potentielle Städte gleichzeitig emporkämen.

An dieser Nahtstelle entsteht eine neue Beziehung zur Leere. Dieses Phänomen war in Werken wie Landscapes Un(folded) (2012) und Fragments of a City without a map (2012) bereits zu verzeichnen; diese Beziehung erscheint hier als ein flüchtiger Blick dessen, was wir sehen, und erliegt dann diesem unendlichen, unfassbaren Element, für das Bilder stehen. Die Stadt wird in ihrem eigenen rechteckigen Raster – und dem durch die Szenerie vorgegebenen – doppelt abstrakt, und ist damit auf ihre unablässige Neuinterpretation angewiesen. Es ist eine Stadt, die nur aus Ausnahmen, Hindernissen, Widersprüchen, Unstimmigkeiten und Unsinn besteht. Von einem Ende zum anderen scheint sich die Stadt mit ihrem Bildrepertoire perspektivisch zu vervielfachen. Ihr fehlt gleichwohl jede Tiefe: Sie besteht nur aus einer imaginären Situation, die die Illusion der Stadt erzeugt; in Gestalt eines Blatts Papier, das den Blick auf sich zieht, und nicht mehr loslässt.

Alles spricht dafür, dass Gusberti genau genommen unser eigenes Begehren zum Ausdruck bringt. Ein Begehren, das Städte neu entwirft, über die wir alles über zu wissen meinen, aber über die wir genau genommen niemals weniger im Bild waren. Diese “eigenwillige” Stadt, einfach und vielfach zugleich, ist unserem Blick unendlich weit entrückt.

Sara Alonso Alonso Gómez
Bern, 1. April 2019

 

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Silvia Fuchs

Formsprache - Formsuche

 

Einladung zur Vernissage am:

Freitag 25. Januar 2019   ab 18 Uhr

Einführung durch Rainer Lawicki, Kunsthistoriker 

 

Öffnungszeiten:

Samstag 26. & Sonnatg 27. Januar 14-18 Uhr

 

Die Künstlerin ist anwesend.

 


Formsprache – Formsuche

"Form" steht für die äussere Gestalt, den Umriss.

Materie wird gestaltet, nimmt Form und mit der Form ihren je eigenen Ausdruck an.

So wie jeder Mensch sein eigenes Schriftbild hat, hat er auch seine eigene Formsprache.

gepard14 bietet Silvia Fuchs während den Monaten Dezember und Januar den Raum, um mit Form zu experimentieren. Form ist ein unendliches Feld. Es geht Silvia Fuchs darum, sich der eigenen Formsprache anzunähern. Ob durch Malerei, Zeichnung oder Plastik. Alles ist möglich. Experimente sind Programm, Scheitern erlaubt und Überraschungen erwünscht.

Silvia Fuchs

 

Einladungskarte

 


Silvia Fuchs – Kunstraum und Gast-Atelier gepard14, Bern-Liebefeld


Formsprache – Formsuche

25. Januar bis 27. Januar 2019


Oder: Das Unbewusste fliessen lassen


Für die Ausstellung im Kunstraum und Gast-Atelier gepard14 ist Silvia Fuchs von mitgebrachten kleinen Kritzelzeichnungen ausgegangen, die Freunde und Bekannte – seltener auch Unbekannte – auf ihren Wunsch hin gemacht haben. Schnelle Zeichnungen, ohne nachzudenken, spontane Spuren auf dem Papier. Den Bewegungen auf den kleinen Papierflächen ist Silvia Fuchs nachgegangen und hat daraus Formen entwickelt, die nun in die Gemälde eingeflossen sind. Alle Werke, die jetzt an den Wänden hängen – oder an die Wand angelehnt sind –, entstanden im Kunstraum, im Hinblick auf die Ausstellung. Dabei ist eine Kreisbewegung entstanden, die mit der Vernissage geschlossen wird: Am Eröffnungsabend wird die Künstlerin die kleinen Zeichnungen übermalen, eine, die vielen unterschiedlichen Bewegungslinien der Zeichnungen, überlagernde Form schaffen.

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Kunstraum / Gast-Atelier gepard14 am 10. Januar 2019 – der Arbeitsraum von Silvia Fuchs.


Silvia Fuchs ist keine lautstarke Künstlerin, die ungeniert an die Öffentlichkeit tritt. Sie arbeitet in einem Gemeinschaftsatelier in den VIDMARhallen, meistens am Morgen, wenn die anderen drei Künstlerkolleg*innen noch nicht da sind. Sie sucht die Ruhe und Konzentration, die Reflexion und behutsame Entwicklung ihrer Ideen in der Malerei und Objektkunst. Sie reagiert auf vorgefundene Dinge, Fundstücke – objets trouvés –, die sie miteinander kombiniert und erweitert (ein wenig wie die Dadaisten und nachfolgend die Surrealisten, die ab den 1916er Jahren künstlerisch unterwegs waren).
Die Objekte von Silvia Fuchs sprechen den Betrachter optisch und haptisch unmittelbar an, sie drängen sich ein wenig auf und fordern Aufmerksamkeit. Ganz anders die Malerei, die eher still ist, den Pinselgestus betont und dennoch in ihrer finalen Gestalt sehr kalkuliert komponiert ist. In der Malerei trifft der Betrachter auf fremde Welten, die mehrdeutig sind und offen bleiben für eine persönliche Auslegung. Sie handeln von dem räumlichen Verhältnis zwischen Figur und Grund. Hier finden sich geschlossene Formen, die ein deutliches Kontur tragen und auf ihrer Fläche mal schweben, mal wie verankert stehen, einer Fläche, die häufig verdunkelt hinter der Form liegt.
Metaphorisch gesprochen tritt eine Lichtform aus dem Dunkel heraus. Das ist mehr als Rhetorik. Denn Silvia Fuchs nutzt den Zufall und spontanes Arbeiten, um in einem kontinuierlichen visuellen Reflexionsprozess das Bild oder das Objekt in seiner finalen Form entstehen zu lassen. Aus dem Dunkel gelangt die Form ans Licht. Sie greift auf ein bildnerisches System zurück, das einen intuitiven Entwicklungsweg zurücklegt. Das ist nichts Neues, denn dies entspricht einer Grundhaltung der ungegenständlichen Kunst, die künstlerisch ihre eigene Welt erschafft.  Die Werke von Silvia Fuchs sind keine abgehobenen Fluchtwelten. Sie greifen im handfesten Sinn auf das Gegebene und Gegenwärtige zurück, sei es durch einen Pinselduktus, der sich am Bild abarbeitet oder durch die Fundstücke, die als Basis und Sockel eine neue Einheit mit ihnen zugefügten und eingepassten modellierten Formen eingehen. Das Verbindende zwischen dem Objekt und der Malerei sind die Farbe und Formelemente, die, wenn beide Gattungen nebeneinander gezeigt werden, schöne Passagen bilden.

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Kunstraum / Gast-Atelier gepard14 am 21. Januar 2019 – die Werke haben ihren Ort gefunden.


Während ihrer Arbeit im gepard14, im Dezember des letzten Jahres und im Januar 2019, war Silvia Fuchs von dem Licht und der Raumgrösse begeistert. Sie hat ausgreifende Formate in der Malerei umsetzen können, die im eigenen Atelier nicht machbar sind. Vor allem aber war ein vergleichendes Malen und Gestalten möglich, denn die Werke an denen sie teilweise gleichzeitig gemalt hat, standen in Sichtkontakt um sie herum. Diesen Werkzusammenhalt sieht man den Bildern an, ebenso auch die konzeptuelle Zusammenführung, die nun in dieser Ausstellung umgesetzt wurde.

Auf vielen Bildern kann das anfängliche teppichartige Liniengespinst noch gesehen oder zumindest erahnt werden, das aus Pinselspuren zusammengesetzt wurde und aus denen eine Form entspringt, sich entwickelt hat, die schliesslich mit einer umfassenden Linie gefestigt wurde. Es entstanden geschlossene Formen, die sich auf der Bildfläche bewegen. Denn tatsächlich sind es Formen, die wie der menschliche Körper eine Bewegungsausrichtung, eine Blickrichtung haben – mal nach links oder rechts schauen oder eigenartig in die Bildfläche ausgreifen. Diesen Aspekt nimmt Silvia Fuchs auch in ihren Bildtiteln auf, die schlicht mit «Form nach links gefaltet» oder «Form mit Öffnung nach rechts» benannt sind.
Die dreidimensionalen Objekte im Ausstellungsraum wiederum sind unmittelbar auf dem Boden gestellt und durch einen dialogischen Bezug miteinander verbunden. Sie formen sich zu kleinen Gruppen, wie wenn Personen sich auf der Strasse begegnen, in ihrem Bewegungsfluss innehalten oder langsam zusammenkommen.

„Am Schluss mache ich die Definition“, das hat mir Silvia Fuchs während unseres ersten Gespräches im gepard14 gesagt – und dies ist ihr in dieser Ausstellung gelungen. Machen Sie sich ein Bild davon.

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«Formsprache – Formsuche», 2018/19, Öl auf Leinwand, fünfteilig, 145 x 232 cm.



Text und Fotografien: Rainer Lawicki

 

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