Legotopiapeacespace 


Samstag 2.12.2023 ab 16Uhr - Openend


gepard14 bietet Raum und viele LEGO's

Daniela und Lucyenne kochen Gewürztee und organisieren Getränke.

Ihr bringt etwas zum knabbern und teilen mit

und zusammen bauen wir Legotopiapeacespace

Wellcome!

 

 

 

 

 

 

 

Einladung zum Performanceabend mit 

Kathrin Zurschmitten, Ilmārs Šterns & Noel Schmidlin

 

Freitag 24. November 2023  19.00 Uhr

 

Der Performanceabend im gepard14 bildet den gemeinsamen Abschluss der Residency-Zeit von

Kathrin Zurschmitten mit dem Projekt "Playing with Stars" und

Ilmars Sterns & Noel Schmidlin mit ihrem sozio-akustischen Research Projekt „Gesture Vibrations“

 

Im Anschluss gibt es eine warme Suppe

Welcome!

 

Bildergalerie Kathrin Zurschmitten

Bildergalerie Ilmars Sterns & Noel Schmidlin 

 

 

PLAYING WITH STARS

 

Playing with Stars von Kahtrin Zurschmitten ist ein partizipatives Format an den Schnittstellen zwischen Kunst und Kunstvermittlung
für Erwachsene und Kinder ab 9 Jahren und findet an folgenden Tagen statt:

Freitag, 20. Oktober 18.30 bis 20.00 Uhr

Freitag 27. Oktober 18.30 bis 20.00 Uhr

Samstag 4. November 16.00 bis 17.30 Uhr

Sonntag 12. November 14.00 bis 15.30 Uhr

Samstag 18. November 19.30 bis 21.00 Uhr
 

weitere Infos und Anmeldung 079’789’03’77

Platz für jeweils 15 Personen

Kollekte

https://www.instagram.com/katelizur/

 

 

Sie ziehen glitzernde Umhänge an, schlüpfen in Rollen und wieder raus.
Sie zeichnen. Mal allein auf ein Stück abgerissenes Papier, mal zu viert auf ein grosses Blatt.
Sie wickeln neongelbe Schnur ab, wickeln einander ein. Malen sich Punkte auf die Füsse, ziehen Linien durch den Raum.
Sie sprudeln sanft und lauschen. Schreiben Wörter auf die glatte Scheibe.
Rauschen laut ins Mikrophon. Trommeln gleichmässig mit Fingern auf Eimer, mit Stäben auf Stühle, einander auf den Rücken.
Sie tun, wonach ihnen der Sinn steht und freuen sich unverschämt.
Sie tanzen zu sphärischen Klängen.
Sie bauen Fahrzeuge aus Karton, formen Lehm zu wilden Tieren und Gebilden.
Sie projizieren leuchtende Videos an die Decke.
Sie sitzen, beobachten, was passiert.
Sie bewegen sich im Raum, spüren ihre Füsse, als hätten sie sie soeben geschenkt bekommen.
Sie wirbeln Arme schwungvoll durch die Luft, stehen eine Weile still.
Atmen ein und aus, suchen nach Zwischenräumen, nach Fäden zum Aufnehmen und Weiterspinnen.
Sie zwinkern sich zu, verkriechen sich alleine unter einem schimmernden Stoff.
Sie schliessen die Augen, träumen und tasten.
Öffnen die Lider und drehen den Kopf zur Seite, riechen an der Plastikfolie.
Sie falten Drachen und hängen sie sorgfältig auf.
Sie zupfen an Saiten und warten auf eine Antwort:
Zwitschern, Lachen. Sie lassen sich überraschen.
Sie setzen sich hin und warten.
Sie bauen ab und räumen alles wieder auf.
 

Kathrin Zurschmitten *1986 lebt und arbeitet in Bern

Seit zwei Jahren organisiere ich Playground, ein partizipatives Format an den Schnittstellen zwischen Kunst und Kunstvermittlung, bei dem das persönliche und das kollektive Erleben im Zentrum stehen. Es ermöglicht Räume, in denen wir uns selbst und anderen auf niederschwellige Art begegnen und das Miteinander auf Augenhöhe gestalten können. In einer produkt- und konsumorientierten Gesellschaft ist Spielen eine subtil subversive Kraft. Wie können wir Sinn erleben, auch wenn kein Zweck und Nutzen verfolgt wird und nichts erreicht werden muss? In diesem Kontext ist Playground eine Oase zum Ausruhen, ein Training für Freiheit.

Im gepard14 habe ich erstmalig die Gelegenheit, einen Raum über zwei Monate für Playground zu nutzen. Ich gestalte den Raum im Sinne einer installativen, interaktiven Situation: Ich bereite Material, technische Geräte, Instrumente und Kleider vor und lade dich/Sie ein zum neunzigminütigen Spiel ohne Anleitung. Wir gehen Impulsen und Ideen nach, experimentieren alleine oder improvisieren in spontanen Kollaborationen.

 

 

 

 

 

 

 

I care - I repair

textil atelier


für Spontane & Kurzentschlossene

Offen am Mittwoch, 20.9.23

und Samstag, 23.9.23

jeweils von 14h bis 20h

(D)ein kleiner revolutionary Act gegen die "Fast Fashion"
wenn Du Lust hast gemeinsam Kleider zu flicken, besticken, aufwerten, umgestalten, neu beleben und "Slow Fashion" zu leben ... gib mir per Email Bescheid, wann Du vorbei kommst.

... herzlichst Lucyenne

info[at]gepard14[dot]ch
 

Kollekte für Unkostenbeitrag

 

 

 

 

beyond fungi

Eine Ausstellung zum Phänomen der Pilze in der Kunst mit Beiträgen von:

 

Heiko Sievers
Kathrin Zurschmitten
Aleardo Schüpbach
Flo Kaufmann
David Aebi
Lucyenne Hälg
Marco Giacomoni

 

Vernissage 1.September 2023  18Uhr

Aleardo Schüpbach kocht ein Pilzgericht

 

Öffnungszeiten

Samstag 2. September 14-18Uhr

Sonntag 3. September 14-18Uhr

und nach Vereinbarung bis am 9. September

 

 

beyond fungi

Zuerst nur ein Zischen, zwischen Kieseln und Steinen, ein brodelndes Sprudeln, bald schon ein Rieseln, feucht doch fein knisternd, endlich ein Rascheln, bahnziehendes Kriechen, oben etwas leicht atmet, nachts dann schrillen Pfiffe, melodisches Werben, woanders faucht’s ängstlich, die Haare gesträubt, weit tragende Düfte, wissendes Schnuppern, verstehendes Schmecken, blinzelnd der Blick sucht nach Auskunft und Deckung, einladende Gesten kommen zum Tausch, statt Worte schwingt tönendes Deuten, das selbstlos sich wandelt und niemals verstummt.


Nicht erst menschliches Sprechen bringt Bedeutung in die Welt. Egal ob Bakterien, Pilze, Pflanzen oder Tiere, alles Leben ist ein pausenloser Austausch von Zeichen, kodiert als Moleküle, Proteine, Gebärden, Gerüche, Farben, Muster, Licht, Laute, Schall oder Sprache. Erst allmähliche lernen wir wieder, dem Unerhörten und Missverstandenen zu lauschen.

Die Ausstellung beyond fungi zeigt Arbeiten von Künstler*innen, die teilweise seit Jahren der Spur der Pilze folgen. Ihre Arbeiten reflektieren die Fülle an möglichen Zeichensprachen: Installation, Video, Zeichnung, Textilkunst, Kulinarik und Fotografie.
Wer sich der mykologischen Semiosphäre empfänglich anvertraut, findet in ihrem unauflösbaren Netz aus Mehr-als-menschlichen Akteur*innen und Kunst vielfältige sich überlagernde, neue und altvertraute Bedeutungen und Bilder, die den Blick hin auf eine Welt weit jenseits der Pilze öffnen - beyond fungi

 

Heiko Sievers  *1969 lebt und arbeitet in Berlin

ist zurzeit artist in residence im gepard14:

Mein künstlerisches Nachdenken über die Natur konkretisiert sich in einem Driften zwischen Installation, Malerei und Zeichnung. In zahlreichen Installationen habe ich versucht, Naturphänomene als ästhetische Objekte haptisch und räumlich erfahrbar zu machen und gleichzeitig poetisch zu transformieren.

Einschneidend für meine Arbeit und mein eigenes Naturverständnis war der Beginn des Langzeitprojektes ‘Mushroom of the Day’, für welches ich seit 2009 zeitweise täglich ein Bild produziere. Insgesamt sind so über 2600 Bilder und Zeichnungen entstanden, die sich ausschließlich mit dem Sujet ‘Pilz’ beschäftigen.
Pilze prominent im Zentrum dieses Projektes zu platzieren, entsprang zum einen der persönlichen Faszination als auch dem Bedürfnis der kunsthistorischen Vernachlässigung des Objekts Pilz zu begegnen, welches bestenfalls als unheimlich, ansonsten als potentiell tödlich, als eklig, morastig und morbid in der westlichen Ikonografie erscheint.
Meine entscheidende Erkenntnis aus der Arbeit an dem Projekt ‘Mushroom of the Day’ ist die unauflösbare und manigfaltige Verwobenheit und die daraus entstehende gegenseitige Abhängigkeit allen Lebens auf der Erde. Leben (Fungi, Fauna, Flora, Bakterien etc.) schafft die Bedingung für mehr Leben.

http://heikosievers.blogspot.com/
http://mushroom-of-the-day.blogspot.com/

Bildergalerie

 

 

 

lOh  QIGONG mit Beat Gipp
     Spiel der fünf Tiere im Gepardengehege

    

     MORPHING SOUP ab llh - open end
     Bring dein Lieblingsgemüse mit und werde
     Suppenmorpher*in

 

  PPK Postkarten-Papier-Kleister Aktion mit Beat Gipp
 

  MYCELING Broderie mit Lucyenne Hälg
 

  LEGOTOPIASPACE
    

    OPEN WORD
    OPEN SOUND
    OPEN STAGE
    FREIE WILDBAHN für spontane Aktionen...

 

 

19h     Trennwand
    Strotter inst. - Turntable Performance


20h     Wolfarth Solo
    Christian Wolfarth - Percussion


21h     Plunder Phobia
    Lukas Briner - Videosampler

 

 
    open end   Bar & Festkollekte

 

    www.gepard14.ch schützenstrasse 14 liebefeld

 

 

 

 

Yves Lavoyer

les nuances du cercle

 

Einladung zur Vernissage

Freitag 19.Mai 2023  18 Uhr

Einführung durch Thomas Jacobi

 

Öffnungszeiten:

20.& 21. Mai 2023  15-18 Uhr

 

Einladung PDF 

 

das kunstverständnis; im kontext vom raum bedingt, im gefüge der sich verändernden zustände besinnt.
mäandernde gedankengänge sich kreuzen, sich betrachten beziehungsweise begutachten.
wahrhaben was wahr ist, wahrnehmen was sein darf, fragen wo antworten zu erahnen sind.
flüsternde stimmen laut aussprechen, kommunizieren was gesagt werden soll um fühlend zu interpretieren.
werkend werden im prozess der hände tat; fassbar in der reibungfläche, leuchtend in der hingebung des schauens.

Yves Lavoyer

 

Die Welt aus ihren Spuren heraus «wahr-haben»: Diesem Ziel hat sich der Solothurner Künstler Yves Lavoyer während seiner Residenz im Mai im Kunstraum verschrieben. Als radikale Offenheit ist das «Wahr-Nehmen» der Welt seit je die ureigenste Haltung der Kunst, und zwar gegenüber den gesehenen und vielerlei ungesehenen Dingen, Wesen und Abläufen, die uns ohne unser eigenes Zutun gegeben sind. Wir müssen nur wirklich schauen, hinfassen, aufgreifen. Wie aber lesen wir diese Versatzstücke, wie erschliesst sich aus ihren Formen ein Zusammenhang, an dem wir uns in der Welt orientieren können? Weil er den hochentwickelten Erklärungsschemata etablierter Ideologen misstraut, begibt sich Yves Lavoyer in seiner Arbeit im Kunstraum auf eine filigrane Spurensuche zu den einfachen Symbolen, die uns die Welt wie Wegweiser entgegenhält, und die in Urgeschichten verschiedener Gemeinschaften angedeutet werden. Wer sich auf diesen Pfad einlässt, wird Teil von einem installativen und zeichnerischen Gewebe, das zaghaft neue Orientierung und Lebendigkeit erzeugt und das «Wahr-haben» der Welt subtil erprobt.

Thomas Jacobi

 

 

Bildergalerie

 

 

 

Alessandro Rolandi

TEXTURE & TIME

Einladung zur Vernissage

Freitag 31.März 2023  18 Uhr

Öffnungszeiten:

1.& 2. April 2023  15-18 Uhr




TEXTURE & TIME
Seit ich mich erinnere, habe ich nie länger als 5/6 Jahre am selben Ort gelebt. In Verschiedenen Städten in Italien, dann in Europa.
2003 ging ich nach China, wo ich schließlich 20 Jahre lang lebte und arbeitete, mehr als jemals woanders zuvor.
Im Vergleich zu meinen Erfahrungen in Europa sind künstlerische und kulturelle Aktivitäten im Reich der Mitte von einem kontinuierlichen Ringen um die Grenzen der Emanzipation in einer autoritären Gesellschaft und der Auseinandersetzung mit einer Tradition geprägt, in der das Kollektiv seit jeher Vorrang vor dem Individuum hat.
Dabei sind Kunst, Politik und Alltag nicht zu trennen.
Es ist zudem ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Zukunft ständig zu einer komplexen, prekären Immanenz überschneiden und jeder auf eine sich unglaublich schnell verändernde Gegenwart beschränkt ist, die von großen Widersprüchen geprägt ist.
Während ich meine individuelle Studiopraxis fortsetzte (die für meine Generation typisch ist), entwickelte ich im Laufe der Jahre mein Interesse und widmete viel Zeit der sozial engagierten Kunst und dem Aktivismus, indem ich einfach auf die Umgebung reagierte. Das ergab sich ganz natürlich, da mich Kunst intuitiv schon immer mehr als experimentelles Werkzeug zur Erforschung der Realität und ihrer normativen Machtverhältnisse interessiert hat, als der bloße
Ausdruck individueller Originalität.
Bern ist wie Peking zufällig in mein Leben getreten, als Möglichkeit in einem Moment des Übergangs, der durch die COVID-Krise verursacht wurde.
In einem so anderen Umfeld stehe ich vor der Entfremdung, 2023 wieder in der westlichen Kultur zu sein, und der Unfähigkeit, sie so wahrzunehmen, wie ich es vor 20 Jahren getan habe.
Die Spannungen und Gleichgewichte einer sogenannten offenen Gesellschaft sind sehr unterschiedlich, während einige der relevantesten Probleme, mit denen wir alle konfrontiert sind, unabhängig von den Regierungsformen ähnlich sind. Die Komplexität und Artikulation der Welt scheint beispiellose Grenzen erreicht zu haben.
Als Marco und Lucyenne mich zum Atelieraufenthalt ins gepard14 einluden, dachte ich, diese Zeit und diesen Raum zu nutzen, um zu versuchen, einen Moment der Intimität und Verbindung durch die beiden Gewohnheiten zu finden, die mich schon immer begleitet haben: Tuschemalerei (in Form von Kalligrafie , Zeichnen und Scribble) und Beobachten (in Form von Video- und/oder Fotodokumentation).
So wie es bei meiner Ankunft in China geschah, fing ich an, durch die Stadt zu laufen, Eindrücke organisch aufzunehmen und den Rhythmus, in dem die Dinge einsinken und passieren, der Zeit und dem Zufall zu überlassen
In einer Art persönlicher situationistischer Drift sammelte ich Bilder, Kritzeleien und Notizen, während ich mich in meinen 50ern mit meinem wurzellosen Zustand auseinandersetzte und Erinnerungen aus der Vergangenheit immer wieder mit neuen Eindrücken der Gegenwart verschmelzen ließ.
An diesem Punkt sind Kunstpraxis und Kunstgemeinschaften die einzige Kontinuität, die Kette und Schuss meiner Existenz miteinander verwebt.
In den Titeln meiner Arbeiten taucht oft das Wort „etwas“ auf. Manchmal begegnen wir etwas, ohne viel zu tun, nur durch Zuhören, Schauen und Sehen. Dann können wir es mit einer Tintenfleck, einem Bild oder einem Video bezeugen.
Die alte daoistische Philosophie (wie griechische Vorsokratiker und Spinoza auf ihre eigene Weise) schlägt vor, die Aufmerksamkeit von uns selbst auf die Umwelt zu lenken und zu erkennen, wie alle ihre Elemente die Kraft haben, eine andere, intime und dezentralisierte Beziehung zur Realität zu formen.
Die Arbeiten, die ich im gepard14 präsentiere, sind Bruchstücke von Texten, Texturen und Zeit auf der Suche nach Intimität und Verbindung mit dem, was nicht ich bin. Auf dieser kleinen Reise nehme ich als ironische und symbolische Geste auch Robert Walsers Buch „Le brigand“ mit.
Da ich einige seiner Werke las und von seinem Leben und seinem besonderen Interesse an China erfuhr, erschien mir seine Aura um Bern herum wie ein kostbarer Glücksbringer.
Wie verschiedene Wissenschaftler betonten, könnte sein Leben und Werk insgesamt als eine bescheidene künstlerische Praxis am Rande von Sprache und Stille außerhalb aller Systeme beschrieben werden: eine periphere, nicht aggressive (und deshalb noch subtilere) Subversion.
Dies schwingt natürlich mit dem Lob des Daoisten auf die verborgene Sensibilität des einfachen Lebens, als eine persönliche und poetisch-politische Aussage.
Die Daoisten zelebrierten Poesie, Kunst, Trinken und vor allem ein offenes intuitives Gefühl der Freundschaft im Wechsel mit Momenten der Einsamkeit und Einsiedelei ab.
Ihr selbst auferlegtes Exil und ihr Nicht-Tun war ihre Art, Widerstand zu leisten und den Status quo in Frage zu stellen.
Aber im Gegensatz zu den oft mit ihnen verbundenen sentimentalen und oberflächlichen Überzeugungen lobten sie Flexibilität und List im täglichen Leben (den Weg des Wassers) mehr als asketischen Rückzug.
Eines ihrer Sprichwörter lautet: „Der große Meister lebt auf dem Berg, der wahre Meister lebt auf dem Markt.“
Auch Walser, nicht mit freundschaftlichem Trost gesegnet, versuchte Teil der Gesellschaft zu sein, fand sich aber immer am Rande, zog sich schließlich in Irrenanstalten zurück und fand dort seine Einsiedelei.
Individuen und Denkschulen, die diese Art von via negativa zum Ausdruck bringen, haben mich immer mit ihrem transformativen Potenzial inspiriert, verschiedene Erzählungen freizusetzen.
Ihr kritischer Schwebezustand, ihre scharfe Ironie und ihr stiller Mut hinterfragen und dekonstruieren immer wieder das traditionelle anthropozentrische Paradigma und den blinden Glauben an Fortschritt, Dogma und Ideologie.
Mit den Erinnerungen an meine Kindheit und die meiner chinesischen Jahre, Walsers Bücher, die Aare und meine Streifzüge durch Bern suche ich immer wieder nach Kontinuität und organischer Spontaneität in meiner Begegnung mit Veränderungen.
 
Alessandro Rolandi 李山
Bern, 21.02.2023

 

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Text en francais

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Kathrin Racz

Auf dem Heimweg

 

Vernissage Freitag 27. Januar 2023 18Uhr

Einleitung durch Marc Munter, Kunsthistoriker

 

Öffnungszeiten

SA 28. und SO 29. Januar 2023 15-18Uhr

 

Bildergalerie

 

 

Heimweg

Eine subjektive, visuelle Bestandesaufnahme in der unmittelbaren Umgebung meines Wohnortes.
 

«You can find inspiration in everything” Paul Smith, Designer


Seit beinahe zwanzig Jahren führt mich mein Arbeitsweg durchs Liebefeld, ein Quartier der Gemeinde Köniz.
Die unzähligen baulichen Veränderungen, die im Quartier in den letzten zwanzig Jahren stattfanden, sind augenfällig, eine rege Bautätigkeit herrscht, es wird verdichtet gebaut.
Für meine Arbeit im Gepard habe ich mich von den Worten von Paul Smith inspirieren lassen und mir die Aufgabe gestellt, das Gebiet, in dem sich das gepard14, wie auch mein
eigenes Atelier befinden und dem ich bislang wenig Beachtung geschenkt habe, genauer unter die Lupe zu nehmen. So streife ich seit einiger Zeit durch Strassen und Wege, durchquere den Liebefeldpark, laufe durch den Steinhölzliwald, folge dem Saum des Könizbergwaldes und inspiziere Häuser, Plätze und Strassen. Dabei richtet sich mein Fokus auf kleine unscheinbare Dinge, die mir auffallen und die ich mit meinem Handy fotografiere.
Mein Wandern zeigt mir auf den ersten Blick Unspektakuläres. Einen Vorort, urbanes Leben halt, wie man es vermutlich überall in der Schweiz antrifft. Kein charmantes oder
auffälliges Zentrum, dafür eine verkehrsreiche Hauptstrasse und angenehme Nebenstrassen mit grossen Gärten zwischen den einzelnen Gebäuden.
Dank meinem beobachtenden Fokus entdecke ich jetzt Häuser «mit Frisuren», Schleichwege, spannende Treppen, einen Garten mit integriertem Bach, unzählige Bauprofile, wunderbare
Farbkombinationen an in die Jahre gekommenen Häusern, absonderliche Pflanzen, spezielle gestaltete Balkone, langweilige und spannende Gärten und überall Wipfelgirlanden. Erstmals begehe ich die Strasse, die den Namen «Heimweg» trägt. Was für ein sinniger Name in einem Quartier, das Heimat von ungefähr 7000 Menschen ist. Wenn ich jeweils im gepard14 ankomme, schreibe ich einen kurzen Text über meinen letzten Streifzug, inspiziere meine Fotos und entscheide, welche ich weiterbearbeiten und ausdrucken möchte. Anschliessend mache mich ans Zeichnen. Dabei lasse ich mich ganz auf den Prozess des subjektiven, zeichnerischen Dokumentierens ein und versuche, wenig zu werten, was dabei entsteht.

Ende Januar stelle ich meine ganze dokumentarische Arbeit vom 27. bis 29. Januar 2023 im gepard14 vor.
Anleitung zum genauen Schauen ist mein erklärtes Ziel für diese Arbeit. Ich wünsche mir, dass es gelingt, mit meiner Arbeit Besucherinnen und Besucher auch für ihren eigenen
Wohnort zu sensibilisieren.

Bern, 23. Dezember 2022
Kathrin Racz

 

Kathrin Racz
Auf dem Heimweg

Ein Haus an einer Strasse, deren Beschilderung auf die Könizstrasse schliessen lässt, ein weiteres Haus, davor eine Garage, beide mit geschwungenen Giebeldächern, so genannten Spitztonnendächern; eine Tamoil-Tankstelle, es ist jene an der Schwarzenburgstrasse im Liebefeld; eine schmale Steiltreppe, flankiert von einem Handlauf links und einem geweisselten Holzzaun rechts; eine Grossbaustelle; weiter Wimpelgirlanden, beim Brock & Art an der Stationsstrasse, im Garten eines Wohnhauses oder dann quer über eine verschneite Strasse; eine Rutschbahn in scheinbar wilder Vegetation, links davon wieder ein Gebäude im Bau oder Umbau und schliesslich, halb versteckt hinter Büschen und Bauzäunen, das Schild «Heimweg», welches derAusstellung den Titel gab.
Den aufgezählten Motiven auf den Fotografien von Kathrin Racz (*1956) sind wir, wenn vielleicht nicht hier, so doch anderswo, schon oft begegnet. Ebenso vertraut ist uns der Heimweg, auch wenn es weltweit nur deren vier mit der Bezeichnung gibt, alle in der Schweiz. Doch gerade das vermeintlich Gewohnte und Vertraute respektive das unvertraut Vertraute gab der Künstlerin den Anstoss zu ihrem Projekt. Mehrmals hinzuschauen, genau zu beobachten und mit verschiedenen Sinnen wahrzunehmen, zu erkennen, was uns auf dem Arbeits- und Nachhauseweg oder beim Spaziergang begegnet und die Sensibilisierung dafür zu schärfen, ist zugleich Thema und Anliegen der Künstlerin. Die Entdeckung des «Heimwegs» ging ebenso daraus hervor und erwies sich als glückliche Fügung für das Vorhaben, zumal sie den Weg vorher gar nicht kannte. Vielleicht: nicht bewusst wahrgenommen hat.
Wohnhaft im Spiegel, führt der Weg von Kathrin Racz zu ihrem Atelier in den Vidmarhallen seit bald 20 Jahren stetsdurchs Liebefeld und auch beim oder in der Nähe des gepard14 vorbei. Anlass genug, sich dem Weg, den sie immer mal ein wenig anders geht, ausgiebiger und genauer zu widmen, beobachtend und dokumentierend wie auch künstlerisch. So entstanden neben zahlreichen Fotografien von unterwegs – ausgestellt ist lediglich eine kleine
Auswahl – eine grössere Anzahl Zeichnungen und Objekte. Daneben hielt sie bei der Ankunft im Atelier ihre Beo bachtungen und Überlegungen häufig in Texten fest und führte vor Ort, bei geöffnetem Fenster, zu Beginn des  Projekts ein Geräuschprotokoll der Laute und Klänge, der leisen und lauteren Töne in der Umgebung. Sie ging also einen quasi mehrstimmigen, einen vielsinnigen Weg hin zu den künstlerischen Arbeiten. Ausserdem traf sie eine dezidierte Motivwahl: So tauchen bei den bearbeiteten Holzobjekten an der Wand in abstrahierter Form ebenfalls Treppen und Zäune, ein Garagentor sowie die geschwungen gescheitelten Hausgiebel auf, welche die Künstlerin an menschliche Frisuren erinnern. Zusammen mit der Fassade, den Fenstern und Türen ergibt sich daraus immer ein Gesicht, ein Antlitz, das so logisch wie komisch – eben ungewohnt gewohnt – erscheint und zu fantasieren wie zu (nach)denken gibt. Unter den Objekten sind auch gewächsartige, zeichenhafte Formen, die den Flicken einer renovierten Mauer nahe beim Zuhause der Künstlerin nachempfunden, inzwischen aber verschwunden sind. Insofern sind die Arbeiten in der Ausstellung ebenfalls Zeugnisse einer bestimmten Zeit, bestimmter Erscheinungen und Ereignisse. Auf der Ansichtsseite sind die Holzobjekte mit hellen Farben bemalt und mit Graphit überarbeitet; seitlich sind sie hellgrün gestrichen – in Anspielung auf das Moos, das in der Umgebung vielerorts ansetzt und gedeiht.
Den Motiven gemein ist die Kulturlandschaft, mit Eingriffen und Einrichtungen in der Umgebung. Diese sind nicht zuletzt der regen Bautätigkeit im Quartier geschuldet. In der relativ dicht besiedelten Agglomeration – das Liebefeld zählt rund 6‘100 Einwohner:innen, die Gemeinde Köniz gar über 42‘000 – gibt es kaum mehr ein ungenutzes, brach liegendes Stück Land. Ein Umstand, der in den Beobachtungen, den Anschauungen und Arbeiten der Künstlerin ebenfalls zum Ausdruck kommt.
Die Verdichtung hinterlässt schliesslich Spuren der Abnutzung und notwendiger Renovierungen, wie im Fall der erwähnten Mauer oder etwa auf stark belasteten Strassen. Mittels Schwarzweisskopien fügte die Künstlerin ein Geflecht von Reparaturlinien auf Asphaltstrassen zusammen. In der freien Anordnung ergeben sie ein ebenso fragiles wie poetisches und gar frisches Bild, das an ein Graffiti erinnern mag, zumal am Schluss noch eine Signatur auftaucht.

Von Innen nach Aussen, auf die Strasse und in die Gärten im Quartier lassen sich die Wimpelgirlanden an der Decke weiterdenken. Die Künstlerin bemalte sie entsprechend der verwitterten Farben ihrer Vorlagen mit Wachs und hängte sie in lockerer Anordnung quer sowie übereinander in den Raum, wodurch sie gleichsam festlich feierlich wirken.
Dahinter, auf den beiden grossformatigen Zeichnungen, sind weitere Wimpel-Ketten auszumachen. Auch sie stehen für die zunehmende Umgebungsgestaltung, umso mehr, als dass sie in Wohnquartieren häufig und im Liebefeld besonders oft anzutreffen sind. Wie die Girlanden selbst, liegen die Gründe dafür wohl in der Luft, ob nur der Verschönerung oder weiterer Bewandtnis wegen. Kathrin Racz zeichnete die beiden Grossformate zwar unabhängig voneinander, ging dabei aber ähnlich vor: Sie trug verdünnte und unverdünnte schwarze Tusche in grosszügigen, teilweise expressiven Gesten aufs Papier und bediente sich wiederum ihres Motiv-Repertoires: Neben den Wimpeln fügte sie Kräne, Treppen, Zäune, Bäume und auch «Frisuren» beziehungsweise Giebeldächer zu einem Panorama des Heimwegs. Ähnlich intuitiv und von verinnerlichten Bildern geleitet, bemalte sie das Leporello am Boden. Die Idee für die kugelförmig zerknüllten Papiere flog ihr dagegen spontan zu: beim letzten Schneefall, als Kinder unermüdlich Schneebälle ans Fenster warfen.
Der Arbeitstisch fügt sich in die Werkstatt-Atmosphäre, wie sie die Künstlerin die letzte Zeit hier erlebte. Ebenso ihr Entscheid, die Werke ungerahmt und eher frei, assoziativ zu präsentieren. Daher rührt auch die dichte Anordnung der Zeichnungen kleineren Formats an der Rückwand. Neben den wiederauftretenden Motiven beschäftigte sich Kathrin Racz mit den Farbstimmungen in der Umgebung und setzte diese als streifenförmige und flächige Bilder sowie als Kompositionen abstrakter Formen um.
Der Gruppe vonZeichnungen mittleren Formats rechts daneben, liegt ein mehrstufiger Arbeitsprozess zugrunde. Ursprünglich waren es lineare Tuschzeichnungen, die die Künstlerin für das Projekt nun mit weisser Gesso-Farbe übermalte. Die Oberflächen hat sie leicht abgeschliffen, so dass die schwarzen Zeichnungen durchschimmern. Darauf gestaltete sie mit farbiger Pastellkreide die eigentlichen Sujets: Einmal, in Vierecke gefasst, eine Farbstimmung; weiter Zäune und Wimpel oder die kreisrund geschnittenen Buchsbäume eines Gartens in der Nachbarschaft. Weiter überlagerte sie die Bilder stellenweise mit Transparentpapieren, auf denen sie mit Graphitstift noch einmal Bekanntes wie Wimpel und Zäune aufgriff, häufig aber in der Art eines Rapports, eines Musters. Diesen sind weniger die Strenge der Wiederholung als mehr die Reduktion und Eigenwilligkeit der Zeichnung eingeschrieben. Sie mögen uns beim Besuch der Ausstellung und beim Nachdenken darüber weiterführen, auf den Wegen der Künstlerin wie auf eigenen Wegen und Umwegen.

Marc Munter, Kunsthistoriker, Bern