gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

info@gepard14.ch
 
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Claudio Bruno

"Fragmente"

 

Ausstellungsrundgang mit

Claudio Bruno & Franziska Ewald

 

 

Bildergalerie


 

Verborgenes. China Girl.
Höhle. Dunkel.
Zufallsspuren.
Graphitwolke. Auswischen.
Rattenmensch.

«Das Rattenmensch C. nistet sich im Raum an der Schützenstrasse14 ein. Es häuft dort Fundstücke an von seinem Quartierraubzug,hüllt sich in Staub, beschmiert sich mit Farbe. Das Ganze hinterlässteine Sammlung wunderlicher Spuren und Abdrücke.»

 

«Fragmente»


Eine intensive Arbeitsstimmung herrschte anlässlich meines ersten Besuches bei Claudio Bruno im gepard14. Verschiedenste Materialien von Zeichen- und Malgründen, Graphitstaub, Kohle, Tusche, Gibs, Leim, Fundstücke und begonnene Arbeiten begegneten mir. Hier ist ein Alchemist am Werk und der Titel der heutigen Ausstellung «Fragmente» machte schon damals dem Thema alle Ehre.

Claudio Bruno interessieren Zufälle und Spuren. Spontane Momente und suggestive Entscheidungen spielen genauso eine wichtige Rolle, wie die unterschiedlichen eigenständigen Materialien, mit denen er arbeitet und letztendlich auch Temperament und Zustände des Künstlers selbst.  


Nebst dem Umgang mit der Materialität ist im gepard14-Raum ein Ausloten neuer Formate entstanden, was im aktuellen Atelierraum nicht möglich ist. Die 3m lange horizontalen wie vertikalen Papierfrottagen mit Druckfarbe oder die Arbeit «Leitungen intuitiv» mit Graphit, übersteigen die bisherigen Masse und lassen neue Dimensionen zu.


Der Raum im Raum oder der Geist des Raumes finden wir im Curriculum von Bruno’s Arbeiten immer wieder. So erarbeitete er zum Beispiel in seinem Atelier, das holzverkleidet ist, eine Hommage ans Holz.


Wir begegnen Montoypien die als Werkserie «Geist» Fussabdrucke und verwobene Strukturen sichtbar machen, einem Stück Holz aus Gips und Farbe suggeriert zwar Holz, die glänzende Farboberfläche entfremdet und irritiert, und das Fundstück «schwarzes Lederkissen» tritt in einen Dialog mit dem Fundstück «Pizzaschachtel», das als Bild klassisch installiert wurde. Mit der Arbeit «Wände abtasten» stehen wir vor einer fast feinstofflichen Arbeit, die mit ihrer zarten Graphithaut zwar Texturen von gepard-Wänden wie ein Echoraum offenbart, diese sich aber dem Betrachter gleich wieder entziehen.  Die obenerwähnte Arbeit «Leitungen intuitiv» trägt im Kern direkte grobe Frottagen von Kanten und Ecken und wurde zeichnerisch in ein Gestänge mit rätselhaften Formen und Biegungen, die ins Unendliche zu laufen scheinen, transformiert.


Ein Fundstück «Gummiblase mit Gewebeband und Ventil» stellt sich still zu den Objekten «Meteoriten», die Struktur von Waben finden wir im Fundstück «Ziegelstein», im Objekt «Gitter» sowie in der Gipsarbeit «Waben» in dessen Spannungsfeld das Objekt aus Gips und Latex gefertigte «Hand» Kontraste setzt. Malerei und Objekt verbinden sich in zwei Skulpturen und spielen auf die «Schwerkraft» an und ein kleines Gemälde tritt mit diesen Objekten in einen Dialog.


Die jüngste Arbeit, die zu dieser Ausstellung entstand, ist ein reduziertes Konzentrat von Spuren und «Zufall ohne Absicht», wie der Titel erwähnt. Die vom Graphitstaub beschichteten Schuhe des Künstlers liessen Spuren auf dem Papierbogen zurück. Es zeichnen sich Rhythmus, Schritte, Wiederholungen und Frequenzen der Schuhsohlen ab – ein Seismograph der Bewegungen im Raum. Sie vereint Spuren, Zufall, Energie des Künstlers, Dynamik des Materials in reinster Form und bringt das künstlerische Anliegen von Claudio Bruno auf den Punkt.   Diese Arbeit verleiht der Ausstellung den Ritterschlag !


Beim Betrachten der heute ausgestellten Arbeiten entwickelt sich wie ein Widerhall gepard14 im Innen wie im Aussen in einen Erinnerungsraum. Es entstehen rythmische Wellen des Erkennens, die sich wieder entziehen. Das Werk oszilliert zwischen der Erinnerung und abstrakten Zeichnungen, Fundstücken und Objekten. Die Arbeiten offenbaren Strukturen, die gewöhnlich nicht bewusst wahrgenommen werden, die man als Besucher vielleicht intuitiv unbewusst aufnimmt. Die Materialität spielt mit den Texturen und verfremdet.

Die Ausstellung «Fragmente» von Claudio Bruno verstehe ich als ein Gesamtwerk, eine Assemblage, die mit den einzelnen Arbeiten eine Verdichtung erzeugt, die sehr poetisch und verspielt daherkommt und uns eine Transformation von Material und Textur zu «Geist» erleben lässt. Das ist dem Alchemisten Bruno allemal gelungen. Und einige Arbeiten weisen schon in die Zukunft. Wir sind gespannt.


Liebefeld im März 2020

Text: Franziska Ewald


Claudio Bruno, *1974 in Biel.

lebt und arbeitet in Bern

1974 geboren in Biel

1995-96 SfG Basel

1997-2002 Diplom Bildnerisches Gestalten, HKB Bern

Seit 2003 Freie Arbeiten und Ausstellungen im Bereich Video, Malerei, Illustration, Installation und Performance Atelier im Graberareal/Liebefeld

Seit 2006 Operateur in der Kinemathek Lichtspiel

Seit 2007 Vermittlung Kunst und Design in Bern



 


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Raphael Reift

Reise ins Ungewisse

 

Einladung zur Vernissage
am Freitag, 31. Januar 2020 ab 18 Uhr

Geöffnet am:
Samstag 1. Februar
Sonntag 2. Februar
jeweils 15-18 Uhr

Der Künstler ist anwesend

 

Raphael Reift (*1987) ist Maler und Lyriker. Er wohnt und arbeitet in Bern. Nach seinem Studium der Theologie begann er vermehrt zu malen und schreiben. Für seine Ausstellung im gepard14 arbeitet er mit Tusche und Aquarell auf Papier und versucht aus seinem Unbewussten Formen und Farben zu schöpfen, die er auf dem Blatt kombiniert und komponiert. Sein Arbeitsprozess ist ähnlich wie die «écriture automatique» der Surrealisten. Er versucht, sich auf den Moment einzulassen und seine Hand führen zu lassen. Die resultierenden Bilder sind für ihn selbst immer wieder überraschend, da er zu Beginn nie weiss, was sich auf dem Blatt zeigen wird. Oftmals sind es Kombinationen von Figuren und Formen, die durch die Befindlichkeit des Künstlers mitgeprägt sind. Raphael Reift möchte mit seinen Bildern einen Resonanzraum schaffen, von dem er hofft, dass die Betrachter sich in ihm aufhalten können und ansprechen lassen.

 

Raphael Reift - Reise ins Ungewisse


Nebelfaden ins Ungewisse

labyrinthisches Leben

Unerwartetes

blubbert im Unbewussten


Im Anfang

Raphael Reift hat im Jahr 2015 mit dem Malen begonnen.

Nach seinem Theologiestudium war er aufgrund von Depressionen ein halbes Jahr in der Tagesklinik der Waldau.

In der dortigen Kunstwerkstatt kam er zum ersten Mal mit «Art Brut» in Berührung.

Der rohe und unzensierte Ausdruck von Emotionen und Ideen faszinierte ihn.

Über die Jahre hat Raphael Reift sich mit den Werken von Joan Mirò, Jean-Michel Basquiat, Pablo Picasso und Paul Klee beschäftigt.


das Wort

Raphael Reift ist begeistert von Lyrik.

Die Kunst der Verdichtung von Inhalten fasziniert ihn.

Die Suche nach dem passenden Wort und nach dem passenden Bild treiben ihn an.

Dafür versucht er, in der Tiefe seines Unbewussten Formen, Farben und Figuren zu finden.

Raphael Reift wünscht sich, mit den Betrachtenden in einen Kontakt treten.

Durch Bilder und Gedichte möchte er mit den Betrachtenden in einen Dialog treten.

Einen Dialog über menschliche Erfahrung.

Mit seinen Bildern will er Erfahrungen weitergeben.  

Existentielle Erfahrungen ausdrücken.

Erfahrungen von Angst, Scham, Verzweiflung, Schmerz, aber auch von Freude.

Auch Erfahrungen von Sprachlosigkeit, von Rat- und Hoffnungslosigkeit.


und das Labyrinth

Das Leben scheint ihm ein Labyrinth.

Aus welchem der Mensch nicht lebendig herauskommt.

Eine Reise ins Ungewisse.

Raphael Reift hätte gerne eine Landkarte für das Labyrinth.

Bisher hat er jedoch keine gefunden.

Das Malen und Schreiben sind für ihn ein Versuch, eine solche Karte zu zeichnen.

In der Hoffnung, einen Weg zu finden.

 

 

Bildergalerie